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COMPACT-Magazin 11-2016

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Groupie aus Gütersloh _

Groupie aus Gütersloh _ von Hans-Hermann Gockel Der 1835 als Buchverlag gegründete Bertalsmann-Konzern verfügt heute über ein ganzes Netz von Medienbeteiligungen mit insgesamt rund 117.000 Mitarbeitern. Foto: Bertelsmann 24 Liz Mohn ist die mächtigste Medienfrau der Nation. Die Chefin des Bertelsmann-Konzerns dirigiert ein riesiges Propagandanetz – und ist eine enge Freundin der Bundeskanzlerin. Nun sind Briefe aufgetaucht, die ihre fast grenzenlose Begeisterung für Angela Merkel belegen – und ihre Einflussnahme auf die Regierungspolitik. Auf einer Firmenfeier bandelten Liz und der verheiratete Bertelsmann- Chef an. _ Hans-Hermann Gockel hat als TV- Journalist viele Jahre für RTL, SAT.1 und N24 gearbeitet. Heute ist er freier Journalist und Produzent. «Zum Regieren brauche ich nur Bild, BamS und Glotze», hatte Kanzler Gerhard Schröder einst getönt. Seiner Nachfolgerin reicht zum Machterhalt ein Kaffee-Kränzchen. Ob es nur reine Freundschaft ist oder schon längst Kumpanei, lässt sich von außen nicht sagen. Aber solange Liz Mohn (Bertelsmann) und Friede Springer (Springer Verlag) die Hände schützend über Angela Merkel halten, hat die Frau im Kanzleramt nichts zu befürchten. Elisabeth «Liz» Mohn ist unbestritten Europas mächtigste Medienfrau. Die 75-Jährige hat immer einen Koffer in Berlin – in der Kommandantur, der Bertelsmann-Repräsentanz mit der klangvollen Adresse Unter den Linden 1. Doch ihr Schreibtisch steht in der deutschen Provinz, in der Konzernzentrale in Gütersloh. Von dort aus zieht sie die Strippen, dirigiert den Medien-, Dienstleistungs- und Bildungsgiganten und vor allem ihre Stiftung. Zum Konzern gehören unter anderem die RTL- Group, die Buchverlagsgruppe Penguin Random House, der Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr (Stern) sowie das Musikunternehmen BMG. 117.000 Mitarbeiter erwirtschaften einen Jahresumsatz von zuletzt fast 18 Milliarden Euro. Die Bertelsmann-Stiftung gilt als das einflussreichste Meinungsinstrument Deutschlands. Seit Gründung wurden ihr immer wieder politische Einflussnahme und die Vermischung gemeinnütziger und privater Interessen vorgeworfen. Davon unbeeindruckt, greifen vor allem die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF gerne und regelmäßig auf die Studien der Denkfabrik zurück. Fräulein Beckmanns Aufstieg Bis Liz Mohn den Olymp der Macht erklommen hatte, war es allerdings ein langer Weg. Und nicht immer ein gerader. Zunächst begann die 1941 als Elisabeth Beckmann Geborene eine Ausbildung als Zahnarzthelferin. Doch schon bald jobbte sie als Telefonistin bei Bertelsmann, wo die hübsche 17-Jährige dem – damals bereits verheirateten – Konzernchef auf einem Betriebsfest ins Auge fiel. In ihrer Biographie veröffentlichte Liz Mohn ein Foto jener denkwürdigen Nacht, auf dem man Reinhard Mohn auf jener Firmenparty sieht – ohne Schuhe, eine Champagner-Flasche neben sich und mit einem Arm nach der strahlenden Elisabeth angelnd… Kurz danach wurde sie Mohns Geliebte, wie ihr jüngster Sohn Andreas dem Tagesspiegel berichtete. Als Fräulein Beckmann 1963 schwanger wurde, heiratete sie einen anderen Mann: Joachim Scholz, damals Kinderbuch-Herausgeber, ebenfalls bei Bertelsmann. «In der ordentlichen Gütersloher Mittelschicht hatte man keine un-

ehelichen Kinder», sagte Sohn Andreas Mohn im Rückblick. Daher habe seine Mutter Joachim Scholz geheiratet, nach seinen Worten eine «Scheinehe»: Wenn «Onkel Reinhard» (Mohn) zu Besuch kam, hätte Scholz schleunigst das Feld zu räumen gehabt und im Keller des Hauses schlafen müssen. Die verräterischen Briefe Kleine und große Sünden sind längst vergeben, wenn auch nicht vergessen. Spätestens seit dem Tod ihres Gatten (2009) dirigiert Liz Mohn den Konzern und gehört zu den höchst dekorierten Frauen Europas. Sie trägt den Orden der französischen Ehrenlegion und das Große Bundesverdienstkreuz. Sie bekam den Europäischen Stifter-Preis für Kultur-Mäzene und wurde als erstes weibliches Mitglied aus Deutschland in den Club of Rome aufgenommen. In Jerusalem erhielt sie den Teddy-Kollek-Award und von der Universität Tel Aviv die Ehrendoktorwürde. Und sie ist «Merkels Groupie aus dem Heidewald». Angeblich erfand ein CDU-Bundestagsabgeordneter aus Westfalen den Titel. Auf jeden Fall wurde der Spruch an einem bierseligen Abend in der nordrhein-westfälischen Landesvertretung geboren. Wer auch immer das Copyright auf den Schmäh hat – er ist heute ein fester Begriff. Egal, wo er fällt – ob im Konrad-Adenauer-Haus, der Parteizentrale der CDU, ob im Reichstag oder abends in den Kneipen des Regierungsviertels, jeder weiß, wer gemeint ist – denn für Liz Mohn ist Merkel ein Idol. als «Leitfigur» und «Vorbild in unserer Gesellschaft». Gerade erst sind Privatbriefe aufgetaucht, die belegen, wie innig beider Verhältnis ist. Dabei entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet der Spiegel – der große Konkurrent des Bertelsmann- Flaggschiffs Stern – sich diese Dokumente besorgt hat. Bislang zitiert er daraus nur in homöopathischen Dosen. Es handelt sich um vertrauensvoll formulierte Schreiben, die aus Gütersloh an die liebe Angela im Kanzleramt gingen – stets gespickt mit vielen guten Ratschlägen und allerlei aufmunternden Worten. So wurde bekannt, dass die Bertelsmann-Stiftung einmal im Jahr ein Treffen Mohns mit Entscheidungsträgern aus Politik, Wirtschaft und Kultur unter dem Titel Salzburger Trilog organisiert – und Liz Mohn die «Merkels Groupie aus dem Heidewald». Über Liz Mohn Schon vor dem Tod ihres Ehemannes im Jahre 2009 wurde Liz Mohn zur Nachfolgerin an der Konzernspitze aufgebaut. Foto: picture alliance / dpa Schon nach ihrem ersten Treffen war die Bertelsmann-Chefin «nachhaltig» von Merkel beeindruckt. Später pries sie die Kanzlerin und CDU-Vorsitzende 25

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