Aufrufe
vor 7 Monaten

COMPACT-Magazin 11-2016

  • Text
  • Compact
  • Deutschen
  • Deutsche
  • Menschen
  • Deutschland
  • Milliarden
  • Clinton
  • Millionen
  • Politik
  • Oktober

COMPACT

COMPACT Titelthema Wo die Deutschen ihr Geld lassen Anteile in Prozent (Stand 2014) Sparkassen Volksbanken Postbank 45,1 21,3 kämen damit in den Besitz von gut verzinsten Kreditforderungen an amerikanische Bausparer, die durch deren Wohnungen und Häuser abgesichert seien. Als aber nach einigen Jahren klar wurde, dass die Ninjas weder Zins noch Tilgung leisten konnten, da sie nun zwar Villen, aber immer noch keine Jobs hatten, stürzte das Kartenhaus zusammen. Die Schulden liefen dann jedoch nicht bei den Finanzinstituten auf, die die Kredite vermittelt hatten, sondern bei den Kunden, die sie den Bankstern abgekauft hatten – darunter auch bei vielen Deutschen. Ausfälle bei diesen Spekulationen stand am Ende die IKB selbst in Haftung – die 500 Euro ihrer irischen Tochter reichten gerade für die Portokosten. Als die Ninja-Papiere im Sommer 2007 immer stärker abstürzten, kam die Deutsche Bank der von ihr so schlecht beratenen IKB nicht nur nicht zu Hilfe, sondern tat das Gegenteil: Sie sperrte dem Mittelstandsfinanzierer die Kreditlinie und verpfiff ihn gegenüber Bankenaufsicht und Öffentlichkeit als gefährdet. Damit war das Schicksal der IKB besiegelt. 16 Deutsche Bank Commerzbank Sparda-Bank Targo-Bank Onlinekonten Filialkonten Quelle: VuMA, Bundesbank Grafik: COMPACT 9,6 7,1 6,0 4,6 3,2 Josef Ackermann im Mannesmann- Prozess 2004. Das Siegeszeichen zeigte der Manager übrigens nicht nach seinem Freispruch 2006, sondern bereits zu Verfahrensbeginn. Foto: picture alliance / dpa An diesem üblen Geschäft beteiligten sich alle großen amerikanischen Geldhäuser – aber auch die in den USA aktive Deutsche Bank. Sie war das Trojanische Pferd der Wall Street auf dem europäischen Kontinent. Wie brutal das Geldhaus gegen die Interessen unserer Wirtschaft spielt, zeigt das Beispiel der Industriekreditbank (IKB), mit deren Absturz im August 2007 die Schockwellen der US-Immobilienkrise unser Land erreichten. Zwar ist es richtig, dass das Mutterhaus der IKB, die staatsgeführte Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), die waghalsigen Spekulationen seiner Tochter IKB auf dem US-Immobilienmarkt nicht verhindert hat. Aber der Anstifter ist anderswo zu finden. Die FAZ nannte Ross und Reiter: «Es war die Deutsche Bank, die der IKB half, jene Zweckgesellschaften aufzubauen, die der Düsseldorfer Bank zum Verhängnis wurden.» Die wichtigste dieser Zweckgesellschaften hatte ihren Sitz in Irland und war von der IKB mit einem Stammkapital von nur 500 Euro ausgestattet worden. Die laxen irischen und US-Gesetze erlaubten es ihr trotzdem, mit diesem Mini-Portefeuille das große Rad zu drehen und im Umfang von sage und schreibe 15 Milliarden Dollar in die Immo-Verbriefung zu investieren, die ihr die Deutschbanker empfohlen hatten. Für die Die Mutation der Deutschen Bank Das Frankfurter Geldhaus, gegründet 1870, war bis Ende der 1980er Jahre eine Stütze der Realwirtschaft – in guten wie in schlechten Zeiten. Die Industrialisierung des Kaiserreiches hat sie ebenso mitfinanziert wie die Verbrechen der Nationalsozialisten und das Wirtschaftswunder nach 1945. Die Bankster müssten vor den Kadi – aber hierzulande, nicht in den USA. Die Mutation zu einer anti-deutschen Bank begann 1989 mit der Übernahme der britischen Greenfall Morgan – statt mit Sparbüchern und Krediten an Mittelständler wollte man nun mit Investmentbanking an internationalen Börsen Rendite erzielen. Als der Schweizer Josef Ackermann 1996 in den Vorstand des Geldhauses rückte, wurde zunächst der Vorstand entmachtet und ein quasidiktatorisches Führungsgremium, das Group Executive Committee, installiert. Dann verschob Ackermann die Machtbalance von Frankfurt nach London und stellte Investmentbanker auf die Kommandobrücke des Geldhauses – die Finanzierung weltweiter Übernahmen wurde wichtiger als das traditionelle Heimatgeschäft. Meisterstück der neuen Mannschaft war der Verkauf von Mannesmann an die britische Vodafone im Jahr 2000, dabei sollen 57 Millionen Euro Schmiergelder geflossen sein. «Degermanizing» nannte das Ackermanns kosmopolitische Truppe in London, Entdeutschung. Auf die Frage der Financial Times nach der sozialen Marktwirtschaft in Germany antwortete einer von denen: «Don’t bullshit me.» («Verarsch mich nicht!») Der Umbruch erfasste das gesamte Unternehmen. «Gleichzeitig zog die angelsächsische, an fetten Erfolgsprämien ausgerichtete Kultur ein. Sie stand im Widerspruch zur Kultur der deutschen Bankiers. Seitdem lähmen die Auseinandersetzungen zwischen den Investmentbankern in London und den Traditionalisten in Frankfurt die Deutsche Bank», fasste die FAZ Anfang Oktober zusammen.

COMPACT Titelthema Zeitbomben in Übersee Die ehrlichen Bankkaufleute verloren immer mehr Einfluss, weil die smarten Investmentberater zunächst mit riesigen Profiten überzeugten: Schon 1998 lag der Konzerngewinn bei umgerechnet 1,7 Milliarden Euro – zehn Jahre zuvor waren es erst 600 Millionen gewesen. Zur Jahrtausendwende, nach der Übernahme des US-Rivalen Bankers Trust, war das Geldhaus von der Bilanzssumme her die größte Bank der Welt. Doch der Erfolg war nur möglich, weil man angelsächsische Geschäftspraktiken übernahm: Als Ackermann eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent verkündete, war klar, dass das nur mit den kriminellen Methoden klappen konnte, die in den USA praktiziert wurden. Mit ihnen gelang zwar ein schwindelerregender Aufstieg – aber sie sind auch verantwortlich für den jähen Absturz in der Gegenwart: In den vergangenen Jahren musste die Deutsche Bank für Rechtsstreitigkeiten bereits 12 Milliarden Euro aufwenden. Justiz als Waffe Der amerikanische Markt, der für Ackermann und Co. so lukrativ schien, hat sich als Haifischbecken erwiesen, in dem ausländische Konkurrenten nach Belieben zerfleischt werden können. Was man an den Beispielen Siemens und VW studieren kann (siehe Seite 20), betrifft aktuell auch die Deutsche Bank: Die aufgerufene Strafe der US-Justiz für ihre Immo- Geschäfte übertrifft mit 14 Milliarden Dollar um ein Vielfaches die Buße, die JP Morgan berappen musste – das waren nur 3,1 Milliarden Dollar gewesen. Und das, obwohl der Anteil der Deutschen an den betrügerischen Hypothekendarlehen nur bei 6,4 Prozent lag, die seines US-Konkurrenten dagegen bei knapp 18 Prozent. Goldman Sachs konnte sich sogar mit nur 550 Millionen Dollar bei der US-Justiz freikaufen, Die Macht über das Geld der Deutschen Bank ist seit Ende der 1990er Jahre in London konzentriert. Foto: hppd, Fotolia obwohl die Krake wesentlich an der Ruinierung der deutschen IKB beteiligt war: Einer ihrer Angestellten hatte der Mittelstandsbank 2008 Schrottpapiere des Abacus-Fonds angedreht. Gleichzeitig wettete Hedgefondsmanager John Paulsen, vermutlich von seinem Geschäftspartner Goldman Sachs über den Zahlungsausfall derselben Schrott-Schuldner informiert, auf ein Abschmieren von Abacus – und machte damit einen Reingewinn von 3,7 Milliarden Dollar, während gleichzeitig die IKB kollabierte. Der unheilvolle Einfluss der Angelsachsen auf die Deutsche Bank sollte nicht unterschätzt werden: Der aktuelle Aufsichtsratsvorsitzende Paul Achleitner war früher Deutschlandchef von Goldman Sachs. Der Brite Anshu Jain, Vorstandsvorsitzender 2012 bis 2015, leitete die Londoner Abteilung der Deutschen Bank ab 1995 – als die antideutsche Tendenz sich durchsetzte. Er war dafür verantwortlich, dass die Deutsche Bank in den letzten Jahren das risikoreiche Investment-Banking weiter ausdehnte – während selbst die Wall-Street-Konkurrenten kürzer traten. Zum Verhängnis könnte dem traditionsreichen Geldhaus ihr mittlerweile größter Aktionär werden: der amerikanische Anlageriese BlackRock (siehe Seiten 18/19). Er lehnt eine mögliche deutsche Lösung für die Krise, ein Zusammengehen der Deutschen mit der Commerzbank, strikt ab. «Wenn wir über eine Konsolidierung sprechen, dann sollten wir das nicht im nationalen Rahmen tun», sagte ein BlackRock- Sprecher Anfang Oktober. Schon klar: Das «Degermanizing» soll weitergehen – bis von Germany nichts mehr übrig ist. Die Papiere aus Offshore-Steuerparadiesen wie den Cayman- Inseln, die sich deutsche Kreditinstitute von den Nadelstreiflern in London und New York haben aufschwatzen lassen, summieren sich auf sage und schreibe 296 Milliarden Euro, errechnete die FAZ im Februar 2009. Diese Forderungen sind nicht einklagbar, da die Offshore-Anlageoasen von deutschem oder internationalem Recht nicht erreicht werden können. Bei Zahlungsausfall wird ein Loch in die Bilanzen der Gläubiger gerissen. Manches stolze Bankschiff wird auf Grund laufen, wenn diese Bomben nicht entschärft werden. Das ist zwar eine Stechmücke, dennoch wurde diese Titelseite der IG-Metall-Mitgliederzeitschrift im Frühjahr 2005 zu einem Symbol der Heuschreckendebatte. Foto: IG Metall Der Steuerzahler müsste einspringen, wenn die Deutsche Bank kollabiert. 17

© COMPACT-Magazin GmbH 2016 Alle Rechte vorbehalten

   Mediadaten  /  Datenschutz  /  Impressum  /  Kommentarregeln  /  Nutzungsbedingungen  /  Widerruf