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COMPACT-Magazin 11-2016

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COMPACT Dossier 46 Das US-Kapital steigt ein Google hat 2013 in Kalifornien das Unternehmen Calico (California Life Company) gegründet und mit einer 700 Millionen Dollar Finanzspritze kräftig aufgepumpt. Calico erforscht das Altern und die dadurch ausgelösten Krankheiten. Untersterblichkeit ist für Google-Mitbegründer Larry Page das erklärte Ziel der Arbeiten. Sein Mitstreiter ist Arthur Levinson, Chef des Kontrollgremiums von Apple, Gründer und CEO von Calico. Im selben Jahr gab Barack Obama die Gründung der BRAIN Initiative bekannt. Dabei handelt es sich um ein neurowissenschaftliches Projekt zur Erforschung des menschlichen Gehirns und zur Erfassung der Gehirnaktivität. Unterstützt wird die Initiative von DARPA (Defense Advanced Research Projects Agency), einer Forschungsbehörde des Pentagon, die unter anderem das Arpanet (den Vorgänger des Internets), die Tarnkappentechnologie und das GPS entwickelt hat. Gleichzeitig haben sich – wenig überraschend – Vertreter von Microsoft und Google an der Konzeption von BRAIN beteiligt. (Siegfried Waschnig) _ Alexander Dugin, geboren 1962 in Moskau, war 1994 Mitbegründer der Nationalbolschewistischen Partei Russlands und 2002 der Eurasischen Partei. Er gilt im Westen als Putin-Berater, obwohl er den russischen Präsidenten nach eigenen Angaben nie getroffen hat. Er lehrte bis zum Frühjahr 2014 an der Soziologischen Fakultät der Lomonossow-Universität in Moskau. In der Ukraine-Krise befürwortet er ein militärisches Eingreifen Russlands. – Der Text wurde zuerst auf katehon.com veröffentlicht, einer konservativen Plattform, die neben Dugin unter anderem der Putin-Berater Sergej Glasjew leitet. Übersetzung: cfp.co.at. die verschiedensten Formen angeborener Mutationen und Verzerrungen per Gesetz gleichgestellt haben. Und all dies ist im Kontext des technologischen Fortschritts passiert – neuer Produktionsformen, der Computertechnologie, des Fortschritts im Programmieren und der Synthese neuer Materialien. Schrittweise haben sich Ideologie und Technologie zu einer untrennbaren Einheit verschmolzen. Der technische Fortschritt wurde zum ideologischen Faktor, die Ideologie hingegen wurde zu nichts anderem als Technologie. An die Stelle der klassischen Politikformen traten Meinungsmacher. Transhumanismus ist kein bizarres Nebenprodukt der technologischen Entwicklung, sondern deren logisches Ende. Und damit kommen wir zur letzten Phase der Befreiung der Menschheit von ihren Beschränkungen. Im Westen gibt es keinen Glauben, keinen Staat im vollen Wortsinn, keine politische Hierarchie und auch keine normale Familie mehr. Alle Formen der Überwindung der Grenzen, von Transgression, wurden zur Gänze erreicht. Es bleibt nur ein letzter Schritt – die Überwindung der Grenze der Menschengattung. Das ist «H+» – das letzte Wort des Liberalismus. Transhumanismus ist kein bizarres Nebenprodukt der technologischen Entwicklung, sondern das logische Ende des Neuen Zeitalters. Im Laufe der Moderne mussten wir zum Zeitalter der Cyborgs, Hybriden, Mutanten und Chimären voranschreiten, und nun sind wir angekommen. Ein teuflischer Plan Natürlich ist die Mehrheit der Menschen heute nicht bereit, Cyborg oder Mutant zu werden. Aber wer braucht schon die Mehrheit der Menschen… Die ganze Geschichte wurde von den Eliten gemacht. Die Masse ist niemals für etwas bereit. Aber das bedeutet im Grunde gar nichts. Wenn sie nicht bereit ist, dann wird sie dafür vorbereitet – und das so, dass niemand etwas bemerkt. Der Transhumanismus ist unausweichlich, wenn wir die Haupttendenzen des modernen Zeitalters akzeptieren – den Glauben an Fortschritt, Entwicklung und die Perfektionierung der Menschheit. Die Aufklärung hat Europa und der Welt diese Religion gebracht, das heißt die Pseudoreligion des Fortschritts. Schrittweise hat diese Häresie alle traditionellen Formen der Religion, insbesondere das Christentum, ersetzt und langsam an den Rand gedrängt. Auf diesem Weg des Fortschritts kann man nicht auf halber Strecke haltmachen. Wer Wer kontrolliert wen? Foto: robohub.org/Pressebild A sagt, muss auch B, C, D und natürlich alle anderen Buchstaben des Alphabets sagen. H+ ist der letzte Buchstabe. Hier beginnt die Sprache des Rechners. Die einzigen, die sich auf der entgegengesetzten Seite zum Post-Humanismus befinden, sind die konsequenten und fundamentalen Traditionalisten. Aber sie verwerfen nicht nur die allerneueste Mutation, sondern die ganze Moderne – die eigentliche Idee des Fortschritts, der Entwicklung, das wissenschaftliche Weltbild, die Demokratie und den Liberalismus. Stattdessen bestätigen die Traditionalisten Gott, die Kirche, das Imperium, die Klassen, den Staat und die Volksbräuche. Die moderne Welt ist kein Resultat des Fortschritts, sondern des Verfalls: das Reich des Anti-Christen. Der Kampf gegen «H+» – um die finale Transformation, diktiert von der Logik der liberalen Ideologie der Moderne, zurückzuweisen – ist sinnlos, wenn man trotzdem gewisse Aspekte der Modernität akzeptiert. Die heilige Überlieferung besagt, dass der Teufel fast alles schaffen kann, nur nicht den Menschen. Er kann nur eine Parodie des Menschen, sein Simulakrum, schaffen. «H+» ist zweifelsohne ein Plan von ihm.

COMPACT Dossier Wir sind schon Cyborgs _ von Harald Harzheim Hollywood bereitet uns schon seit Jahrzehnten darauf vor, dass wir zu Mensch- Maschine-Hybridwesen werden. Im Regelfall handelt es sich um düstere Dystopien – doch die Zuschauer fahren trotzdem darauf ab. Sie kennen die Geschichte vielleicht: Die US-Regierung lässt die Polizei privatisieren. Um deren Effizienz zu steigern, beschließt der Konzern OCP (Omni Consumer Products), Cyborgs als Ordnungshüter einzusetzen, also die Vorzüge von Mensch und Maschine in Supercops zu vereinen – intelligent und unverletzlich zugleich. Als der Fahnder Alex Murphy von Kriminellen zu Tode gefoltert wird und jede Wiederbelebung versagt, transplantiert man sein Gehirn in einen Maschinenkörper und löscht die Erinnerung: Fertig ist der RoboCop. Der gleichnamige Film (Kinostart 1987) ist nur ein Beispiel dafür, was die Albtraumfabrik in Serie produziert hat. «Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie bitte die Packungsbeilage und fragen Sie ihren Arzt oder Apotheker» – seit Jahren ertönt diese Warnung bei jeder Pharmawerbung. Aber das Gros von Hollywoods Horror- und Science-Fiction-Filmen lebt davon, dass besessene Wissenschaftler eben nicht nach Nebenwirkungen schauen, sondern drauflos experimentieren: Körperteile und Hirnregionen ersetzen, Biochips implantieren, die Synthese aus Organismus und Technik schaffen, den Cyborg kreieren. Oft genug aus gutem Grund. Denn seien wir ehrlich: Welt und Mensch sind extrem korrekturbedürftig. Im Angesicht von Krankheit, Verletzung, Schmerz, Kummer, Angst, Hunger und Tod entwickelt der Mensch den Ehrgeiz, über sich hinauszuwachsen – ins Transhumane. Im Falle des verwirrten RoboCop geht dieser Versuch, trotz anfänglicher Komplikationen, noch gut aus: Der Titelheld wird zuletzt, trotz erweiterten Bewusstseins, zum zuverlässigen Ordnungshüter. Aber bereits das RoboCop-Remake (2014) traut dem Happy-End nicht mehr. Darin entschließen sich die Hersteller, keine weiteren Cyborgs mehr zu fabrizieren. Die dunkle Seite der Macht Das Problem mit der Nebenwirkung quälte bereits Wissenschaftler, die lange vor der Kybernetik künstliches Leben schufen oder organische Ersatzteile verpflanzten: Die Nebenwirkung nicht mitzuberechnen, das heißt im Sci-Fi-Film: Dem Bösen, dem Verbrecherischen die Chance zur Machtergreifung einzuräu- Der berühmteste Cyborg der Filmgeschichte ist Darth Vader. Totalitäre Schreckgespenster aus Star Trek: Die Borg wollen alles und jeden assimilieren. Foto: picture alliance 47

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