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COMPACT-Magazin 12-2016

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«Für mich ist das

«Für mich ist das Lügenpresse» _ Jürgen Elsässer im Gespräch mit Nadja Atwal 14 Nadja Atwal war die einzige Trump-Unterstützerin, die im deutschen Fernsehen zu Wort kommen durfte. Da sie seit Langem in den USA lebt, kennt sie die politischen Verhältnisse aus erster Hand – und ist entsetzt über die Faktenresistenz und die linke Verbohrtheit der hiesigen Journaille. Die Maischberger-Runde nach der US-Wahl. «Trump-Anhängerin bringt alle auf die Palme» titelte später der Focus über Frau Atwal (rechts). Foto: WDR/Max Kohr Die Propaganda in Deutschland ist noch stärker als in den USA. Sie haben sich am Tag nach der US-Wahl bei Maischberger wacker gegen eine Übermacht geschlagen. Wie war Ihr Eindruck von der Diskussion? Naja, der Ablauf war zu erwarten. Positiv überrascht war ich aber von Oskar Lafontaine, mit dem ich mich vor und nach der Sendung sehr gut unterhalten habe. Auch mit Alice Schwarzer hatte ich hinterher ein gutes Gespräch. Ich kann es nachvollziehen, warum die meisten so sehr gegen Trump sind, die kennen eben nur die deutsche Medienberichterstattung über ihn. Das war ja der Punkt, wo mir im Februar oder März der Kragen geplatzt ist, als der Spiegel Trump zum «gefährlichsten Mann der Welt» hochstilisierte – da musste ich dazwischengehen. In Deutschland gibt es in den Medien eine Art von Propaganda, die ich als gelernte Journalistin einfach nicht akzeptieren kann. Egal ob bei Maischberger oder Markus Lanz: Immer stand das Verhältnis eins zu vier oder sogar eins zu fünf, ich allein gegen die große Mehrheit der Trump-Gegner. So unausgewogen sind die Medien in den USA nicht. Würden Sie sagen, dass es in Deutschland mehr Gleichschaltung in der Berichterstattung gibt als in Amerika? Ja! Vor allem weiß ich nicht, was die Medien in Deutschland davon hatten, dass sie so einseitig pro- Clinton waren. Sind die deutschen Journalisten einfach zu faul, um selbständig zu recherchieren, und haben deswegen alles bei der New York Times, der Washington Post oder CNN – bei uns sagt man: Clinton News Network – abgeschrieben? Jedenfalls bin ich erschüttert über die mangelnde journalistische Qualität in Deutschland. Für mich ist das Propagandapresse oder Lügenpresse, aber wenn man das sagt, wird man gleich in die rechte Ecke gedrückt. Sie haben früher Barack Obama unterstützt. Wann hat sich das geändert? Wenn man aus Deutschland kommt, ist man automatisch links. In der Schule in Kiel war der Unterricht immer links und antiamerikanisch eingefärbt, statt vom American Dream wurde da oft vom American Nightmare [Alptraum] geredet. Als ich in die USA kam, merkte ich aber irgendwann, dass nicht die Amerikaner ein gestörtes Verhältnis zu sich selber haben, sondern die Deutschen – die haben einen richtigen Schuldkomplex. In der Folge bin ich in die Mitte gerückt. Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass Obama nichts gebracht hat – au-

COMPACT Titelthema ßer weniger Jobs, einer schrumpfenden Mittelklasse, und immer noch sind die Grenzen ungesichert, und das Verhältnis zwischen Weißen und Schwarzen hat sich weiter verschlechtert… Und was hat er denn für die Schwarzen gemacht? Nichts! Deswegen haben jetzt auch weniger von ihnen als früher die demokratische Kandidatin gewählt. Außerdem ist die Korruption bei den Demokraten atemberaubend, das ist wirklich eine versiffte Partei. Selbst Susan Sarandon, bestimmt keine Trump-Unterstützerin, hat kürzlich geschrieben, die Demokratische Partei sei tot. Aber die anderen Stars und Sternchen waren doch fast alle für Clinton, oder? Naja, Sie müssen sehen, diese Schauspieler sind alle nicht gerade die smartesten. Es gibt Ausnahmen wie James Woods, und der ist bekanntlich für Trump… Und wenn eine wie Miley Cyrus jetzt moralische Standards setzen will, bin ich ganz froh, dass ich für Trump war. Jedenfalls hat Hollywood keinen Einfluss auf die einfachen Amerikaner mehr. Clinton hat echt aufs falsche Pferd gesetzt, als sie die Stars für sich Wahlkampf machen ließ. CDU und SPD betreiben die reinste Volksverhetzung. bei den öffentlich-rechtlichen Medien als auch bei den großen privaten kein Journalismus, sondern reine Meinungsmache. Und die Propaganda ist deswegen noch stärker als in den USA, weil sie verdeckt erfolgt. In Amerika haben sich Medien wie die New York Times oder Washington Post ganz offen dazu bekannt, dass sie für Hillary sind. Aber in Deutschland geben sich Zeitungen, Funk und Fernsehen immer noch als überparteilich aus, obwohl sie ganz klar und sehr manipulativ Partei ergriffen haben. Wenn Sie für Trump sind – sind Sie dann auch für die AfD? Dazu weiß ich über die AfD zu wenig. Was ich aber weiß: Dass es in Deutschland, wie in vielen anderen Ländern, eine massive Unzufriedenheit über die Verlogenheit des politischen Systems und über die Bevorzugung von Ausländern gegenüber der eigenen Bevölkerung gibt. Ob die AfD das in angemessener Weise thematisiert, kann ich nicht beurteilen. Aber eines kann ich ganz klar sagen: Wenn ich mir anschaue, wie sich CDU und SPD gegenüber Trump positioniert haben, dann muss ich sagen, diese Parteien sind für mich absolut unwählbar. Das war die reinste Volksverhetzung. Trump in Gefahr «Werden Sie versuchen, Trump umzubringen – noch vor der Amtseinführung? Ich wusste, dass Trump gewinnen würde. Ich wusste aber auch, dass sie versuchen würden, ihm den Sieg zu stehlen. Dass Umfragen gefälscht wurden, ist bekannt. Dieselben Leute, die damals Kennedy getötet haben – nämlich die Eltern und Großeltern jener heutigen Eliten, welche glauben, Amerika zu besitzen –, werden sie versuchen, Trump loszuwerden? Es sind noch mehr als zwei Monate bis zu seiner Amtseinführung. Werden sie einen verrückten Einzeltäter losschicken? Werden sie sein Flugzeug sprengen? Werden sie den Aktienmarkt crashen? Werden Sie einen Krieg zur Ablenkung beginnen?» (Alex Jones, Infowars.com, 10.11.2016) Sie sagten vorher, Sie hätten sich gut mit Alice Schwarzer verstanden. Konnten Sie sie überzeugen, dass Trump kein Sexist ist? Ich habe ihr gesagt, dass sie ihr großes gutes Herz an die Falsche verschwendet, wenn sie für Hillary eintritt. Aber sie ließ sich leider nur über die deutschen Medien informieren und hat keine Ahnung, was sich in den letzten 15, 16 Monaten wirklich in den USA abgespielt hat. Es kommt doch nicht darauf an, ob eine Frau einen Posten bekommt oder ein Mann. Man braucht doch die richtige Person für den Job, das ist entscheidend. Alles andere ist auch Sexismus, nur andersrum. Da Sie viele Menschen in beiden Staaten kennen: Ist die politische Korrektheit in Deutschland oder in Amerika stärker? Die Linken sind ja nur für die Meinungsfreiheit, solange es um ihre Meinung geht. Deswegen ist der Einfluss der politischen Korrektheit in Deutschland viel stärker, denn Positionen, die in den USA als linksradikal gelten, sind in der Bundesrepublik schon längst Mainstream. Es herrscht in weiten Teilen der Gesellschaft eine völlig verschrobene Sichtweise, und dafür sind die Medien verantwortlich. Das habe ich gerade bei der Berichterstattung über die amerikanischen Präsidentschaftswahlen gesehen, und schon dafür bin ich Trump dankbar. Das war sowohl Amerikas oberster «Verschwörungstheoretiker» Alex Jones. Foto: infowars.com «Ich finde ihn gut, weil er das amerikanische Establishment bekämpft. Das ist der Feind», erklärte Atwal bereits im März über Trump. Foto: Antoine Verglas _ Nadja Atwal, geboren in Preetz bei Kiel, leitet eine PR-Agentur in New York und arbeitet als politische Kommentatorin. Das US-Mode- und Schönheitsmagazin «Viva Glam» kürte sie 2013 zur «schönsten Powerfrau Amerikas». Dem deutschen Fernsehpublikum wurde sie im laufenden Jahr durch Auftritte in mehreren Talkshows bekannt. 15

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