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COMPACT-Magazin 09-2016

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COMPACT Dossier IB-Aktivisten in der Berliner Amadeu-Antonio-Stiftung. Foto: Identitäre Bewegung Bild oben rechts: Während der IB- Demonstration am 6. Juni in Wien nahm die Polizei sieben Gegendemonstranten fest. Foto: picture alliance / Herbert Pfarrhofer / APA / picturedesk.com widersprechen unserem Grundverständnis als Identitäre und Ethnopluralisten. Wir wissen genau, dass die Masseneinwanderung Teil eines globalen Zerstörungsfeldzugs gegen alle Völker und Kulturen ist. Wir wissen genau, dass es die eigene Dekadenz und der liberalistische Werteverfall sind, die Europa erst sturmreif für die Invasion der Fremden gemacht haben. Wir wissen vor allem, dass der wahre Feind im eigenen Land sitzt: Unsere Eliten, die uns fortgesetzt verraten, unsere Intelligenz, die sich im Ethnomasochismus suhlt – das sind die eigentlichen Urheber der Misere. Dieser Prozess ist der Große Austausch. Er steht als wahres Problem hinter allen Randphänomenen. Ein Volk kann sich von wirtschaftlichen und kulturellen Krisen erholen. Die schlimmsten Fehler und Niederlagen können bereits in der nächsten Generation wiedergutgemacht werden. Der Prozess des Großen Austausch ist jedoch irreversibel. Er geht an die Substanz. Alle Debatten über Regierungsformen, Wirtschaftssysteme, über religiöse und umweltpolitische Themen erübrigen sich, wenn das «Subjekt» dieser Fragen, das Volk, nicht mehr existiert. Viele Probleme, eine Ursache Die Einigung der Patrioten 48 Unsere Bevölkerungsschrumpfung soll nach den Plänen der Multikulti-Strategen durch Masseneinwanderung ausgeglichen werden. Im rechten Lager wird eine Vielzahl an Problemen und Themen abgearbeitet. Von Ausländerkriminalität über Koransuren bis zum Genderwahn wechseln sich die Themen meist täglich ab. Der entscheidende Prozess, an dessen Oberfläche die vielen kleineren Probleme wie Schaum auf einer Welle auftauchen, gerät dabei oft aus dem Blickfeld – das Wegschrumpfen unserer demographischen Substanz und unsere Ersetzung durch fremde Einwandererströme. Das Defizit soll nach den Plänen der Multikulti-Strategen durch Masseneinwanderung ausgeglichen werden. Auf lange Sicht führt dies notwendig zu einem Austausch der europäischen Völker durch Fremde. Dass dabei die Kulturen, die Sprachen und Identitäten auf der Strecke bleiben werden, ist jedem klar. Es zeigt sich bereits überdeutlich in den «gekippten» Straßen, Vierteln und Städten, die nicht mehr Teil des ethnokulturellen Europas sind. Sie sind wie schwarze Löcher – in religiöser, sprachlicher, sozialer und sogar juristischer Hinsicht. No-Go-Areas, Scharia-Zonen, fremde Enklaven – sie wachsen und wachsen. Traditionell gibt es im rechten Lager einen liberaleren und einen konservativen Flügel. Heute zeigen sich diese in einer eher libertären, aufklärerischen Islamkritik und einer eher konservativen, aufklärungskritischen Kulturkritik. Die eine Seite sieht im Islam und der Islamisierung die größte Gefahr und verteidigt vor allem die westlichen, freiheitlichen Verfassungsordnungen. Die zweite wirft diesem Flügel vor, damit auch die unüberwindbaren inneren Widersprüche und Verfallstendenzen des Liberalismus zu verteidigen, die erst zum demographischen und kulturellen Niedergang geführt haben. Sie sehen das Problem also vor allem in uns selbst, in unserer Unfähigkeit zur Verteidigung und Fortführung unserer Traditionslinien. Die erste Position führt zu einem bis ins Neokonservative reichenden «Selbstverteidigungsmodus» des Liberalismus, der einen wehrhaften Staat und eine kompromisslose Leitkultur anstrebt. Die zweite Position sieht sich eher zu einer grundlegenden Kritik an der Moderne, an ihrem Universalismus, Egalitarismus und Progressivismus genötigt.

COMPACT Dossier Der Große Austausch trägt beiden Perspektiven Rechnung und fasst sie zu einer umfassenden Kritik zusammen. Die Abschaffung und Ersetzung, die stattfindet, betrifft sowohl unser Rechtssystem und unsere Demokratie als auch unsere ethnokulturelle Substanz. Die Ideologie der Multikultis, die die freiheitlichdemokratische Grundordnung als Abstraktum verteidigen will, als wäre sie eine ungeschichtliche, zeitlose Größe, erweist sich mehr und mehr als falsch. Die Einwanderer bringen auch ihre Geschichte und Kultur mit, die – als Gegenmythos, Kitt und ideologischen Fluchtpunkt – letztlich die Scharia dem als fremd empfundenen westlichen System gegenüberstellt. Die kulturkonservative Rechte hegt oft eine (un-)heimliche Sympathie für den ebenso konservativen Islam. Der Islam wirkt also hier in jeder Hinsicht verstärkend und zuspitzend. Das wird von kulturkonservativen Strömungen, die oft eine (un-)heimliche Sympathie für den ebenso «konservativen» Islam hegen, leider in der Regel unter den Teppich gekehrt. Aber an einem Punkt haben sie Recht: Eine Masseneinwanderung würde auch dann zu einer Totalveränderung und Abschaffung unseres Rechtssystems und unserer kulturellen Identität führen, wenn sie nicht aus dem islamischen, sondern einem anderen außereuropäischen Kulturraum käme. De facto ist dieses Gedankenexperiment aber hinfällig, da die Flutung unseres Kontinents sich hauptsächlich in Gestalt muslimischer Massen vollzieht und dies aufgrund der demographischen Situation in den Herkunftsländern auch so bleiben wird. Der Kampf gegen die Islamisierung Europas deckt sich also mit jenem gegen die Massenimmigration. Die Bestrebungen aller islamischen Lobbygruppen in Europa zielen daher auch auf die Lockerung der Einwanderungsgesetze. Sie intendieren die Mobilisierung, Aktivierung und Ermächtigung der wachsenden islamischen Minderheit und benutzen den tief in uns eingebrannten Schuldkult als Druckmittel. Die kulturkonservativen, volksbezogenen und die islamkritischen, eher staatsbezogenen Rechten müssen in dieser Situation gegen den Großen Austausch zusammenarbeiten. Praxis Infokrieg An sich ist der Terminus Großer Austausch nicht für die direkte Informationsarbeit geeignet – er ist eher ein Meta- und Überbegriff. Zu akuten Schlagworten wie «Festung Europa» und «Remigration» bleibt er zwar stets das Fundament und markiert den Verständnishorizont, die akuten Probleme müssen aber direkt angesprochen werden. Bilder und Worte, die das Volk versteht, müssen unbedingten Vorrang haben. Ganz bewusst haben wir in Österreich den Großen Austausch daher nur einmal, in einer zentral geplanten Kampagne, thematisiert und lanciert. Gute Infoarbeit ist kein eigenwilliges «In-den-Raum-Stellen» von bisher unbekannten Begriffen. Sie ist mit einer Rolltreppe vergleichbar, die die Bevölkerung bei ihrem simplen «partypatriotischen Bewusstsein», das sich bloß auf die Symptome fokussiert, abholt und sanft auf das Niveau des identitären Problembewusstseins, auf das Sich-des-Großen-Austauschs-bewusst-Sein hebt. Mit Heidegger in den Widerstand «Die seinsgeschichtliche Epoche, in der wir uns befinden, beschreibt uns Heidegger als Ge-stell und Seinsvergessenheit, als Entzug von Sein. Das bedeutet letztlich den Verlust jeder ganzheitlichen Deutung, jeden Sinns, jeder Qualität von Dingen, Mitmenschen und damit auch einen Verlust von Volksgeist und -seele. Dagegen stellt Heidegger ein Denken des Volkes als ”nicht patriotisch, nicht nationalistisch, sondern seinsgeschichtlich” und die Heimat als ”geschichtliches Wohnen” in der ”Nähe zum Sein”.» (Martin Sellner / Walter Spatz, Gelassen in den Widerstand. Ein Gespräch über Heidegger, Verlag Antaios, 2015) Martin Heidegger (1889–1976). Foto: picture alliance / Fred Stein Im April stürmten die Identitären die Bühne des berühmten Wiener Burgtheaters. Foto: Identitäre Bewegung _ Martin Sellner, geboren 1989 in Wien, studiert Philosophie (B.A.) und Rechtswissenschaften an der dortigen Universität. Als Kopf der Identitären Bewegung (IB) in der Alpenrepublik arbeitet er an der theoretischen Fundierung der IB und ihrer Umsetzung in politische Aktivitäten. Wir freuen uns auf ihn als Redner bei der COMPACT- Konferenz «Für ein Europa der Vaterländer» am 29. Oktober in Köln. – Der Text ist eine stark gekürzte und bearbeitete Fassung des Nachworts, das Sellner für den Sammelband «Renaud Camus, Revolte gegen den Großen Austausch» (Verlag Antaios, 2016) geschrieben hat. 49

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