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COMPACT-Magazin 09-2016

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COMPACT Politik NSA und Google «Nach Prism lautet Muscular das neue Stichwort der Stunde in puncto NSA-Skandal. Der Begriff bezeichnet ein geheimes Projekt, in dem der US-amerikanische Geheimdienst direkt die Datenleitungen der Datenzentren von Yahoo und Google anzapft. (…) Wie es die NSA jedoch geschafft hat, auf den Datenverkehr zwischen den Serverzentren zuzugreifen, ist unbekannt. Die Unternehmen schützen diese durch ein eigenes Kabelnetzwerk, um Zugriff von außen zu verhindern. Offenbar hat der Geheimdienst in Kooperation mit den britischen Government Communications Headquarters (GCHQ) eine Möglichkeit gefunden, in diese unbemerkt einzubrechen. Google und Yahoo betonten gegenüber (…), dass sie nichts von den Eingriffen gewusst hätten.» (netzwelt. de, 31.10.2013) Google-Geschäftsführer Sundar Pichai im Jahre 2014. Foto: Maurizio Pesce, CC BY 2.0, flickr.com waren. Wenn ich bei den Schilling-Brüdern nachfragte, hieß es: Das sind Experten von Google, die optimieren unsere Prozesse. Was das genau bedeutete, habe ich nie herausbekommen. Fakt ist jedenfalls: Diese Fachleute hat angeblich Google bezahlt, nicht Unister. Die Amerikaner hatten ein riesiges Interesse an diesem Kunden. Wagner saß ihnen gegenüber am längeren Hebel. Das zeigte sich im Frühjahr 2016: Mittlerweile waren die Schulden von Unister so hoch geworden, dass Google die Reißleine zog – Wagner durfte keine Anzeigen mehr schalten. Doch nach zwei Wochen kroch Google zu Kreuze und räumte dem Leipziger Unternehmen wieder alle Vorrechte ein. Die kurzzeitige Eiszeit hatte den Amerikanern mehr geschadet als den Deutschen. In dieser Situation muss Wagner erkannt haben, welche Macht er über Google hat. Meine Vermutung: Er hat den Web-Giganten entweder unter Druck gesetzt und Geld verlangt, um damit seine viel größeren Schulden, etwa beim Versicherer HanseMerkur, zu bedienen, oder Google ist durch Wagners eigene Insolvenzplanungen irritiert worden, weil damit ein Auffliegen des illegalen «auction-riggings» drohte. Das amerikanische Interesse Das ist eine Vermutung. Und, selbst wenn sie stimmt: Deswegen bringt man doch keinen um! Um Himmels Willen, das habe ich nicht behauptet. Google ist ein Unternehmen der Privatwirtschaft, die bringen niemanden um. Das kann nur eine Regierung oder ein Geheimdienst machen. Welcher? Nun befinden wir uns weiter im Bereich der Spekulation. Aber das dürfen wir ja, denn alle anderen Medien spekulieren beim Tod von Thomas und Oliver auch nur herum. Wenn wir über Google reden, reden wir jedenfalls über die US-Geheimdienste. Spätestens seit den Enthüllungen von Edward Snowden ist bekannt, dass Google Daten weitergibt. Und als Drehscheibe für Informationen ist Google überdies ein Instrument amerikanischer Softpower. Würde das Unternehmen vernichtet, wäre das ein schwerer Schlag für Dienste wie CIA und NSA, für die US-Hegemonialpolitik überhaupt. Wenn wir über Google reden, reden wir jedenfalls über die US-Geheimdienste. Aber wenn Wagner mit Google gebrochen hätte, hätte das doch nicht Google vernichtet! Sicher nicht, wenn man nur das bilaterale Geschäft betrachtet, also nur den reinen Geldfluss. Aber Wagner hätte auspacken können, was die Grundlage der so erfolgreichen Unister-Google-Verbindung war, nämlich die meines Erachtens gesetzwidrige Bevorzugung der Leipziger im Auktionsverfahren um die besten Anzeigenplätze, was den freien Wettbewerb in der Tourismusbranche zerstört und die Konkurrenten durch Preistreiberei in die roten Zahlen getrieben hat. Eine solche Information wäre eine scharfe Waffe für die EU-Kommission gewesen, die ohnedies ein Kartellverfahren gegen Google betreibt. Mit Hilfe von Wagner hätte Brüssel das Verfahren erfolgreich abschließen und die Cyber-Krake des Großen Bruders zerschlagen können, zumindest auf dem europäischen Markt. Gut, jetzt haben wir genug spekuliert. Was bleibt an Fakten? Nach dem Tod von Wagner habe ich keine Traueranzeige von Google gesehen. Dabei war er der wichtigste Kunde in Europa, seit etwa zehn Jahren. Finden Sie diese Sprachlosigkeit nicht seltsam? Überreste der Piper PA-32 in einem Wald etwa 50 Kilometer westlich der slowenischen Hauptstadt Ljubljana. Fotos: picture alliance / dpa 42 _ Reinhard Rade, Anfang der 1990er Jahre bei den Republikanern aktiv, hat sich seit Langem aus der Politik zurückgezogen. Heute betreibt der Leipziger ein erfolgreiches Exportunternehmen und verkauft unter anderem Hubschrauber und Immobilien. – Interview: Jürgen Elsässer

COMPACT Dossier Dossier _ Seite 44–52 Die neue Protestjugend Hip, konservativ, rebellisch – jetzt kommen die Identitären! In Österreich haben sie schon 1.000 aktionshungrige Mitglieder, ihr Chef ist ein neuer Rudi Dutschke. Damit sie nicht auch Deutschland erobern, hat sich jetzt der Verfassungsschutz eingeschaltet. Aber was wollen die Dunkelmänner gegen einen Widerstand tun, den man tanzen kann? Foto: identitaere-bewegung.de 43

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