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COMPACT-Magazin 12-2016

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COMPACT Leben Der deutsche Wald Der Tannenbaum darf bei uns zu Weihnacht nicht fehlen. Vielleicht deswegen: «In keinem modernen Land der Welt ist das Waldgefühl so lebendig geblieben wie in Deutschland. Das Rigide und Parallele der aufrecht stehenden Bäume, ihre Dichte und ihre Zahl erfüllt das Herz des Deutschen mit tiefer und geheimnisvoller Freude. Er sucht den Wald, in dem seine Vorfahren gelebt haben, noch heute gern auf und fühlt sich eins mit Bäumen.» (Elias Canetti, Masse und Macht, 1960) Traum von der weißen Weihnacht… Foto: standret, istock _ Die Kunsthistorikerin Pia Lobmeyer schreibt regelmäßig in der COMPACT-Serie «Unsere Helden». Wahrsagen in den Rauhnächten, russische Illustration, 1885. Foto: Public domain, Wikimedia Commons mergrünen Zweigen von Tannen oder Misteln zu dekorieren. Der Baumschmuck wandelte sich im Laufe der Zeit: früher war er vor allem mit Essbarem wie Oblaten, Datteln, Nüssen und anderen Süßigkeiten behangen, was ihm auch den Namen «Zuckerbaum» eintrug und bei Kindern besonders beliebt machte. Später kam Kunsthandwerk hinzu, zum Beispiel Glaskugeln aus dem thüringischen Lauscha oder Schnitzereien aus dem Erzgebirge. In vielen Famielien ist es seit jeher üblich, den Weihnachtsbaumschmuck selbst zu basteln, beispielsweise Holz- oder Strohsterne. Den Weihnachtsbaum gibt es erst seit 600 Jahren. In vielen Liedern wird die Geburt des Christkindes im Heiligen Land besungen, aber eines der beliebtesten Lieder – «O Tannenbaum» – kommt ganz ohne Bezüge zur Bibel aus: Es lobpreist die «treuen Blätter» des Nadelbaumes und verkündet die Lehre, dass «Hoffnung und Beständigkeit (…) Trost und Kraft zu jeder Zeit» spenden. Jacob Grimm vermutete, dass sich die Baumsymbolik aus der Weltenesche Yggdrasil entwickelt hat und auf urgermanische Vorstellungen zurückgeht, zumal die Germanen ja ohnehin viel für Bäume übrig hatten. Gerade in der Kriegszeit diente das Weihnachtsfest dazu, den Zusammenhalt im Volk zu beschwören und die Hoffnung auf lichte Zeiten aufrechtzuerhalten. Die Feldpost war anfangs noch sehr gut organisiert, doch als später Päckchen und Grußkarten nur noch mit starker Verspätung ankamen, wuchs bei den Truppen der Unmut. Die angelsächsische Taliban Bei den calvinistischen Puritanern in England und Amerika finden sich mitunter erstaunliche Parallelen zu den Taliban und den Kommunisten. Ihr ideologischer Fanatismus richtete sich vor allem gegen die Volkskultur: Als sie 1647 in England die Herrschaft übernahmen, wurde das Weihnachtsfest tatsächlich verboten! Es erschien ihnen zu heidnisch, und sowieso stand davon nichts in der Bibel. Jede Sinnenfreude, die das Leben lebenswert macht – traditionelle Feste, Musik, Tanz, Theater, Kunst, Dichtung – betrachteten sie mit großer Skepsis. Das Volk war über diese neue Regelung nicht gerade begeistert, es kam sogar zu Schlägereien auf den Straßen. Trotzdem wurde es zunächst durchgesetzt – bis es 1660 mit der Restauration der Monarchie wieder aufgehoben wurde. Den Weihnachtsbaum bescherte den Engländern erst ein deutscher Prinz, der sich als tatsächlicher «Kulturbereicherer» erwies: Nach seiner Vermählung mit der englischen Königin Victoria führte Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha den Baum in England ein, der sich dort bis heute großer Beliebtheit erfreut. Keiner fasste seinen Zauber besser zusammen als der große Goethe: Bäume leuchtend, Bäume blendend / Überall das Süße spendend / In dem Glanze sich bewegend / Alt und junges Herz erregend / Solch ein Fest ist uns bescheret / Mancher Gaben Schmuck verehret / Staunend schaun wir auf und nieder / Hin und her und immer wieder. Das Räuchermännchen entstand vor 1830 im Erzgebirge. Foto: Isaji, istock 56

Roosevelt wusste Bescheid _ von Jan von Flocken Die Schlachtschiffe West Virginia, Tennessee und Arizona nach dem Angriff. Foto: U.S. National Archives 75 Jahre Geschichtslügen: Der Überfall der Japaner auf die US-Basis in Pearl Harbor lieferte dem US-Präsidenten den Vorwand, sein wichtigstes Wahlkampfversprechen zu brechen und sein Land in den Zweiten Weltkrieg hineinzuziehen. Dewey J. Short, Kongressabgeordneter des US- Bundestaates Missouri, sprach am 28. November 1944 fordernde Worte: «Das amerikanische Volk kennt die Wahrheit über Pearl Harbor nicht. Es will sie wissen. Im Namen der Lebenden und der Toten hat es einen Anspruch darauf. Dieser Tag wird kommen.» Doch seit 75 Jahren hält sich hartnäckig die Legende, die USA-Regierung sei vom «Überfall» der Japaner auf Pearl Harbor völlig überrascht worden. Warum diese Geschichtslüge? Im Herbst 1941 entbrannte zwischen den USA und Deutschland ein unerklärter Krieg. Amerikanische Streitkräfte hatten durch die Besetzung von Island im Juli 1941 erstmals aktiv in den bis dato europäischen Konflikt eingegriffen. US-Präsident Franklin D. Roosevelt tat bereits seit 1939 alles nur Mögliche, um Deutschlands Widersacher Großbritannien wirtschaftlich und politisch zu unterstützen. Nach seiner Wiederwahl 1940, die er mit dem Versprechen erschwindelte, Amerika aus dem Krieg herauszuhalten, griff er verfassungswidrig auch zu militärischen Maßnahmen gegen das Deutsche Reich. Bereits seit August 1941 schützten US-Kriegsschiffe viele britische Geleitzüge über den Nordatlantik, den Roosevelt zum «amerikanischen Interessensgebiet» deklarierte. Dabei kam es zwangsläufig immer wieder zu Konfrontationen. Vorbereitung der Mausefalle Obwohl bereits ein de-facto-Krieg tobte, erreichten Roosevelt und sein keinem Parlament verantwortlicher Beraterstab («braintrust») ihr Ziel nicht. Weder ließ sich die deutsche Führung zu einer Kriegserklärung provozieren, noch waren die US- Bürger konfliktbereit. Repräsentative Umfragen ergaben, dass fast 85 Prozent der Amerikaner einen Kriegseintritt ihres Landes strikt ablehnten. Nun spielte Roosevelt die japanische Karte. Er verhängte gegen den Inselstaat mehrere Wirtschaftsembargos, vor allem Erdöl stand auf dieser Liste. Mit wachsender Besorgnis musste die Führung in Tokio feststellen, dass ihre Kriegsmarine spätestens nach zwei Jahren kein Benzin mehr besitzen Die Mitsubishi A6M ist das bekannteste japanische Flugzeug des Zweiten Weltkrieges. Foto: Japanese military personnel, Public domain, Wikimedia Commons 85 Prozent der Amerikaner lehnten einen Kriegseintritt ab. 57

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