Aufrufe
vor 7 Monaten

COMPACT-Magazin 12-2016

  • Text
  • Trump
  • Compact
  • Deutschland
  • Welt
  • Zeit
  • Menschen
  • Politik
  • Deutschen
  • Alliance
  • Clinton

Neukölln wird

Neukölln wird Neu-Aleppo _ von Johann Jungen 26 Shishabars statt Bierkneipen, Moscheen statt Kirchen, Banden- Ghettos statt guter Nachbarschaft – in den Elendszonen der Multikulti-Politik verschwindet jeden Tag ein Stück Deutschland: Ein Besuch in der arabisch besetzten Zone von Berlin. Nach Angaben von Neukölln Online haben sich im Bezirk 20 Moscheen angesiedelt. Foto: picture alliance / Jochen Eckel «Araber-Clans sind mittlerweile sogar in das Asylgeschäft eingestiegen.» Bürgermeistern Giffey «Vor Jahren besuchte ich Neukölln und erkannte den Stadtteil nicht mehr. Ich dachte, ich befinde mich in Kabul», schreibt der libanesische Autor und Ex-Moslem Imad Karim Mitte Oktober letzten Jahres. Sein alter Kiez ist ihm fremd geworden. Viele seiner früheren Bekannten haben «noch einmal geheiratet, nachdem sie sich von ihren deutschen Frauen zuvor scheiden ließen», sagt er. Die neuen Gemahlinnen sind «junge Araberinnen, Cousinen von ihnen», die aus dem Nahen Osten eingeflogen wurden. Und alle sind «fromme und gläubige Moslems geworden, die felsenfest überzeugt sind, Deutschland wird in naher Zukunft islamisch» sein. Ein Streifzug durch das heutige Neukölln vermittelt den Eindruck, dass diese Zukunft bereits unsere Gegenwart ist. An Deutschland erinnert auf der Sonnenallee – von den Neusiedlern gern «Arab Street» genannt – höchstens noch das Straßenschild. Der Kiez hat sich in eine orientalische Halbwelt verwandelt. Islamische Gewänder und Kopfbedeckungen sind allgegenwärtig. 90 Prozent aller Geschäfte befinden sich laut SPD-Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey in arabischer Hand. Ein Drittel der Menschen hier ist arm, der Ausländeranteil beträgt 42 Prozent. Bei den unter 18-Jährigen sind es sogar 69 Prozent. Die Demografiebombe platzt. Bei nur noch 39 Prozent Menschen, die einen vollen Job haben, und einer hohen Schulabbrecherquote sind Kriminalität und Drogensucht nicht weit. Im letzten Jahr waren rund 30 tote Fixer zu beklagen, ein Anstieg um 100 Prozent im Vergleich zu 2014. Abendland ist abgebrannt Mein Spaziergang durch Neu-Aleppo führt mich in eine islamische Parallelwelt mitten in Deutschland. Dönerläden, Gemüsemärkte, Shishabars, Spielotheken und Wettbüros prägen das Straßenbild. An den Imbissbuden ist der Andrang an diesem Wochenende groß. Aldimashqi – syrische Küche, steht auf dem Schild über einem Eingang. Großfamilien haben Tische zusammengeschoben und diskutieren angeregt bei Tee, Falafel und Schawarma. In orientalischen Bars gleich nebenan sehe ich Gruppen jugendlicher Migranten, die – mit dicken Oberarmen und schwerem Schmuck behangen – den weißen Qualm der Wasserpfeifen auspusten.

COMPACT Politik Schmutz und Protz reichen sich am Bordstein die Hand. Auch vor den unscheinbarsten Ramschläden parken polierte Oberklasse-Limousinen mit kostspieliger Sonderausstattung, die von jungen Männern in zweiter Reihe geparkt werden. Zur Begrüßung finden unter den Brüdern des Morgenlandes besondere Handschlag- und Kussrituale statt, während die Damen hinter den verdunkelten Fenstern der schwarzen Mercedes versteckt bleiben. Auf die heute 328.000 Einwohner aus über 150 Nationen ist man in der Bezirksverwaltung stolz. Ich möchte gerne herausfinden, ob sich durch die Zuwanderung in den letzten Jahren spürbar etwas verändert hat. Parallelgesellschaften hatten zwar laut Ex-Bürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) in Berlin bereits Anfang 2015 «einen derartigen Ausbaugrad und eine Verbindlichkeit erreicht», dass er sie «für irreversibel» hielt. Die laufende Asylkrise verschärft die Lage dennoch zusätzlich. «Tatsächlich ist die Sonnenallee (…) seit den Flüchtlingsströmen sehr viel voller geworden. Gefühlt laufen hier vier Mal mehr Menschen entlang als noch vor drei Jahren», analysiert die B.Z. die Sachlage Anfang September. Fragt man die Alteingesessenen, meint man eine Mischung aus Resignation und Galgenhumor wahrzunehmen. «Das ist hier so lange schon nicht mehr Deutschland, das merkt man kaum noch», brummt Edgar P., den ich am Tresen eines gutbürgerlichen Wirtshauses beim Feierabendbier antreffe. Gewöhnt habe er sich daran nicht, aber ändern könne er ja auch nichts. Durch Medienberichte erlangte Simones Eckkneipe in der Sonnenallee – eine der letzten deutschen Bier-Bastionen – bereits größere Bekanntheit. Tresenfrau Carola nennt die Dinge beim Namen. «Wenn ich aus der Kneipe gucke, laufen da 30 Ausländer und zwei Deutsche vorbei», wird sie in den Medien zitiert. Schon einige Male seien Araber bei ihr hereingeschneit und wollten «den Laden kaufen», doch sie hat das bisher immer dankend abgelehnt. Die multikriminelle Gesellschaft Arabische und libanesische Clans haben die Hauptstadt bereits weitgehend unter sich aufgeteilt. Rund zwölf Großfamilien treiben in Berlin ihr kriminelles Unwesen. Diese Familien haben laut Polizei im Mittel 200 bis 300 Mitglieder, deren Vorstrafenregister oft länger ist als ihr Stammbaum. Messerstechereien, Überfälle, Revierkämpfe, Gewalt- und Drogendelikte – alles längst Normalität. Polizei-Razzien und SEK-Einsätze gegen die Hintermänner der Syndikate gibt es hin und wieder – zuletzt im April, als Haftbefehle gegen acht Männer aus dem Kreis der «al-Z.»-Familie vollstreckt wurden. Der spektakuläre Überfall auf einen Juwelier im Nobelkaufhaus KaDeWe kurz vor Weihnachten 2014 soll unter anderem von den verhafteten Clan- Mitgliedern Khalil und Jehad al-Z. begangen worden sein. Die Beute, Schmuck und Uhren im Wert von über 800.000 Euro, ist verschollen. Der ebenfalls arabische Abu-Chaker-Clan gehört zu den berüchtigtsten Familien des Milieus. Ihr öffentliches Aushängeschild – der Rüpel-Rapper Bushido – erhielt übrigens 2011 den Bambi für Integration. Bezirksbürgermeisterin Giffey erklärte kürzlich, dass die dominierenden Araber-Clans mittlerweile sogar in das Asylgeschäft eingestiegen sind. Dass sei je nachdem, «wie viele Matratzen sie da vermieten pro Zimmer», nämlich «sehr lukrativ». Und das Allerbeste: «Es ist legal, also eine gute Möglichkeit für einen kriminellen Clan, um vom Dunkelfeld ins Heinz Buschkowsky war 1991/92 und 2001–2015 Neuköllns Bürgermeister. Foto: Christliches Medienmagazin pro,CC BY-SA 2.0, flickr. com _ Johann Jungen ist Gastautor für COMPACT-Magazin, lebt als IT-Spezialist in Paderborn und besuchte für diese Reportage seine alte Heimat Berlin. Fußballspiele beginnen mit dem Ausrollen eines Gebetsteppichs auf dem Rasen. Bild links: Sehitlik-Moschee. Foto: Autor Bild rechts: Alltag in der Karl-Marx- Straße. Foto: picture alliance / dpa 27

© COMPACT-Magazin GmbH 2016 Alle Rechte vorbehalten

   Mediadaten  /  Datenschutz  /  Impressum  /  Kommentarregeln  /  Nutzungsbedingungen  /  Widerruf