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COMPACT-Magazin 10-2016

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Das Schweigen der

Das Schweigen der Emanzen _ von Hanna Schwartz 44 Der Sexmob von Köln, die flächendeckenden Grabschereien in unseren Schwimmbädern – man sollte meinen, das wären wichtige Themen für Frauenzeitschriften. Doch die Schminktipp-Journalistinnen haben jetzt den Antifaschismus entdeckt – sogar beim Sex. Wo alles begann: Orientalische Männerhorden sammeln sich am Silvesterabend 2015 vor dem Kölner Hauptbahnhof. Foto: picture alliance / dpa «Rechtsradikale wollen jetzt ”weiße Frauen” beschützen.» Frau tv Blättert man durch Frauenmagazine, dominieren Promiklatsch, Wellness und Diäten. Tipps für Frauen aufgrund der neuen Unsicherheitslage? Verständnis für ihre Angst? Reportagen über Opfer sexueller Übergriffe? Fehlanzeige. Ein Beispiel: Frau tv vom Westdeutschen Rundfunk. Die Redaktion dieser Fernsehsendung speziell für Frauen hat ihren Sitz ausgerechnet in Köln – dem Epizentrum, das die medial vermittelte «Wahrheit» in der Silvesternacht zum ersten Mal nachhaltig erschütterte. Man spricht inzwischen von der Zeit «vor Köln» und «nach Köln». Bis heute winden sich verantwortliche Politiker in den Spitzenämtern Nordrhein-Westfalens und streiten ab, rechtzeitig von den Vorgängen gewusst zu haben. Mit Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und Oberbürgermeisterin Annegret «Armlänge» Reker stehen zwei Frauen im Zentrum der Kritik – aber nicht bei Frau tv. Guter Migrant, böser Mann Zu den Straftaten auf der Domplatte veröffentlicht die Frau-tv-Redaktion am 14. Januar 2016, zwei Wochen nach den Taten, eine Stellungnahme. Zu der – zu diesem Zeitpunkt bereits bekannten – Herkunft der Grabscher heißt es: «Es wird viel spekuliert: über die Täter, ihre Herkunft, das Versagen der Polizei.» Im Weiteren kommt die Journalistin und Bloggerin Antje Schrupp zu Wort: «Die furchtbaren Geschehnisse (…) rufen Pöbler und Rassisten auf den Plan. Ihre Lösungen sind so einfach wie falsch: Angela Merkel muss weg. Wir müssen die Grenzen zumachen. Rechtsradikale Typen wollen jetzt ”weiße Frauen” beschützen – danke auch!» Im Unterschied dazu thematisiert das Traditionsblatt Brigitte immerhin bereits am 5. Januar den Migrationshintergrund der Täter. Aber gleichzeitig wird politisch korrekt gewarnt, es dürfe nicht übersehen werden, «dass der Großteil der Menschen zu uns gekommen ist, weil sie in ihren Herkunftsländern ihres Lebens nicht mehr sicher sind». Statements und persönliche Sichtweisen der Opfer finden sich im Artikel nicht, dafür erfährt die Leserin, dass es in NRW tatsächlich eine «Emanzipationsministerin» gibt – ein Amt, das bis dato nur wenigen bekannt gewesen sein dürfte und von der grünen Politikerin Barbara Steffens bekleidet wird. Sie spricht in Bezug auf Köln vom «männlichen Machtmissbrauch» – als ob auch Deutsche unter den Tätern gewesen wären. Ins selbe Horn stößt die Redaktionsleiterin von Edition F – Eigenbeschreibung: «das digitale Zuhause für Frauen, die sich in Job und Leben verwirklichen wollen» –, eine gewisse Teresa Bücker: Es sei «falsch, dabei vor allem auf die Herkunft der Täter zu schauen».

COMPACT Dossier Allegra – eine Frauenzeitschrift von Springer, die vor Jahren eingestellt und 2016 wiederbelebt wurde – wollte in ihrer April/Mai-Ausgabe wissen: «Schaffen die das? Was Frauen erleben, die sich in einen Flüchtling verlieben.» Im Artikel wird eine «diffuse Angst» vor Migranten erwähnt – und gleich von dem Münchner Soziologen Armin Nassehi weggebügelt: Es gebe «eigentlich gar keine Aufnahmen der Übergriffe von Köln», die Menschen hätten «wohl nur klischeehafte Bilder im Kopf». Der Feind in ihrem Bett Kein Problem sind dagegen Klischees, wenn sie sich gegen böse Deutsche richten, wie etwa im Brigitte-Beitrag «Mein Freund ist fremdenfeindlich» vom März 2016. Darin schildert die Journalistin Lena T., wie sie mit dem «Monster auf dem Sofa» klarkommt: «Ja, mein neuer Freund Marcus war gebildet, sensibel, ein prima Koch, ein guter Zuhörer – und Pegida-Sympathisant.» Die Empfehlung ihrer Freundin: «Schluss machen, sofort, das hat keinen Sinn. Außerdem kann so jemand kein guter Mensch sein.» Der Rat wird beherzigt: «Seit einigen Wochen habe ich einen neuen Freund, der sich ehrenamtlich für eine Webseite engagiert, die Helfer an Flüchtlingsprojekte vermittelt. Wenn ich über meinen Büroalltag jammere, hört er nicht immer zu, und meine TV-Serien findet er sterbenslangweilig. Aber es gibt Schlimmeres.» Auf dem Blog Achse des Guten wurde Brigitte hinterher als «antifaschistisches Schminktippmagazin» bezeichnet… «Monster auf dem Sofa». Über einen Pegida-Unterstützer Nicht Schlussmachen, sondern Anmachen als probates Mittel zum Kampf gegen Asylkritiker empfiehlt das Portal fem.com – Teil des ProSieben-Sat1-Imperiums. Unter der Überschrift «Mit Reizwäsche gegen Pegida» wird auf ein Berliner Modelabel verwiesen, das «mit viel nackter Haut und Spitze gegen die Pegida- Anhänger» mobil macht. Einen Mausklick entfernt gibt es Tipps zur Prostata-Massage. Mittlerweile richtet sich die politische Korrektheit nicht nur gegen Antifeministinnen wie Birgit Kelle oder Annabel Schunke, sondern gegen die Feministen-Ikone schlechthin: Alice Schwarzer. Die Emma- Herausgeberin war seit Ende der 1960er Jahre immer zur Stelle, wenn sie Frauen in Bedrängnis sah – oder auch nur vermutete. Unvergessen bleibt ihre parteiliche Begleitung des Kachelmann-Prozesses, bei der sie – unter anderem in der Bild-Zeitung – frühzeitig das Urteil über den der Vergewaltigung beschuldigten Wetterfrosch sprach. Am Ende war nichts an dem Vorwurf dran. Kachelmann verlor all seine Fernsehjobs und moderiert jetzt nur noch im Internet. Schwarzer hat das alles nicht geschadet. Aber man muss ihr zugutehalten: Sie blieb sich treu. Jetzt ist sie auf weiter Flur die einzige Mainstream-Journalistin, die die Dinge klar beim Namen nennt: Für sie ist der Islam der Faschismus des 21. Jahrhunderts, die Burka steht für den Herrschaftsanspruch des Mannes über die Frau. Nur wenige Tage nach Silvester schrieb sie: «Diese jungen Männer sind das triste Produkt einer gescheiterten, ja nie auch nur wirklich angestrebten Integration. Sie sind das Produkt einer falschen Toleranz, in der fast alle – Menschen, Medien, Kirchen und Politik – unsere Demokratie, unseren Rechtsstaat, unsere Gleichberechtigung infrage stellen, ja mit Füßen haben treten lassen, zugunsten ”anderer Sitten” beziehungsweise einer ominösen ”Religionsfreiheit” – in deren Namen man Parallelwelten entstehen ließ und nicht auf Integration bestand.» «Weiß nicht genau» Die vielseitige Künstlerin Barbara Schöneberger hat 2015 ein neues Magazin gestartet, das ganz anders sein möchte. Barbara wirbt mit dem Untertitel: «Kein normales Frauenmagazin». Dazu ließ sich Schöneberger auf der Website der Zeitschrift befragen. Frau Schöneberger, was ist das Besondere an «Barbara»? Barbara ist eine Frauenzeitschrift, die letztendlich all das enthält, was man in anderen Zeitschriften auch findet: Rubriken wie Mode, Food, Lifestyle… (…) Alle Themen sprechen mir direkt aus der Seele. Welche zum Beispiel? Bei uns im Heft findet man Kochrezepte für Gerichte, an die man sich bislang nicht herangetraut hat: die Roulade, den Braten, den Hummer. Wo man sich bislang immer gesagt hat: «Schön, wenn das jemand anderes kocht, aber ich selbst mach’ das nicht.» Wir erklären, wie man diese Gerichte ganz einfach und ohne viel Aufwand nachkochen kann. (…) Sie haben die Funktion Editor-at-Large. Darunter kann sich vielleicht nicht jeder etwas vorstellen. Wie sehen Ihre Aufgaben konkret aus? Schöneberger: Ich weiß auch nicht genau, was es heißt, aber es fühlt sich jedenfalls gut an. (…) Als trübe Schaumkrone auf dieser Welle schwimmt das Spiegel-Girlie Margarete Stokowski, die bei Taz Online «Resteficken bei Pegida» empfahl. Den angeblich verklemmten «Rassist_Innen» wird zur Selbstheilung das Beziehungsmodell der Achtundsechziger nahegelegt: «Ihr müsst Euch nicht gleich so richtig verlieben. Vielleicht programmiert Euch jemand eine eigene Dating-App. Eine Art ”Tinder” für Pegida, bei dem man die gewünschten Sexualpartner_innen mit einer strammen Bewegung nach rechts oben wischen muss. Das mögt Ihr? Nun ja. Das wäre immerhin ein Anfang.» Barbara ziert ihr eigenes Magazin. Foto: Barbara Alice Schwarzer warnt schon seit Jahren vor dem Islam. Foto: Itu , CC BY-SA 3.0 ,Wikimedia Commons _ Hanna Schwartz ist 38 Jahre alt und lebt in Magdeburg. 45

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