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COMPACT-Magazin 12-2016

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COMPACT Titelthema Trump die Merkel! _ von Jürgen Elsässer Mit dem neuen amerikanischen Präsidenten droht der Rautenfrau das gleiche Schicksal wie Honecker nach dem Machtantritt von Gorbatschow: Ohne den Rückhalt der Supermacht, der sie ihr Amt verdankt, bröckelt der ideologische Kitt, der ihre Multikulti-Basis gegen das Volk zusammenhält. 10 Denkt Merkel, der Schwanz wackelt mit dem Hund? Wie niedlich: Am 12. November entrüsteten sich nach Polizeiangaben rund 700 Hillary-Fans in Berlin. Foto: picture alliance / abaca Am 9. November trat Angela Merkel freudlos vor die Presse, gratulierte tränensackbeladen dem künftigen US-Präsidenten zum Wahlsieg und ermahnte ihn indirekt zur Einhaltung angeblich gemeinsamer Grundwerte. Penibel zählte sie den Kanon der politischen Korrektheit auf: Trump müsse «Respekt vor dem Recht und der Würde des Menschen unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung oder politischer Einstellung» beweisen, auf der «Basis dieser Werte» biete sie eine Zusammenarbeit an. Hat die Kanzlerin den Schuss nicht gehört? Was denkt sie, wer sie ist, dass sie dem künftig mächtigsten Mann der westlichen Welt Bedingungen stellen kann? Seit wann wackelt der Schwanz mit dem Hund? Und, ganz nebenbei: Hat sie Erdogan solche Bedingungen gestellt, bevor sie ihm sieben Milliarden Euro für den sogenannten Flüchtlingspakt geschenkt hat? Weniger Chuzpe hätte ihr gerade an diesem Datum gut angestanden. Der 9. November ist der Schicksalstag der Deutschen, der immer wieder die Göttderdämmerung für die herrschenden Eliten bedeutete: 1918 wurde an diesem Tag die Republik ausgerufen, 1938 kündigte die Reichskristallnacht den Übergang zum mörderischen Antisemitismus an, 1989 stürzte die Mauer ein und begrub die SED-Herrschaft unter sich. Vae victis lauten die Zeichen an der Wand, die weder Wilhelm II., noch Hitler, noch Honecker sehen wollten – und auch die Rautenfrau läuft blind in ihr Verderben. Die amerikanische Kanzlerin Dass Hillary ihr Fan ist, dürfte der Kanzlerin heute jedenfalls nichts mehr nützen. «Während meiner Zeit als Außenministerin wuchs meine Bewunderung für diese entschlossene, kluge und ehrliche Frau, die mir gegenüber nie verhehlte, was sie dachte», schrieb die aktuelle Wahlverliererin in ihrer Biographie Entscheidungen. Sogar einen «wunderbaren Sinn für Humor» bescheinigte sie der Kanzlerin – eine Eigenschaft, die die Deutschen an der behäbigen Wahl-Mecklenburgerin noch nicht bemerken durften. Wie sich die Busenfreundschaft mit «Angela» – beide nennen sich beim Vornamen – entwickelt hat, erzählt Hillary ebenfalls in ihrem Buch. Demnach wurde Merkel der First Lady schon 1994 bei einem Staatsbesuch von Präsident Bill Clinton in Berlin vorgestellt. «Eine junge Frau, die es noch weit bringen wird», habe man ihr gesagt. Ob «Kohls Mädchen» schon damals von den Amerikanern unter ihre Fittiche genommen wurde? So würde sich jedenfalls erklären, warum gerade sie, die über keinerlei innerparteiliche Lobby verfügte, 1998 mit Hilfe der ebenfalls Amerika-orientierten Bild-Zeitung Helmut Kohl als CDU-Vorsitzenden stürzen und sein Amt übernehmen konnte.

Für Washington hat sich der Wechsel an der Spitze von Partei und Regierung jedenfalls ausgezahlt. Anders als bei allen ihren Amtsvorgängern war von Merkel keine Kritik an der Supermacht zu hören. Konrad Adenauer baute immerhin Sonderbeziehungen mit Frankreich auf und kanzelte John F. Kennedy als «Schaumschläger» ab; Willy Brandt setzte gegen das Weiße Haus seine neue Ostpolitik durch und untersagte den Amerikanern die Nutzung deutscher Häfen im Jom-Kippur-Krieg 1973; Helmut Schmidt verweigerte die Stützung des schwächelnden Dollars; Helmut Kohl machte sich durch seine Nichtteilnahme am Irakkrieg 1991 unbeliebt; Gerhard Schröder fiel schließlich wegen seiner lautstarken Kritik am zweiten Feldzug gegen den Irak 2003 in Ungnade, die er – was die Sache in den Augen von Bush Junior umso schlimmer machte – auch noch in demonstrativem Schulterschluss mit Paris und Moskau vortrug. Damals empfahl sich Merkel den Neokonservativen durch provokative Unterstützung der völkerrechtswidrigen Aggression als Alternative zum Sozialdemokraten und gelangte, empfohlen von den grauen Eminenzen der Bilderberger-Konferenz, 2005 tatsächlich mit knappem Vorsprung ins Kanzleramt. Seither war sie eine gefügige Marionette des Großen Bruders. Sie protestierte nicht bei den Kriegsvorbereitungen gegen den Iran, nicht bei der durch die Wallstreet provozierten Weltwirtschaftskrise, nicht bei den von Barack Obama unterstützten Attacken auf Opel und VW – nicht einmal beim NSA-Skandal, der sogar das Abhören ihres eigenen Handys einschloss. Auch das aggressive Vorgehen gegen Wladimir Putin und Baschar al-Assad trug sie immer mit, und zum Knebelungsabkommen TTIP steht sie trotz massiver Kritik selbst des befreundeten Frankreich. Einzig die Abstinenz beim Libyenkrieg fällt aus dieser Reihe heraus, dürfte aber eher auf den damaligen Koalitionspartner FDP und Außenminister Guido Westerwelle zurückgehen. Honecker und Merkel Kurz und gut: Merkel ist ebenso ein Geschöpf der amerikanischen Supermacht, wie Honecker eins der sowjetischen gewesen ist. Auch dieser war, wie sie gegen Schröder, gegen einen Amtsvorgänger an die Schalthebel der Macht gekommen, der mehr deutsche Eigenständigkeit anstrebte: Walter Ulbricht. Der Spitzbart wurde 1971 von dem Dachdecker im Zentralkommittee weggeputscht, mit Hilfe der Moskauer Genossen. Honeckers Stärke war geliehen – und erodierte ab 1985, als Michael Gorbatschow in den Kreml einzog. Eine Zeit lang versuchte die SED noch, sich dem Reformdruck aus Moskau zu entziehen. Unvergessen bleibt der Ausspruch des Chefideologen Kurt Hager: Wenn der Nachbar sein Haus neu tapeziere, müsse man ja nicht mitmachen. Die Abschottung der Ostberliner Gerontokratie ging sogar so weit, dass 1987 erstmals sowjetische Filme und der KPdSU-Digest Sputnik in der DDR verboten wurden, weil man den Einfluss der neuen Ideen fürchtete. Kein Mann des Establishments: Donald Trump wird der erste US- Präsident, der zuvor nie ein öffentliches Amt bekleidet hat. Foto: picture alliance / AP Photo Merkel ist ebenso ein Geschöpf der amerikanischen Supermacht, wie Honecker eins der sowjetischen war. 11

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