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COMPACT-Magazin 10-2016

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COMPACT Köpfe des Monats Foto: Ralf Roletschek, CC BY 3.0, Wikimedia Commons Foto: Andre Freud, CC BY-SA 3.0, Wikimedia Commons Foto: picture alliance / dpa Kassierer des Monats _ Franz Beckenbauer Maulheld des Monats _ Horst Seehofer Deutschtürkin des Monats _ Nazan Eckes 10 Gekauft wurde sie angeblich nicht, die Fußball-WM 2006 in Deutschland. Aber zumindest für den Chef des Organisationskomitees, Franz Beckenbauer, lohnte sich das Sommermärchen auch finanziell. Zwar war sein WM-Job ehrenamtlich – doch 5,5 Millionen Euro kassierte der Kaiser zeitgleich vom Sportwettenanbieter Oddset. Dieser war als einer von fünf nationalen WM-Sponsoren eingestiegen und hatte nach Angaben des Deutschen Fußball-Bundes «Wert auf die aktive Einbindung» Beckenbauers in seine Reklame gelegt. Illegal war das Geschäft nicht – und angesichts der Millionensummen, die Prominente für Werbeveträge kassieren, vermutlich noch nicht einmal besonders herausragend. Negativschlagzeilen sind dem Ehrenpräsidenten des FC Bayern München dennoch sicher. Immerhin erschütterten Finanzskandale in den letzten Jahren sowohl den Fußball-Weltverband FIFA als auch dessen Europakonföderation UEFA. Auch über Gegenleistungen bei Vergabe der WM 2006 gab es immer wieder Spekulationen. Ernsthaft beschädigen dürfte das Bekanntwerden des Deals Beckenbauer jedoch nicht. Der heute 71-Jährige hatte sich zeitlebens als Franz im Glück erwiesen. Vier deutsche Meisteschaften, Pokal- und Europacupsiege und einen Weltpokalerfolg konnte er mit den Bayern feiern. Hinzu kamen Meisterschaften mit dem Hamburger SV und den New York Cosmos sowie je ein Welt- und Europameisterschaftstitel als Spieler. 1990 krönte er seine Laufbahn mit einem weiteren WM-Gewinn als Teamchef – die Trainerlizenz erhielt er später ehrenhalber. (mmm) Ein wenig wirkt Horst Seehofer wie ein in Rage geratener Sitzriese. Von Bayern aus übt sich der CSU-Ministerpräsident in deftiger Kritik gegen den Refugee-welcome-Kurs von Bundeskanzlerin Angela Merkel. «Wir wollen die Obergrenze, weil die Obergrenze eine Voraussetzung ist für die gelingende Integration. Dann schaffen wir es», erklärte er Mitte September nach einer Klausurtagung seiner Partei. Für ein Weiter so sei «die Problemlage zu groß, und dafür sind die Lösungsansätze bisher zu unbefriedigend», griff er Merkel auch persönlich an. Selbst die Unterstützung im kommenden Bundestagswahlkampf drohte der Christsoziale seiner Unionschwester schon zu versagen. Dass die Teflonkanzlerin die Rufe aus München ernst nimmt, ist allerdings nicht zu erwarten. Immer wieder hatte Seehofer Merkel in der Vergangenheit Ultimaten gestellt – und sie regelmäßig verstreichen lassen. Dabei ließ die Rautenfrau den Bayern – der zwischen 2005 und 2008 als Landwirtschaftsminister in ihrem Kabinett saß – seelenruhig auflaufen. Diese Spielchen haben Tradition zwischen den Unionsparteien. 1976 kündigte Franz Josef Strauß sogar die Fraktionsgemeinschaft mit der CDU im Bundestag, um schon bald wieder in die Ehe zurückzukriechen. Allerdings könnte die CSU in den Abwärtstrend der Multikulti-Mutti geraten. Nach einer Umfrage von Anfang September kämen die Christsozialen in Bayern auf nur noch 42 Prozent – anderswo ein triumphaler Sieg, doch im Freistaat für die ewige Regierungspartei eine krachende Niederlage. (fb) Bei ihren Glaubensbrüdern dürfte der RTL- Star (Explosiv, Let’s Dance) künftig einen schwereren Stand haben. «Mein Mann ist katholisch, ich bin Muslimin. Wir haben uns vorgenommen, dass unsere Kinder später selber entscheiden können, welcher Religion sie angehören wollen», kündigte Nazan Eckes im September im Magazin Closer an. So viel Liberalität ist in den Augen der Allah-Jünger eine Todsünde: Eltern müssen «den Islam als die wichtigste Angelegenheit in ihrem Leben betrachten», heißt es unmissverständlich im Schariaportal Islamweb. Schön öfter hatte Eckes – Schwiegertochter des österreichischen ÖVP-Präsidenschaftskandidaten Andreas Khol – Islamversteher und Multikulti-Lobby provoziert. «Das Zusammenleben von Deutschen und Türken ist wie eine arrangierte Ehe», schrieb sie etwa in ihrer Autobiografie Guten Morgen, Abendland. «Meist ertragen wir die Launen und Eigenheiten des anderen.» Es sei wichtig, «dass die Menschen die Leitkultur zumindest respektieren», sagte sie in einem Interview. Sie sei «ein sehr disziplinierter Mensch und habe das in erster Linie durch deutsche Arbeitsstrukturen gelernt. Ich verstehe allerdings immer nicht, was daran so schlimm sein soll.» Als Feministin möchte sie sich nicht bezeichnen: «Dieser Begriff ist extremistisch behaftet.» Dabei scheint die 40-Jährige das Scheitern der Integrations-Romantik zwar zu ahnen, doch zugleich zu bedauern. Es sei wichtig, «dass Deutschland ein buntes Land ist, in dem jede Nation, Kultur und Religion einen Platz hat». (km)

COMPACT Titelthema Invasion aus Afrika _ von Martin Müller-Mertens 20 Millionen sitzen auf gepackten Koffern, rund 900.000 warten bereits in Libyen auf die Überfahrt nach Europa. Die Politik von EU und Merkel-Regime wirkt auf Schlepper wie ein Magnet – Deutschland ist das gelobte Land für Elendsflüchtlinge, Abenteurer und Verbrecher. Italien ist Hauptankunftsland für Afrikaner in Europa. Diese rund 1.000 zumeist Männer fuhr die Marine gleich bis nach Salerno auf dem Festland. Foto: picture alliance / Pacific Press Ein Asyl-Tsunami schiebt sich über das Mittelmeer. Rund 119.000 Migranten erreichten zwischen Jahresbeginn und Ende August die Küsten Italiens. Von dort ziehen sie weiter nach Norden und sammeln sich an drei Punkten: Als erstes im französischen Calais, wo ihr Lager – der berüchtigte Dschungel – mittlerweile auf über 10.000 Personen angewachsen ist. Die Illegalen blockieren die Fahrbahnen zum Kanaltunnel, attackieren LKWs, springen auf die Ladefläche. Regelmäßig werden Razzien durchgeführt und die Slumbaracken eingerissen – ohne ihren Neuaufbau am nächsten Tag verhindern zu können. Die Afrikaner wollen nach Großbritannien, weil es dort kein Meldegesetz gibt und sie so leichter untertauchen können als auf dem Kontinent – und weil sie in der Regel Englisch sprechen und nicht Französisch oder Deutsch. geräumt wird. Die Eidgenossen haben die Übergänge zwar abgeriegelt – doch über die Tessiner Berge laufen uralte Schmuggelrouten, die schwer zu kontrollieren sind. Noch leichter ist die Einreise über den dritten Hotspot, den Brennerpass, nach Österreich. «Wir wissen nicht, wie lange Italien durchhält. In Norditalien kam es bereits zu ersten Unruhen», gab sich das Innenministerium Österreichs im Spätsommer alarmiert. Zeitgleich erwog Wien, jene Grenzzäune aufzustellen, die seit dem Frühjahr am Brenner bereitgehalten werden. Bozen stampfte Auffanglager für zwei Millionen Euro aus dem Boden, um des erwarteten Rückstaus Herr zu werden. Doch das Ziel der Illegalen in Como und in Südtirol sind nicht die beiden Alpenrepubliken – sie wollen weiter in Angela Merkels gelobtes Land. «In Norditalien kam es bereits zu ersten Unruhen.» Österreichisches Innenministerium Kampf um den Brennerpass Als zweiter Brennpunkt ist seit dem Frühjahr das norditalienische Como hinzugekommen. Die malerische Stadt am gleichnamigen See – dort hat George Clooney sein luxuriöses Domizil – ist das Einfallstor in die Schweiz, zwischen 500 und 1.000 Migranten campieren wild um den Bahnhof, obwohl immer wieder «Gruppen von vor allem jungen Afrikanern, bewacht von Beamten der Bundespolizei, mal am Wartehäuschen neben der Tramhaltestelle, mal an der Basler Straße, ein andermal direkt am Grenzübergang Otterbach», beschrieb die Badische Zeitung bereits im Juni die Situation in der Grenzstadt Weil am Rhein. Zu diesem Zeitpunkt waren dort jedoch erst einige Tausend Afrikaner nach Süddeutschland eingesickert. 11

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