Aufrufe
vor 9 Monaten

COMPACT-Magazin 10-2016

  • Text
  • Compact
  • Millionen
  • Deutschland
  • Deutschen
  • Europa
  • Menschen
  • Frauen
  • Afrika
  • Deutsche
  • Frau

COMPACT

COMPACT Politik Ali im Wunderland _ von Marc Dassen Am 22. Juli soll der Deutsch-Iraner Ali David Sonboly in München neun Menschen und dann sich selbst erschossen haben. COMPACT hat vor Ort ermittelt, dass diese offizielle Tatversion nicht stimmen kann: Offensichtlich gab es mehr als einen Täter. zei aufgeklärt worden? Was ist mit den Schüssen am Isartor und vor dem Redaktionsgebäude der Abendzeitung (AZ), über die anerkannte Journalisten wie Eva Achinger vom Bayrischen Rundfunk beziehungsweise AZ-Chefredakteur Michael Schilling berichteten? Die Rätsel der Henckystraße Vor allem drei Indizien sprechen dafür, dass Ali nicht der einzige Täter war: In Videos und auf Bildern sieht man seine Leiche in einem blauen T-Shirt mit weißer Aufschrift. Aber der Schütze vor dem McDonald’s und im Olympia Einkaufszentrum (OEZ) war ganz in Schwarz gekleidet gewesen. Und: Der angebliche Amokläufer in den Videos ist Linkshänder. Doch Anwohnerin Maria S. schwor mir gegenüber Stein und Bein, dass sie sah, wie die Polizei dem Selbstmörder in der Henckystraße die Waffe aus der rechten Hand nahm. Noch rätselhafter: Einige Stunden, bevor die Polizei den Suizid Alis in der Henckystraße meldete, wollte sie schon einmal die Leiche eines Attentäters «in einer Nebenstraße an der Isar» gefunden haben, ebenfalls mit einem Kopfschuss. Das meldete der Radiosender RTF 1 mit Bezug auf eine Pressekonferenz der Polizei in der Blutnacht um 22:35 Uhr. Man beachte: Die Isar ist fünf Kilometer von der Henckystraße entfernt. Und: Von diesem Toten war später nie mehr die Rede. Wäre interessant zu wissen, was er für ein T-Shirt trug… «Ehe er sich richten konnte, hat die Polizei geschossen.» Augenzeugin 32 Dieses im Internet kursierende Foto soll am Tattag gegen 18:30 Uhr vor der McDonald's-Filiale aufgenommen worden sein. Wer der Mann ist und ob er noch lebt, ist unklar. Zu den zehn Toten jenes Tages gehört er jedenfalls nicht. Foto: Screenshot geomatiko.eu _ Marc Dassen ist COMPACT- Redakteur und recherchierte Ende Juli einige Tage lang vor Ort. Seine erste München-Reportage «Alles Amok – oder was?» erschien in unserer Ausgabe 9/2016. Zehn Menschen sind tot – und das offizielle Deutschland hat sie vergessen. Wo sind all die Qualitätsjournalisten geblieben? Zwei Monate nach der Schreckensnacht des 22. Juli hat sich ein Schleier des Schweigens über dieses traumatische Ereignis gelegt, keine der großen Mainstream-Zeitungen berichtet mehr. Der Medien-Zirkus ist weitergezogen, nicht mal die offizielle Version vom Amoklauf eines Einzeltäters wird wiederholt, geschweige denn die Ente von einem rechtsradikalen Hintergrund. Auch beim LKA München wird gemauert: Es gebe «keine neuen Anhaltspunkte, die für eine Involvierung Dritter in die Tatplanung oder -ausführung sprechen würden». Sind tatsächlich alle Hinweise von Augenzeugen, die an jenem Abend Schüsse auch in der Innenstadt und in anderen Stadtteilen gehört und weitere Täter mit «Langwaffen» – also Gewehren – gesehen haben wollen, von der Poli- Mittlerweile wurden COMPACT weitere Aufnahmen von der Henckystraße zugespielt. Die bisher unveröffentlichten Videos zeigen die nächtlichen Ermittlungen der umstehenden Polizisten und Gerichtsmediziner. Die Kriminalisten finden die Patronenhülse der tödlichen Kugel – mindestens zwei Meter vom Opfer entfernt. Die Frage ist: Hat sich der Mann wirklich selbst erschossen? Von einer Facebook-Userin, die angeblich in Sichtweite zum Tatort wohnt, wurde uns ein privater Chat vom Tatabend übermittelt: Sie will beobachtet haben, wie Ali «sich die Knarre an den Kopf» hielt und beteuerte, er sei «kein Islamist, Salafist oder anderes». Und: «Ehe er sich richten konnte, hat die Polizei geschossen.» Gegen die offizielle Version vom amoklaufenden Ali spricht, dass der Beschuldigte im Laufe seines Blutrausches plötzlich die Lust verlor. Der Deutsch-Iraner

COMPACT Politik Ali David Sonboly. Foto: Twitter hatte noch mehrere hundert Schuss übrig, aber «offensichtlich wollte er niemanden mehr töten», erklärt ein Sprecher des LKA. Dazu passt auch, was Pizzaverkäufer Azad Adnan beobachtet hat. «Er hat Menschen durchgewunken, weggeschickt. Er wusste, wen er verschont und wen nicht,» berichtete er dem Boulevardblatt tz. Dieses Vorgehen ähnelt eher gezielten Hinrichtungen als blindem Amok. Die Wahrheit im toten Winkel Im McDonald’s hat es einen Überlebenden gegeben, den 13-jährigen Benet. Vor seinen Augen tötete der Angreifer fünf seiner Freunde und verletzte ihn selbst schwer. Der Süddeutschen Zeitung erklärte der Schüler Mitte August: «Der Mann kam an den Tisch und schoss auf uns.» Der Mann? Meint Benet damit tatsächlich den jugendlichen, eher schmächtigen Ali? «Er erwähnt es nicht, und man wagt es nicht, nach diesen Details zu fragen», gibt sich der Reporter der Süddeutschen zufrieden. Man fasst es nicht: Es gibt einen erstklassigen Zeugen, der den Killer aus kürzester Entfernung gesehen hat, und man legt ihm kein Foto von Ali vor, um diesen als Täter zu identifizieren – oder auszuschließen? junge Dijamant Zabergja dort gestorben sein soll. Dessen Vater jedoch hatte zuvor erklärt, dass sein Sohn mit einem Freund «vor dem Einkaufszentrum gesessen» sei, als der Täter ihn erwischte. Was sich wirklich im OEZ abspielte, haben die zahlreichen Überwachungskameras sicherlich aufgezeichnet – doch die Aufnahmen hat die Polizei unter Verschluss. Und: Angeblich hat das LKA nach der Evakuierung des OEZ Augenzeugen dazu angehalten, Verschwiegenheitserklärungen zu unterzeichnen. Leider bekamen die betreffenden Personen keine Kopie – und damit gibt es keinen Beweis. Laut Polizei hat der Täter nach dem Verlassen des OEZ im Parkhaus 17 Schuss auf ein dort geparktes Auto abgefeuert. Als ich bei Thomas Salbey – dem fernsehbekannten Augenzeugen der Parkdeckszene – nachfragte, erklärte dieser mit Bestimmtheit: «Nein, da hab ich nichts gehört», und fügte noch hinzu: «Irgendwas ist da faul.» Zwei weitere Details sind spannend: Erstens gibt es eine Person, die auf Bildern vom Tatort vor dem McDonald’s wie tot – mit starr geöffneten Augen – auf dem Bauch liegt. Dieser Mann, so stellte sich beim Bildabgleich heraus, ist offensichtlich keines der neun bekannten Opfer. Er ist tätowiert, größer und älter als die Leiche, die später an derselben Stelle zu sehen ist. «Ich hab’ nichts getan.» Ali Sonboly Das ganze Wirrwarr um die Toten lässt sich mittlerweile nicht mehr aufklären: Alle zehn Leichen sind – ganz so, als seien diese keine Beweismittel für die kriminaltechnische Untersuchung mehr – beerdigt worden. Fünf der neun Opfer wurden innerhalb von Tagen sogar in ihre jeweiligen Heimatländer ausgeflogen – in den Kosovo, nach Griechenland und in die Türkei. Es wird sich also kaum mehr aufklären lassen, ob sie von Ali David Sonboly erschossen wurden – oder von einem anderen. Ein Satz, den der 18-Jährige auf dem berühmten Parkdeck-Video schreit, wird der Nachwelt für immer in den Ohren klingen: «Ich hab‘ nichts getan.» Wussten die Dienste Bescheid? Beobachtern ist am 22. Juli aufgefallen, dass in München schon den ganzen Tag Polizeihubschrauber flogen. Hinterher wurde dies mit einer routinemäßigen Übung der Bergnotrettung erklärt. Verblüffend war auch, wie schnell und in welcher Stärke Polizeikräfte vor Ort waren – einschließlich von Sonderkommandos wie dem SEK und der österreichischen Cobra. Völlig ungewöhnlich für einen Amoklauf – und eher typisch für einen Terroranschlag – war auch, dass US-Präsident Barack Obama kurz nach der Bluttat mit einer Solidaritätsadresse vor die Kameras trat. Vom etwaigen Vorwissen der Dienste könnte der ARD-Reporter Richard Gutjahr profitiert haben. Dieser war bereits bei dem LKW-Anschlag im französischen Nizza Mitte Juni rechtzeitig zur Stelle gewesen. Vom Balkon seines Hotelzimmers filmte er rein zufällig den Tathergang. Zurück in München war Gutjahr dann einer der ersten Reporter am OEZ, seine Tochter Thamina machte Live-Bilder und steckte diese an die Presse durch. Dass Gutjahr Vorstandsmitglied beim Amerika-Haus München ist und seine Ehefrau einst für den israelischen Mossad tätig gewesen sein soll, lässt auf gute Verbindungen in Geheimdienstkreise schließen. Dieses bei Facebook verbreitete Bild soll den Toten in der Henckystraße zeigen. Eine Waffe oder ein Rucksack sind nicht zu erkennen. Foto: Screenshot Facebook Gewährsleute, die anonym bleiben wollen, berichteten uns von seltsamen Vorgängen im und um das OEZ, lange bevor Ali angeblich ab 17:50 Uhr zum ersten Mal feuerte. Einige Läden – darunter ein Supermarkt und das Geschäft eines Mobilfunkanbieters – sperrten demnach schon um 17 Uhr zu und schlossen Besucher und Mitarbeiter ein, weil Kunden von Schüssen in dem Einkaufszentrum berichtet hatten. Am Ende gab es dort nur einen Toten, direkt neben der Rolltreppe zum Untergeschoss. Dabei habe es sich, so ein Mitarbeiter eines nahegelegenen Bekleidungsgeschäftes gegenüber COMPACT, um einen Mann von etwa 50 Jahren gehandelt. In der offiziellen Version wurde die Leiche aber zunächst als die der 14-jährigen Armela ausgegeben. Nach nunmehr zwei Monaten ist auch diese Geschichte hinfällig: Aktuell wird behauptet, dass der 33

© COMPACT-Magazin GmbH 2016 Alle Rechte vorbehalten

   Mediadaten  /  Datenschutz  /  Impressum  /  Kommentarregeln  /  Nutzungsbedingungen  /  Widerruf