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COMPACT-Magazin 12-2016

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COMPACT Politik Zwei Wochen Hellfeld zu kommen.» Die Neuköllner Orient-Mafia fasziniert, weshalb sie auch die Hauptrolle in der kürzlich abgefilmten TV-Serie 4Blocks (Erstausstrahlung 2017) spielt, die die Abgründe «aus der Perspektive eines arabischen Clans» zeigen – also vermutlich romantisieren – sollen. Die Rollen wurden «zum Teil mit echten Mitgliedern arabischer Großfamilien» besetzt, wie Bild fast ehrfürchtig berichtete. Epizentrum der Gewalt Intensivtäter in Neu-Aleppo SPANDAU REINICKENDORF CHARLOTTENBURG- WILMERSDORF MITTE PANKOW FRIEDRICHSHAIN- KREUZBERG LICHTENBERG NEUKÖLLN MARZAHN- HELLERSDORF 28 8.11.2016 Maskierter überfällt Hotel 7.11.2016 Hotel in Neuköllner Silbersteinstraße überfallen 7.11.2016 Seniorinnen in Wohnung beraubt 4.11.2016 Versuchter Ehrenmord in Neukölln 31.10.2016 Mädchen (16, 19) stechen Jungs mit Messer nieder 27.10.2016 Drei Männer überfallen Café in Neukölln 27.10.2016 Mann überfällt Sonnenstudio 27.10.2016 Attacke auf Jobcenter in Neukölln 25.10.2016 Bewaffnete überfallen Hotels in Neukölln und Charlottenburg 2015 wurden in Neukölln 21.690 Straftaten angezeigt. Foto: Autor Parallelgesellschaft Flughafenstraße Foto: Autor Allah steht Pate Armut, Bildungsferne, Machokult, Gangsterromantik und fehlender Respekt vor dem Gesetz vermischen sich im Multikulti-Biotop zu allem Überfluss noch mit zweifelhafter Frömmigkeit. Die al-Nur-Moschee in der Haberstraße ist dafür ein Beispiel. Seit mehr als zehn Jahren steht das Neuköllner Gotteshaus «als Zentrum fundamentalistischer Hassprediger und Salafisten» im Fokus «offenbar machtloser Behörden», wie die Bild-Zeitung Mitte September berichtete. Der bekannte IS-Terrorist Denis Cuspert («Deso Dogg») wurde hier radikalisiert, Salafisten-Frontmann Pierre Vogel predigte mehrfach von der Kanzel, und sogar dem Hardcore-Islamisten Abdel Moez al-Eila aus Ägypten erlaubte man, seine mittelalterlichen Thesen zu verbreiten – natürlich auf Arabisch. Kostprobe: «Wenn ein Mann seine Frau ins Bett ruft und sie sich verweigert und einschläft – dann verfluchen sie die Engel.» Ein Verbotsverfahren gegen die Moschee und ihre Hasspredigten versandete gänzlich ergebnislos. Warum? Heinz Buschkowsky meint: «Dazu fehlt zu vielen Leuten ein Körperteil in der Hose.» Die größte Moschee in Neukölln ist die Dar-As- Salam-Moschee (übersetzt: Haus des Friedens) an der Flughafenstraße. Im Mai machte die Grünen-Politikerin Claudia Roth der Gemeinde ihre Aufwartung, informierte die Glaubensbrüder über den «Rechtsruck in Deutschland» und «antimuslimischen Rassismus». Zum Freitagsgebet kommen regelmäßig über 1.000 Männer und Frauen hierher, strikt nach STEGLITZ-ZEHLENDORF TEMPELHOF- SCHÖNEBERG Anteil Kinder mit Migrationshintergrung 70 % Eingetragene Intensivtäter in Neukölln Stand 2010 (Intensivtäter Berlin 548) TREPTOW- KÖPENICK 128 Grafik: COMPACT Geschlechtern getrennt. Der Berliner Verfassungsschutz sieht Imam Mohamed Taha Sabri als Verbindungsmann zu den Muslimbrüdern. Das allerdings hinderte den regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) nicht, den Prediger mit dem Landesverdienstorden auszuzeichnen und ihm zu attestieren: «Er ist davon überzeugt, dass sich der Islam gut mit der deutschen Kultur vereinbaren lässt. Seiner Meinung nach lässt sich das Bekenntnis zu demokratischen Werten aus dem Koran ableiten.» Da lacht der Dschihadist – und der Michel wundert sich. «Dazu fehlt zu vielen Leuten ein Körperteil in der Hose.» Heinz Buschkowsky «The Big Buschkowsky» – so sein neuer Spitzname im Kiez – warnte bereits Ende 2014 vor «einer allmählichen Landnahme des Fundamentalismus mit dem Ziel, eine andere Gesellschaftsordnung zu schaffen als die, die wir westliche Demokratie nennen». Er war zum Beispiel entsetzt über Fußballturniere, die nicht mehr «mit dem Anpfiff des Schiedsrichters», sondern mit dem «Ausrollen eines Gebetsteppichs auf dem Rasen» beginnen. Das sozialdemokratische Urgestein verwies auf die Dynamik der Entwicklung: «Noch vor fünf Jahren sah es in Neukölln deutlich anders aus. Nicht selten kommen Besucher zu mir ins Rathaus und sagen: Sagen Sie mal, ich traue meine Augen nicht – was ist denn mit Neukölln passiert, seit ich vor ein paar Jahren das letzte Mal hier war? Und ich sage dann: Auch wenn es so aussehen mag: Wir sind kein Gottesstaat. Und ich werde tun, was ich kann, damit es auch nicht dazu kommt.» Das ist mittlerweile zwei Jahre her. Getan hat sich nichts – jedenfalls nicht im Sinne der Deutschen.

Die Frau, die sich nicht traut _ von John Laughland Premierministerin Theresa May hat versprochen, den Willen des britischen Volkes zu erfüllen und den Brexit durchzusetzen. Doch jetzt hat ein Gerichtsurteil verfügt, dass das Parlament mitentscheiden muss – was den Austritt auf unbestimmte Zeit verzögern könnte. Nimmt die konservative Regierungschefin den Fehdehandschuh auf? Für Frauen, die Staatsoberhaupt werden, gibt es eigentlich nur zwei mögliche Vorbilder – Heldin oder Mutter der Nation. Also: Queen Elizabeth die Erste oder Queen Elizabeth die Zweite; Margaret Thatcher – «die oberste Führerin», wie man damals scherzte – oder Mutti Merkel. Aber: Theresa May ist keine Margaret Thatcher, sie ist eher ihr Gegenteil. Wo die Eiserne Lady sogar ihre Anhänger ständig mit ihrer Kühnheit mitriss, wirkt die neue britische Premierministerin eher beruhigend. Wo der ideologische Wind von Maggie durch den Augiasstall des britischen Establishments fegte, präsentiert sich Mrs. May schon immer nüchtern: als der erste, aber vor allen Dingen als der zuverlässigste Diener des Staates. Kein Enthusiasmus Der Fall Merkel zeigt, dass das Profil einer pummeligen Mutter mit zynischer Machtausübung keineswegs unvereinbar ist. Wie wird es bei Frau May sein? Die Tochter eines anglikanischen Pfarrers und Enkeltochter eines Offiziers ist die Verkörperung jenes Mittelengland, das das Rückgrat der konservativen Partei bildet. Sie wirkt viel aufrichtiger und herzlicher als ihr Amtsvorgänger und ehemaliger Vorgesetzter David Cameron – ein Mann, dessen leichtsinniges Süßholzraspeln niemanden überzeugte. Er war eigentlich eine Person, die einen Autor suchte: Ein Mann ohne Eigenschaften, ohne innere Überzeugungen – immer bereit, sich für jedwedes Anliegen einzusetzen, das seinem leeren Leben einen Sinn versprach. So war es auch, als er die Kampagne für den Verbleib Großbritanniens in der EU startete. Frau May verkörpert das Gegenteil dieses leeren Dezisionismus. Im 18. Jahrhundert sprach man in Bezug auf die anglikanische Kirche von «Frömmigkeit ohne Enthusiasmus» – das traf zunächst auch auf die pro-europäischen Überzeugungen zu, die die heutige Premierministerin in ihrem vorherigen Amt als Innenministerin hatte. Eine scharfe Feder in der Daily Mail beschrieb sie als Hilfslehrerin, die zur Schuldirektorin ernannt wurde. Das ist aber nur insofern richtig, als dass «Mutter Theresa», auf eigentlich sympathische Weise, die Leute eher anlockt als zurückstößt – mit genau jenem pragmatischen Understatement, der so typisch englisch ist. Hat Brüssel die Briten schon im Schwitzkasten? EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker mit Theresa May. Foto: picture alliance / Photoshot Mit einem politischen Blitzkrieg hätte May ihre Feinde zerstreuen können. 29

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