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COMPACT-Magazin 12-2016

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COMPACT Politik sam gegenüber dem Islam. «Kultursensibilität ist das große Zauberwort», zitierte der Focus im Oktober den Pressesprecher der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Volker Rahn. Offiziell handelt es sich im Sara-Nussbaum-Haus um eine Entscheidung der Kindergartenleitung. Die Erklärung von Stadtsprecher Ingo Happel-Emrich lässt jedoch befürchten, dass die Appeasement- Pädagogen durchaus das Wohlwollen des Rathauses genießen: «Wir orientieren uns bei den städtischen Kindertagesstätten am hessischen Bildungsund Erziehungsplan. Dieser sieht vor, dass wir keine religiöse Unterweisung betreiben.» Vielsagend war auch die Reaktion der Stadtverordnetenversammlung. Dort forderte der CDU-Politiker Dominique Kalb, «dass nicht aus falsch verstandener Toleranz auf die Pflege zum Beispiel weihnachtlicher Traditionen in städtischen Kindertagesstätten verzichtet wird». Vergeblich: Mit Ausnahme von Union und AfD lehnten die etablierten Stadtoberen den Vorstoß ab. Was in Kindergärten begann, setzt sich in Schulen fort. Einige Beispiele: 2014 untersagte das badische Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald seinen 14 Schulen, geschmückte Tannenbäume aufzustellen – offiziell aus Gründen des Brandschutzes. 2015 feierte die Münsteraner Mosaik-Schule «am letzten Schultag vor den Winterferien im Forum das Winterfest» – gemeint war der 21. Dezember. Sternsinger unerwünscht 24 Weihnachtsbaum vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Foto: pictureimpressions, istock/thinkstock Da waren sogar die Mainstreammedien sauer: 2013 untersagte der Multikultibezirk öffentliche Weihnachtsfeiern mit religiösem Bezug. Foto: BZ lich, wie unsere Kultur, unser Weltbild schon im Kindergarten zurückgedrängt werden soll. Diese Abkehr von guten, wichtigen Werten hat in Wien längst System.» Tatsächlich ist Österreichs Hauptstadt traurige Vorreiterin im Kampf gegen die christlichen Bräuche. So gibt es in Kindergärten seit Jahren ein Besuchsverbot für den Nikolaus. Offizieller Grund: Kinder könnten Angst vor Fremden bekommen. «Totaler Blödsinn, ich hab’ in meinem Leben noch kein Kind getroffen, das sich vor dem Nikolaus fürchtet», kontert die ÖVP-Politikerin Johanna Mikl-Leitner. Der St. Martinstag wird zum Sonne-Mond-und-Sterne-Fest. Dienstliche Konsequenzen sind in Deutschland zumindest noch nicht bekannt geworden. Doch auch bei uns wird das Halali gegen Nikolaus und Christkind speziell im Bildungsbereich geblasen. So lässt der städtische Kindergarten Sara-Nussbaum-Haus in Kassel seit mehreren Jahren zwar Plätzchen backen, christliche Lieder erklingen hingegen nicht. Der Grund ist offensichtlich vorauseilender Gehor- Im Visier der Deutschlandabschaffer stehen auch andere Feste christlichen Ursprungs. Im November 2013 verlangte der damaligen Landesvorsitzende der NRW-Linken, Rüdiger Sagel, die Umbenennung des St. Martinstages in Sonne-Mond-und-Sterne- Fest. Andernfalls würden moslemische Kinder diskriminiert. Nach massiven Protesten auch aus den eigenen Reihen sah sich Sagel kurze Zeit später «offensichtlich oder absichtlich missinterpretiert». Doch tatsächlich wird seine Forderung schleichend umgesetzt. In Düsseldorf strichen mittlerweile diverse Kindergärten den christlichen Namensgeber «im Sinne von Integration und Einheit», so die Leiterin eines Kindergartens des Roten Kreuzes. Ebenso in Rheinland-Pfalz: Beim traditionellen Sternlauf aller Bad Kreuznacher Kindergärten fehlte 2015 der Heilige Martin gänzlich. Statt dessen luden die Einrichtungen zum «traditionsreichen Laternenfest» oder «Fest der Lichter». Ebenfalls 2015 sorgten Meldungen über ein Besuchsverbot für Sternsinger im Brandenburger Bildungsministerium für eine Welle der Empörung. «Es ist ein Affront gegenüber allen Christen im Land», empörte sich die Generalsekretärin der Landes-CDU, Anja Heinrich. Nach einem Shitstorm bestritt Ministeriumssprecher Florian Engels plötzlich, dass es ein solches Verbot gegeben habe.

COMPACT Politik Begründet wird der Feldzug gegen christliche Bräuche zumeist mit angeblich notwendiger Rücksicht auf die wachsende Zahl moslemischer Kinder. Eine Position, die keineswegs alle Migranten teilen. «Wir leben in einem christlichen Land, also müssen christliche Feste in Schulen, Horten und Kindergärten auch angemessen begangen werden», sagte die Vorsitzende des Gesamtelternbeirates für städtische Kitas in Stuttgart, Sevim Calayir, bereits 2010. Selbst der Föderation der Türkischen Elternvereine in Deutschland (Föted) scheint es angesichts des Eifers politisch korrekter Kollaborateure mulmig zu werden. «Das ”Ausfallenlassen” von Festen aus angeblicher Achtung vor anderen Religionen führt genau zum Gegenteil dessen, was beabsichtigt wird», meinte Vorstandsmitglied Ali Sak im Oktober mit Blick auf das Advents-Aus in Kassel. Doch der Trend geht in eine andere Richtung: «Für türkische Schüler besteht die Gefahr, ein Außenseiter zu werden, da ihm die Weihnachtstraditionen unbekannt sind», drückt – mit der Grammatik auf Kriegsfuß – die Erziehungswissenschaftlerin Birgül Günesli in ihrem Pädagogikratgeber Elternarbeit bei Kindern mit Migrationshintergrund in der Grundschule auf die Tränendrüse. Tatsächlich wird diese Zwickmühle jedoch ganz bewusst provoziert. Sinan Güler vom türkischen Bildungsverein im hessischen Raunheim erklärte 2015, dass in seiner Grundschulzeit – vor etwa 15 Jahren – auch muslimische Kinder von ihren Eltern Geschenke erhielten. «Sie haben die christliche Tradition übernommen.» Doch heute kenne er keinen einzigen derartigen Fall. Linksgrüne Hassprediger Entscheidend für die Entwicklung ist jedoch der Opportunismus deutscher Pädagogen und Lokalpolitiker. Im Kampf gegen christliche Feiertage haben Islamisierer und linksgrüne Kirchenhasser eine unheilige Allianz geschmiedet. «Die PDS hatte ein höheres Maß an Toleranz im Umgang mit Christen als die Linkspartei», sagte etwa der heutige Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow 2013. «Das hat mit der Antiklerikalität der 68er in der Bundesrepublik zu tun, die vor allem in der Westberliner SPD einen Kristallisationspunkt gefunden hatte.» Viele der sozialdemokratischen Protagonisten stießen 2005 über die Abspaltung WASG zur Linkspartei. Das gilt nicht nur für die Linke. «Ich stelle mir die Frage, ob es (…) noch sinnvoll ist, dass christliche Feiertage einen Großteil der Feiertage in Deutschland ausmachen», äußerte der Bundessprecher der Grünen Jugend, Moritz Heuberger, im September ausgerechnet auf einer Veranstaltung der Evangelischen Kirche. In deutlich aggressiverem Tonfall heißt es außerdem auf der Webseite der Parteigliederung: «An Weihnachten vereinigen sich Kapitalismus und christliche Ideologie, und was dabei herauskommt, ist noch schlimmer als die Grundzutaten.» Der politische Nachwuchs von Claudia Roth und Co. träumt deswegen von der «endgültigen Überwindung des Weihnachtsfests». «An Weihnachten vereinigen sich Kapitalismus und christliche Ideologie.» Grüne Jugend Kindergärten und Schulen sind dabei nur das erste Angriffsziel. Auch aus dem öffentlichen Raum soll die Feier von Christi Geburt verdrängt werden – selbst dort, wo sie weitgehend zum säkularen Freizeitspaß geworden ist. Den Vorreiter gab der Berliner Multikulti-Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Auf öffentlichem Raum untersagte eine Mehrheit aus Grünen, Linken und Piraten 2013 Feste mit christlichem Bezug. Konsequent umgesetzt wird der Beschluss offenbar nicht, doch der traditionsreiche Weihnachtsmarkt auf dem Mehringplatz firmiert heute als Kiez-Wintermarkt. Auch die vielerorts in den Stadtzentren leuchtenden Tannenbäume sind ins Visier der Tugendwächter geraten. Dieses Jahr traf es unter anderem Düsseldorf. In den vergangenen 35 Jahren spendierte die norwegische Stadt Lillehammer der NRW-Landeshauptstadt den Baum, stellte diese Tradition nun jedoch aus Kostengründen ein. «Die Chance, sich von diesem unzeitgemäßen Ritual zu trennen, ist jetzt besonders günstig», freute sich Düsseldorfs Grünen-Fraktionschef Norbert Czerwinski. Jahresendflügelfigur Im Gegensatz zur linksgrünen Bundesrepublik hatte die DDR weitgehend ihren Frieden mit den christlichen Kerntraditionen gemacht. Auch im ostdeutschen Staat begleiteten Tannenbäume, Weihnachtsmärkte und pathetische Kinderchöre jedenfalls das wichtigste Familienfest. Fernsehsendungen wie Zwischen Frühstück und Gänsebraten und Die Weihnachtsgans Auguste gehören bis heute zu den kollektiven Erinnerungen östlich der Elbe. Allerdings gab es im amtlichen Sprachgebrauch durchaus einige Versuche der Umdeutung – etwa die «Ferien zum Jahreswechsel» an den Schulen oder «Jahresendfeiern» in Betrieben. Die sich bis heute haltende Legende, Engel seien als «Jahresendflügelfiguren» verkauft worden, ist dagegen ein modernes Märchen. Das Wortungetüm findet sich in keinem einzigen amtlichen Dokument oder Produktkatalog – wohl jedoch 1986 in einem Buch der DDR-Satirezeitschrift Eulenspiegel. Immer mehr Kindergärten verzichten im Advent auf christliche Lieder und Bräuche. Foto: picture alliance / dpa 25

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