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COMPACT-Magazin 10-2016

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COMPACT Dossier Anja Reschke weiß alles besser _ von Hans-Hermann Gockel Was nicht passt, wird passend gemacht. Man kennt das vom Bau. Maurer und Zimmerleute arbeiten so. Handeln Journalisten nach dieser Devise, wird es manipulativ: Fakten verschwinden im Sumpf der Desinformation. «Alles gut, alles ruhig!» Panorama Seit 2001 moderiert Anja Reschke das Politmagazin Panorama. Foto: NDR/Thomas Pritschet Das Wort «Lügenpresse» kommt nicht von ungefähr. Der Begriff «Lückenpresse» würde es vielleicht noch besser treffen. Man verschweigt. Man verharmlost. Man verdreht, ganz im Sinne der Willkommens- Politik. Der Merkel-Intimus Armin Laschet (CDU) lobt die Medien nicht umsonst für deren «breite Kampagne für Flüchtlinge». Laschet, der nächstes Jahr in Nordrhein-Westfalen zum Ministerpräsidenten gewählt werden will, spricht voller Begeisterung sogar von einem «Rausch». In dieser elitären Welt der selbstherrlichen Besserwisser hat eine Frau des öffentlich-rechtlichen Fernsehens ihren festen Platz: Anja Reschke. Sie ist Leiterin der Abteilung Innenpolitik beim NDR und gleichzeitig verantwortlich für das Polit-Magazin Panorama, das sie auch moderiert. Reschke ist eine Kollegin, die man schnell durchschaut. Flüchtlinge sind traditionell die Guten. Und die Rechten sind die Bösen. Deshalb weiß man bei ihren Sendungen vorher schon, was am Ende herauskommt. Bedauerlich jedoch, dass dafür immer öfter das Motto der Maurer und Zimmerleute herhalten muss: Was nicht passt, wird passend gemacht. Die Freibad-Lücke «Alles gut, alles ruhig!», sagt in der Panorama-Sendung vom 28. Juli eine Freibad-Besucherin im hessischen Hanau. Zuvor sind bereits zwei syrische Badelotsen ausgiebig zu Wort gekommen. In Hanau hatten sich 80 Flüchtlinge freiwillig gemeldet, um ihren Glaubensgenossen zu erklären, «dass ein Bikini nichts Ungewöhnliches ist». In dieser Sendung will das Reschke-Team wissen: «Haben die Übergriffe von Flüchtlingen in Schwimmbädern 2016 zugenommen?» Die Antwort der Autoren: «Es ist schwer, das herauszufinden. Einige Bundesländer haben keine Zahlen (…). In den meisten Bundesländern bewegen sie sich auf dem niedrigen Niveau der letzten Jahre. In Rheinland-Pfalz und dem Saarland sind sie sogar rückläufig. Einen Anstieg gibt es dagegen in Sachsen und vor allem in Niedersachsen.» 40

COMPACT Dossier Aber was ist mit Nordrhein-Westfalen? In der Panorama-Grafik wird das bevölkerungsreichste Bundesland gar nicht erwähnt. Werden die Übergriffe in Nordrhein-Westfalen (NRW) bewusst verschwiegen? Oder war die Redaktion schlicht und ergreifend zu faul, die Polizei-Direktionen des Landes abzutelefonieren? Die Fakten jedenfalls sprechen für sich – auch wenn das ARD-Magazin sie mit keiner Silbe erwähnt. Bereits am 15. Juni, also gut fünf Wochen vor dem Beitrag, heißt es in einer Mail der Düsseldorfer Polizei: «Das Kriminalkommissariat 12 stellte dar, dass die Sexualstraftaten einen enormen Anstieg verzeichnen. Insbesondere die Tatbestände Vergewaltigung und sexueller Missbrauch von Kindern in den Badeanstalten schlagen hier ins Gewicht.» Die Täter seien «zum größten Teil Zuwanderer». Und: Die Verbrechen würden «fast ausschließlich von Tätergruppen begangen». In Oberhausen nimmt die Polizei acht Asylbewerber aus Syrien und Tadschikistan fest. Sie hatten drei Mädchen zwischen elf und 14 Jahren massiv sexuell bedrängt. Belästigt werden auch zwei elf Jahre alte Mädchen in Dormagen. Die Stadt spricht von einem «schrecklichen Vorfall». Im Wickrather Freibad in Mönchengladbach sind junge Frauen die Opfer. Die Täter: 17-jährige Flüchtlinge aus Afghanistan. Die Liste der Übergriffe in NRW ist lang. Sehr lang. In Panorama davon kein Wort… Auch die Tatsache, dass die Bäder an Rhein und Ruhr ihr Sicherheitspersonal in diesem Jahr verstärken mussten, wie etwa das Maximare in Hamm, wird in dem Beitrag verschwiegen. Selbstverständlich kommt auch Bianca Biwer, die Bundesgeschäftsführerin des Weißen Rings, nicht zu Wort. Sie hätte eine Menge zu erzählen gehabt. Die Zahl sexuell belästigter Jugendlicher zwischen 14 und 18 Jahren, die bei der Opferschutz-Organisation um Hilfe ersuchen, hat sich gegenüber dem Vorjahr verdoppelt. Experten und Sexperten Stattdessen suggeriert Panorama, das Thema sexuelle Belästigung durch Flüchtlinge würde aufgebauscht. Kronzeuge für diese These ist der Kriminologe Professor Christian Pfeiffer. Der hat, ganz im Sinne der ARD- Deutungsmonarchen, auch sofort einen passenden Vergleich parat: «Wir haben das in einem anderen Bereich gemessen: im Prügelbereich. Wenn Max von Moritz verprügelt wird, ist die Anzeigebereitschaft 18 Prozent. Wird aber Max von Mehmet verprügelt, ist sie 31 Prozent.» Wie wohl die Eltern der kleinen Hannah (Name geändert) darüber denken? Die 11-Jährige ist im Freizeitbad auf der Heinz-Schleußer-Straße in Oberhausen von mehreren jungen Männern immer wieder unsittlich angefasst worden. Auch der älteste der Sex-Täter ist ein Flüchtling, 21 Jahre alt. Das Mädchen und seine Eltern müssen von der Opferschutzbeauftragten der Polizei betreut werden. Um das Seelenleben der kleinen Hannah kümmert sich eine Psychologin. Pfeiffer ist nicht der einzige TV-Professor – die Redaktion von Panorama holt sich häufig akademischen Beistand, wenn es gilt, seltsame Thesen über den Sender zu bringen. Ein Paradebeispiel dafür ist Andreas Zick, der an der Universität Bielefeld das Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung leitet. Er wird auffallend oft von NDR und WDR eingeladen, um die Dinge «einzuordnen». Die Freibad-Übergriffe in NRW wurden ausgeblendet. So geht die Redaktion von Frau Reschke in dem Beitrag «Deutsche Frauen – Bedroht von Flüchtlingen?» der Frage nach, woher die Vorbehalte vieler Deutscher gegenüber Migranten stammen. Professor Zick nutzt einmal mehr seine Chance. Er radebrecht in der Sendung über die Angst des deutschen Mannes vor der Sexualität des Afrikaners: «Das heißt, das uralte Bild, dass sie sexuell potenter sind, womit sich gerade Rechtspopulisten sehr stark beschäftigen, weil sie das als eine unheimliche Bedrohung ihrer eigenen Potenz vielleicht sogar wahrnehmen, das ist so ein Bild was überbordend damit verbunden wird.» Der Profes- Ficki Ficki im Freibad. Asylbetrüger umringen 2015 im Berliner Strandbad Weißensee ein Mädchen. Foto: G.S. Frau, komm! Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung in Deutschland 2015. Tatverdächtige auf je 10.000 Mitglieder folgender Volksgruppen Algerier 36 Tunesier 32 Somalier 29 Afghanen 24 Libanesen 24 Iraker 18 Nigerianer 16,7 Eritreer 15 Marokkaner 13,4 Vietnamesen 3,5 Deutsche 3 Quelle: Pew Reserch Center Grafik: COMPACT 41

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