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COMPACT-Magazin 12-2016

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COMPACT Leben Witzfigur Hauptdarsteller Heiner Lauterbach sagte in einem Interview zum Film Willkommen bei den Hartmanns, einen Flüchtling würde er nicht bei sich aufnehmen, er sei ja zu selten zu Hause. «Und die Frau mit den Kindern allein würde das auch nicht wollen.» Aber anderen Familien das zumuten, was man selber nicht will, das geht natürlich… Der Filmfonds Bayern unterstützte die Produktion mit 900.000 Euro. Foto: Warner Bros. Ent. Schöne neue Multikultiwelt. Foto: Warner Bros. Ent., Jürgen Olczyk manns wird als lustiges Kennenlernen mit zahlreichen Fettnäpfchen dargestellt, was für zahlreiche Schmunzler sorgt: So wird ihm etwa erklärt, dass man in Deutschland auch schwul sein könne – was er aber wegen mangelnder Sprachkenntnisse nicht versteht… Probleme bekommt der schnuckelige Fremde schließlich nur wegen seiner bescheuerten Gastgeber. So wird von Angelika Hartmanns Alt- 68er Freundin Heike Broscher (Ulrike Kriener) eine wilde Willkommensfeier veranstaltet, welche wegen Drogenkonsums aufgelöst wird. Und als er Philipps Sohn Basti (Marinus Hohmann) beim Dreh eines Rap-Videos mit fünf Nutten assistiert, kommt abermals die Polizei – sein Asylverfahren wird daraufhin abgelehnt. Merke: Dealen und Prostitution ist ein Problem der Inländer, nicht der Ausländer… Jede Minute des Films trieft vor Hass auf die eigene Kultur, die Gegenüberstellung von edlen Fremden und abstoßenden Deutschen ist penetrant. Eine Schlüsselfigur der Komödie ist Dr. Tarek Berger (gespielt vom Fack-ju-Göhte-Star Elyas M’Barek), der nicht nur bei seiner Ausbildung zum Facharzt mit Papa Hartmann im Dauerclinch liegt, sondern sich auch in Sofie verliebt. Er spielt die Rolle des assimilierten Ausländers. Vor der obligatorischen romantischen Kussszene stellt er fest, dass die Deutschen, welche so verkrampft mit ihrer Identität umgehen, sich doch nur auf ihre weltoffene und tolerante Haltung besinnen müssten. Und jetzt kommt der unvermeidliche Propagandasatz: All jenen, egal ob Rechte oder Islamisten, welche diese Gesellschaft bedrohen, müsse man natürlich entschlossen entgegentreten. Antifa und Grüne werden so dargestellt, als würden sie es einfach nur zu gut meinen. Auch die Dschihad-Gefahr kommt vor, aber nur als Witz: Die Verfassungsschützer werden als Haufen liebenswerter Trottel dargestellt, die den salafistischen Aufrührer im Asylantenheim nicht bemerken. Stattdessen observieren sie Diallo wegen seiner sprengstoffverdächtigen Düngersäcke, die er aber nur für den Garten der Hartmanns braucht… Happy End for Refugees Basti hält ein Referat über Boko Haram, in dem Diallo seine Geschichte erzählt und für Tränen der Rührung sorgt. Der Nigerianer ist nicht, wie die Masse der Asylbewerber 2015, ein Wirtschaftsmigrant, sondern ein wirklich Verfolgter. Warum er dann nicht in einem sicheren Drittstaat, sondern am anderen Ende der Welt Zuflucht sucht, wird ausgeblendet. Im Finale kommt es schließlich zu einem letzten Showdown zwischen Flüchtlingsschmusern und Dunkeldeutschen: Der verschmähte Jürgen organisiert eine Demo, die in einer gewalttätigen Belagerung der hartmannschen Villa endet. Doch dann kommt das Happy-End: Als Sofies Vater eine Herzattacke erleidet, rettet ihm Tarek das Leben. Der Zugriff durch das SEK wird abgebrochen, als sich herausstellt, dass Diallo keine Geiselnahme plante. Alle versöhnen sich, der brave Flüchtling erhält Asyl. Und wenn sie nicht gestorben sind… Dealen und Prostitution sind angeblich Probleme der Inländer und nicht der Ausländer. 50 Denkt man an die wahren Ausmaße der Flüchtlingskrise des Jahres 2015, die Attentate, die Vergewaltigungen, dann bleibt einem bei dieser weichgespülten Darstellung das Lachen im Hals stecken. Willkommen bei den Hartmanns will eine Komödie sein und zugleich moralischer Wegweiser. Doch Regisseur Simon Verhoeven scheitert an beidem und der Streifen bleibt ein Stück plumper Multikulti-Propaganda, dessen Absichten jeder mündige Mensch leicht durchschaut. Es bleibt nur zu hoffen, dass dieses Machwerk künftigen Generationen als Beispiel für die Verzweiflung des kulturellen Establishments am Ende des Merkel-Regimes erhalten bleiben wird.

Wenn der Krampus an die Türe klopft _ von Klaus Faißner Österreich, ein Weihnachtsmärchen: Wer in der Adventszeit und an den Feiertagen noch richtig deutsche Bräuche erleben will, hat es in unserem Nachbarland leichter als bei uns. In allen ländlichen Regionen, vor allem in den Alpentälern Salzburgs, der Steiermark, Kärntens und Tirols wird die christliche Tradition bis heute gelebt – zur Freude von Jung und Alt. Der Schnee knirscht unter den Schuhen. Es ist Heiligabend, mondhell und bitterkalt. Die Menschen strömen fröhlich zur Christmette um Mitternacht… Sind dies Erzählungen des Waldbauernbubs Peter Rosegger aus dem 19. Jahrhundert? Ja, auch. Aber auch heute noch sind diese Weihnachtsmessen in Österreich beliebt, zumindest auf dem Land. Und wer auf den Spuren des Arztes und großen Heimatdichters wandeln will, der kann in der Steiermark an der Christmettenwanderung zu seiner Ehr’ teilnehmen: Zuerst geht es zu seinem Geburtshaus am Alpl, dann mit Laternen, Fackeln und Stirnlampen acht Kilometer über Wiesen und Wälder zu Roseggers Lieblingskirche in St. Kathrein am Hauenstein. Was auch heute zur Einstimmung auf Weihnachten in keinem Haushalt fehlen darf, ist der Adventskranz. Kinder lieben es, am Abend mit ihren Eltern gemeinsam am Tisch zu sitzen und die Lichter anzuzünden. Traditionell hat der Kranz drei violette und – für den dritten Advent – eine rosarote Kerze. Dies ist der Freudensonntag («Gaudete»), an dem der Pfarrer auch ein rosa Messgewand tragen darf. Was heute angesichts der Massen an Weihnachtsbäckereien kaum jemand für möglich hält: Der Advent ist kirchlich gesehen die zweite Fastenzeit im Jahr. Kekse wurden zwar immer ausgestochen und Lebkuchen geformt, aber zu essen bekam die Familie die süßen Köstlichkeiten erst nach der Bescherung, im großen Stil erst ab dem 25. Dezember. War der Advent früher die stillste Zeit im Jahr – ohne Tanz und Musik –, so ist dies heute nirgends mehr der Fall. Der Weihnachtstrubel hat das kleinste Dorf erfasst. Aber es gibt sie nach wie vor, die Adventandachten, an denen sich Menschen in der Kirche auf das Kommen des Herrn und Erlösers vorbereiten. Großen Zuspruch erhält vielerorts das Adventsingen. Die bekannteste derartige Veranstaltung findet im Salzburger Festspielhaus statt. Wer die Weihnachtsgeschichte gesanglich im kleineren Rahmen erleben will, kann in ganz Österreich fündig wer- Die aus US-Filmen bekannten Weihnachtsmänner sind immer noch bei vielen verpönt. Bild oben: Der Krampus treibt vor allem im Alpenraum, in Tschechien, der Slowakei und Kroatien sein Unwesen. In Norddeutschland ist er hingegen weitgehend unbekannt. Foto: picture alliance / dpa 51

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