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COMPACT-Magazin 09-2016

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COMPACT Politik nicht mal mehr der Prince of Wales, wenn man sie ihm vorliest. Und der hat bekanntlich große Öhrchen. Aber der Quatsch wird quätscher, bis er quietscht. Und die neue Chefredakteurin Tanit Koch macht weiter: The same procedure as every day, my dear Kaischi. Kaischi, Steini und Wulffi 30 Eigentlich trifft sich Friede Springer lieber mit Angela Merkel. Zur Gedenkfeier für Guido Westerwelle fühlte sie sich aber auch zwischen Klaus Wowereit und dem damaligen Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen wohl. Foto: picture alliance / Eventpress Fortsetzung folgt! In der nächsten Ausgabe von COMPACT setzen wir das Interview mit Peter Bartels fort. Dann erfahren Sie, was er über die Lügenpresse denkt, wer bei Bild den Chefredakteur bestimmt, welche Unternehmensgrundsätze jeder Mitarbeiter unterschreiben muss – und warum in der Leserschaft Sozis meistens in der Mehrheit waren. Last but not least finden Sie im Oktober-Heft eine Bewertung von Kai Diekmanns Nachfolgerin im Bild- Chefsessel, Tanit Koch. Bild-Zeitung vom 2. Oktober 1989. Foto: Bild / Repro COMPACT Also hat Diekmann ein Blatt gemacht für Leser, die es zwar manchmal gelesen, aber nicht gekauft haben? So in etwa; natürlich muss man das Themenspektrum so breit wie möglich fächern. Und natürlich interessiert Mama oder Papa, was andere Mamas und Papas für Sorgen mit ihren schönen Töchtern oder schicken Söhnen haben. Aber Du kannst kein Blatt für diese junge Zielgruppe machen, wenn Du weißt, dass 90 Prozent Deiner Leser eben der Jugend nur noch zugucken können – und wollen. Mit «Refugees welcome» ist Diekmann gnadenlos auf die Schnauze gefallen. Zumal der Sound, die Schreibe für junge Leser sicher anders klingt… Wenn der Chefredakteur ein Blatt für die falsche Altersgruppe macht, ist er immer auch in Versuchung, die falsche Sprache zu benutzen. Wenn ich für 25-Jährige schreibe, muss ich auch reden wie 25-Jährige. Das verstehen die älteren Herrschaften aber nicht, wollen es auch nicht verstehen. Vor allem, wenn der «RedakteurIn» exaltiert auf jung mimt, mit Anglizismen keult, weil er glaubt, das ist modern, chic – jung eben… Dumm nur, dass die meisten «Alten» dieses typisch britische «sophisticated» Englisch weder kapieren noch kapieren wollen; die einen hatten ein bisschen Merkel- Russisch, die anderen etwas Pumpernickel-Englisch, ansonsten eben Ruhrpott, Bayern, Sachsen. Im Übrigen: Diekmanns jaulende Anglizismen-Zeilen versteht Zum Glück für den Leser macht «Bild» ja in großem Stil Politik – Kommentare, Interviews, Berichte, vieles sogar exklusiv! Diekmanns nächster Fehler: Kaischi hat nie begriffen, dass Politik in einem Massenblatt verminter Bereich ist. Die Leute sagen zwar bei jeder neuen Marktforschung: «Politik ist gaaanz wichtig.» Aber tatsächlich interessiert es sie einen feuchten Kehricht – von Oberlehrern, Bürgermeistern, Gewerkschaftern mal abgesehen. Bei der Masse kommt Politik in Wahrheit unter «ferner liefen». Andrea Berg ist wichtig, Herbert Grönemeyer, der «Alpen-Elvis» Gabalier, Klatsch und Tratsch – Trash, nicht Politik. Aber so ist das nun mal: Wenn einer Schweineschnitzel will, kann ich ihm kein Hammelkotelett verkaufen. Es ist nicht wichtig, was dem Chefredakteur gefällt – dem Leser muss es gefallen. Aber Politik betrifft doch alle Menschen… Boulevard-Leser nur bei Wahlen… Das hat seinen guten, meinetwegen schlechten Grund: Kaufleser sind schnelle Leser. Die Zeitung tischt ihnen ein politisches Problem auf, der Leser schluckt es – vielleicht – zwei, drei Tage. Aber keine Monate, wie bei Diekmanns Pleite-Hellenen, die einfach nicht genug Steuern von ihren Griechen «griechen» (Bild). Nach ein, zwei Polit-Stories haben die Leser «fertig». In der wirklichen Politik geht es aber dann erst los: Plenum, Debatten, «McCarthy-Talkshows», keifend, knurrend, hufescharrend, bis in die Nacht… Und ein strichlippiger Steinmeier schwafelt, ohne ein einziges Wort zu sagen, Tagesschau und Heute-Journal zu… Und am nächsten Tag labert Bild seine letzten Leser auch noch anderthalb Bleiwüsten-Seiten lang mit einem französischen Lambretta-Präsidenten voll. Und der eitle Kaischi enthüllt nicht mal, dass der Figaro das Resthaar des Präsidenten fünfmal täglich kämmen, legen und föhnen muss, dafür aber 9.000 Euro Staatsknete kassiert… Vorwärts in den Untergang Verkaufte Auflage in Millionen 4,71 2,65 Quelle: IVW 3,88 2,16 3,10 1,70 «Bild» «Bild am Sonntag» 1,85 1998 2004 2010 2016 1,01 Grafik: COMPACT

COMPACT Politik Trotzdem hat «Bild» auch früher, wie unter Kai Diekmann später, Politik gebracht und gemacht… Noch mal: Wenn irgendein Sozi-Verteidigungsminister mit einer Gräfin irgendwo im Mittelmeer plantscht, dann ist das auch und gerade für Bild «Politik». Und natürlich ist es toll, wenn ein niedersächsischer Ärmelschoner namens [Christian] Wulff à la Dürrenmatts «Grieche sucht Griechin» plötzlich mit einer schönen Blondine auftaucht. Dann ist das für ein Massenblatt sogar ganz große «Politik», schließlich droht der Ärmelschoner Präsident zu werden, wird es dank Muttchen tatsächlich… Nein, «richtige» Politik hat nur ein Mal für längere Zeit Auflage gemacht. Und das war die Wiedervereinigung, die bekanntlich von Mai 1989 bis Mai 1991 dauerte… Kaischi, Mutti und Friede 255 Seiten für 19,95 Euro. ISBN: 3864452821 Foto: Kopp Verlag Besonders dramatisch war der Absturz von «Bild» letztes Jahr, als die Zwei-Millionen-Grenze nach unten durchbrochen wurde… Kai Diekmann hat drei Schallmauern durchbrochen: vier Millionen, drei Millionen, zwei Millionen. Darum nenne ich ihn «Undertaker»: Er ist der Totengräber von Bild. Sein vorerst letzter Fehler begann, als er 2015 anfing, dem Mainstream in den Arsch zu kriechen und seine Leser erst zu beschimpfen, dann zu vertreiben. Weit über eine Million nicht registrierter Flüchtlinge fluteten die von Honeckers Musterschülerin Merkel geöffneten Grenzen. Und Diekmann sagt «Welcome!», sogar in extra 40.000 auf Arabisch gedruckten Blöd- Zeitungen – und verschenkt sie an Moslems, die nicht lesen können, weil sie´s nicht gelernt haben. Dieser Spruch «Say it loud, say it clear, refugees are welcome here!» – ist der von «Bild»? Keine Ahnung. Aber der Spruch «Wir schaffen das» ist von Moslem-Muttchen Merkel. Diesen Spruch kannte sie aus der DDR. «Das schaffen wir» schalmeiten damals ZK und Neues Deutschland unisono zu allen Fünfjahresplänen. Und Diekmann wieselte der Wessi- Version eilfertig hinterher: «Jawoll, wir schaffen das!» Jeder sah in der Tagesschau die Heerscharen junger, schicker Männer mit Smartphone am gepiercten Ohr. «Da kommen die, die unsere Renten retten. Fast alles Ingenieure, Ärzte, Akademiker», so oder so ähnlich ließ Diekmann wider besseres Wissen seine Redakteure schreiben. Jeder Deutsche wusste sehr, sehr bald: 80 Prozent haben nicht mal drei Schuljährchen im Tornister. Aber «das Kaischi» startete die Aktion «Refugees welcome». Und ist damit gnadenlos auf die Schnauze gefallen! Er fand sogar die Türken toll, bis «Erdowahn» auch die Dogan-Holding anfing windelweich zu prügeln, an der doch Springer so schön beteiligt ist. Irgendwann fing Bild dann an, die Montagsspaziergänge von Pegida in Dresden zu kritisieren… Da liefen Tausende durch die Stadt, und Diekmann glaubte ausgerechnet den Reportern, deren Väter wegen genau solcher Spaziergänger die ganze, schöne DDR verloren hatten. Schlimmer: Er nannte diese Spaziergänger bald nur noch Dunkeldeutsche, Pack, Nazis. Weihnachten sangen sie an der Elbe nicht «Stille Nacht», sie «grölten»! Nazis eben… Bild riss sie aus Facebook raus, brachte Schlagzeilen und Doppelseiten, stellte sie an den Bild-Pranger, um zu «beweisen», was für Schwachmaten da ihre Wut, ihre Angst raus stammelten, von wegen Migranten-Invasion. Aber: Das waren alles Leser, vor allem auch Bild-Leser! Und für so ein Blatt sollten sie auch noch fast zwei Mark – 90 Cent – bezahlen? Wenn meine Frau mir in den Arsch tritt, tut es ebenfalls weh, aber es kostet wenigstens kein Geld! Es war einfach instinktlos, was Diekmann da mit seiner Redaktion gemacht hat. Die Herren Großverdiener haben vertrieben, wovon sie lebten – ihre Gehaltszahler, die Leser! Aber wenn’s doch aus der Sicht des Mainstream und der «Bild» tatsächlich alles nach Pack aussah? Sogar SPD-Chef Sigmar Gabriel hat´s doch gesagt… Ob Gabriel oder Diekmann – sie müssen vorerst mit dem Volk leben, das sie haben – Pack hin, Pack her. Gabriel kriegt seine Quittung nächstes Jahr. Diekmann hat die ersten beiden finalen Quartals-Quittungen schon kassiert. Man wird sehen, wie lange Friede [Springer] zusieht, wie einer das Lebenswerk ihres Mannes verjuckelt. Wissen Sie, wenn ich die Welt retten will, werde ich Gandhi. Oder vielleicht Papa Theresa. Wenn ich ein linkes Blatt machen will, dann mache ich die Alpen- Pravda Süddeutsche oder den Spiegel. Wenn ich Bild machen will, dann muss ich ein Blatt für die Mitte machen – etwas rechts, etwas links, ansonsten Mitte. Die Deutschen waren nie links oder rechts, sie waren immer sowohl als auch. Konservativ. Gut gelaunt: Peter Bartels deckt die Geheimnisse von «Bild» auf. Foto: Peter Bartels Diekmann ist der Totengräber von «Bild». _ Peter Bartels ist seit 50 Jahren Journalist und war 17 Jahre bei «Bild». 1974 wurde er Unterhaltungschef in der Hamburger Zentralredaktion und begann seinen Aufstieg im Springer-Konzern. Von 1989 bis 1991 war er zusammen mit Hans- Hermann Tiedje Chefredakteur von «Bild» – in der spannenden Zeit der Wiedervereinigung, als das Blatt noch fünf Millionen Auflage hatte. Im Frühjahr ist sein Buch «Bild – Ex-Chefredakteur enthüllt die Wahrheit über den Niedergang einer einst großen Zeitung» erschienen (Kopp Verlag, 255 Seiten, 19,95 Euro). – Das Interview wurde von Arne Fischer geführt. 31

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