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COMPACT-Magazin 11-2016

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52 Ausverkauft! Das

52 Ausverkauft! Das Münchner Olympiastadion platzt beim Konzert des Alpen-Elvis am 30. Juli 2016 aus allen Nähten. Foto: picture alliance / dpa Gabaliers Vorfahren kamen übrigens als Soldaten Napoleons im Jahre 1796 nach Österreich. Foto: Michael Mey/Electrola _ Rudolf Junge ist Zeitgeist-Kritiker und lebt in Wien. ner ersten Platte Da komm‘ ich her 260 Wochen in den österreichischen Charts und kassierte fünf Mal Platin. «Als im Bierzelt die ersten BHs auf die Bühne flogen, fühlte ich mich ein wenig wie Elvis. Ich fand das toll», freut er sich noch heute über den Anfang seiner Karriere. In Deutschland wurde er zuerst durch einen Auftritt bei Carmen Nebel 2011 bekannt. Dort gab er sein «I sing a Liad» zum besten – was dazu führte, dass der Song hinterher so häufig digital nachgefragt wurde, dass sich Universal zur Veröffentlichung einer Single entschloss. Danach ging es Schlag auf Schlag: In Österreich erhielt der Volks-Rock‘n-Roller (so der Titel eines seiner Alben) drei Mal Gold und 29 Mal Platin und verkaufte über zwei Millionen Tonträger. In Deutschland bekam er 2012 den Bambi als Shooting-Star, 2014 den Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie Beste Unterhaltung und 2015 zwei Mal einen Echo. Manderl und Weiberl Insgesamt sechs Mal räumte Gabalier beim Amadeus Award ab – dem österreichischen Pendant zum deutschen Echo. Als er dort 2015 seine Dankesrede hielt, konnte das geladene und handverlesene Publikum nicht mehr an sich halten und zeigte seine schlechten Manieren mit Buh- und «Axxxloch»-Rufen. Immerhin hatte der Rocker die Frechheit besessen zu erklären, dass «Mann es heutzutage nicht leicht hat, wenn man als ”Manderl auf Weiberl steht”». Das war ein Schlag gegen die allmächtige Homo-Lobby: Nur wenige hundert Meter entfernt findet alljährlich der Life-Ball statt, bei dem Wien präsentieren kann, wie «anders» es ist. Insbesondere bot er mit diesem Schmäh Conchita Wurst die Stirn, die bei derselben Veranstaltung mit Amadeus Awards geradezu überhäuft wurde. In einem Interview mit der Frauenzeitschrift Tina teile Gabalier weiter gegen Feminstinnen und Gender-Wahnsinnige aus: «Ich glaube, dass es Kindern gut tut, wenn ihre Mutter länger zu Hause bleibt und sich um sie kümmert. Heute müssen doch viel zu häufig Schule und Kindergarten die Erziehung übernehmen!» «Zeitgemäß sollten wir uns vielleicht auch überlegen, den Stephansdom in Wien in den Stephanien-Dom umzutaufen.» Gabalier Schon 2014 hatte Gabalier beim Formel-1-Grand Prix in Spielberg für einen Eklat gesorgt. Dort sang er die österreichische Bundeshymne in der Originalfassung mit dem Refrain «Heimat bist du großer Söhne», statt der seit 2012 «gender-gerechten» Fassung «Heimat großer Töchter und Söhne». Durch diese Ignoranz gegenüber dem vermeintlichen Fortschritt sah sich das politisch korrekte Österreich genötigt, auf die digitalen Barrikaden zu gehen und das zu entfesseln, was mittlerweile gemeinhin als «Shitstorm» Eingang in die Alltagssprache gefunden hat. Selbst Bildungs- und Frauenministerin Gabriele Heinisch Hosek (SPÖ) sah sich damals bemüßigt, in sozialen Netzwerken dem Sänger eine «Lernhilfe» bezüglich der richtigen Version der Hymne zukommen zu lassen. In einem Interview mit Österreichs größter Tageszeitung, der Krone, kommentierte die Ministerin später den Vorschlag Gabaliers, das Volk über die

COMPACT Leben Hymne abstimmen zu lassen: «Das lehne ich ab. Da will ich keinen Schritt zurück machen. Mir sind die Töchter wichtig.» Ähnlich demokratiefeindlich äußerte sich die ehemalige Ministerin Maria Rauch-Kallat (ÖVP) im Staatssender ORF: «Das Parlament hat das so beschlossen, und wir hatten damals gehofft, dass die Sache damit erledigt ist.» In einem Offen Brief nahm Gabalier schließlich die Genderverrückten gehörig auf die Schippe: «Zeitgemäß sollten wir uns vielleicht auch überlegen, den Stephansdom in Wien in den Stephanien-Dom umzutaufen, Mozart auf seinen Bildern die Haare zu schneiden, weil seine Frisur veraltet ist, und dem Lindwurm in Klagenfurt Brüste umzuhängen, weil unsere Geschichte nicht mehr in diesen verkrampften Gender-Wahnsinn hineinpasst!» Vollends gerieten die Tugendwächer ins Hyperventilieren, als Gabalier während der Wien-Wahl 2015 auf Facebook den FPÖ-Chef Heinz-Christian («HC») Strache gegen Verleumdungen in Schutz nahm: «Ich habe nie eine größere und abgesprochenere Hetzerei gegen eine Person gesehen, als in dieser Elefanten- und Elefantinnen-Runde, ohne für den HC zu sprechen». Im Shitstorm konnte man die typischen linken Reflexe bestaunen: Dem Musiker wurde FPÖ-Nähe unterstellt und die Wiener Tageszeitung Der Standard entdeckte auf seinen CD-Covern Ähnlichkeiten zu Hakenkreuzen – vom ständigen Vorwurf des Sexismus ganz zu schweigen. Amoi seg ma uns wieder Der Erfolg ist dem Sänger, der in der Öffentlichkeit provoziert und polarisiert, nicht zu Kopf gestiegen. Er führt nicht das wilde Leben eines Rockstars mit Villa, Ferrari und 15 Frauen, sondern bleibt bodenständig: Einkaufen auf dem Bauernmarkt in Graz, 1. alternatives Netzwerktreffen NRW Für Menschen die Handeln wollen! Anzeige Hemden waschen und die Wohnung putzen, dafür ist er sich nicht zu schade. Wenn es ihn in seine Heimat verschlägt, teilweise eh nur drei bis vier Tage im Monat, wohnt er in seiner alten Grazer Studentenbude und lässt es ruhig angehen: ausschlafen, Motorrad fahren, wandern und bergsteigen. «Ich habe nur eine Freundin, die ich liebe», erklärte er in einem Interview. Offensichtlich passen die beiden gut zusammen. Als Silvia Schneider, eine bekannte TV-Moderatorin auf Puls 4, darauf angesprochen, dass ihr Andreas «mit kontroversiellen Aussagen immer wieder ins Kreuzfeuer der Kritik» gerät, stand sie in Treue fest: «Er ist einfach einer, der eine starke Meinung hat, die auch kundtut und dahintersteht. Das bewundere ich.» «Ich bin zu 100 Prozent ich.» Gabalier Wer so spricht, lebt und fühlt wie Gabalier, lässt den politisch korrekten Neomarxisten die Haare zu Berge stehen, aber trifft genau ins hedonismusgeplagte Herz der schweigenden Mehrheit. Den einfachen Menschen bedeutet es viel, wenn er von «Bergbauernbuam» und «Fesche Madln» oder seiner Heimat, dem «Steirerland», singt. Mit am stärksten beeindruckt seine Ehrlichkeit: «Ich erzähle mein Leben in musikalischer Form. Und ich bin zu 100 Prozent ich.» Und so berichten seine Lieder auch von seinen Tiefschlägen – etwa jenes, welches er auf jedem seiner Konzerte spielt, «Amoi seg’ ma uns wieder». Es erzählt von seinem Vater und seiner jüngeren Schwester, die sich 2006 und 2008 das Leben nahmen. Es sind genau diese Authentizität und Bodenständigkeit, mit der sich Andreas Gabalier wohltuend von der Kultur-Schickeria abhebt. Der Charmeur In der Klatschpresse wurde schon so mancher Blödsinn über Gabalier verbreitet. Die kurioseste Geschichte: Ein Frauenmagazin outete den Alpen-Elvis als Traditionalisten, der keinen Sex vor der Ehe habe. Auch auf Homepages deutscher Online- Medien wurde er erregt als «Jungfrau im Showgeschäft» gehandelt. «Das macht mich sprachlos», dementiert der Sänger die Ente nicht ohne Humor gegenüber der Kleinen Zeitung: «Ehrlich gesagt bin ich bei mancher Gelegenheit draufgekommen, dass es mehr gibt als Handerlhalten.» (aus: Kleine Zeitung, 21.11.2014) «Es ist nicht leicht auf dieser Welt, wenn man als Manderl heute noch auf ein Weiberl steht», meinte Gabalier 2015. Foto: Amazon Österreichs Hymne singt Gabalier weiterhin nicht in der 2012 gegenderten Version. Foto: Michael Mey/ Electrola u. a. mit Peter Feist (Compact), Rico Albrecht (Wissensmanufaktur), Arne Freiherr von Hinkelbein (Freiheit und Recht) u. v. m. Sonntag 13.11.2016 www.verein-dialog.de 53

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