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COMPACT SPEZIAL 10 "Islam"

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COMPACT Spezial _ Islam und Dschihad Hadith Über Mohammed gibt es viele zum Teil heroisierende Erzählungen, Hadithe genannt. Diese Berichte über seine angeblichen Worte, Taten und Unterlassungen haben im Lauf der Zeit stark zugenommen. Orientalische Erzählkunst sowie politische und theologische Erfordernisse haben offensichtlich eine Flut von Geschichten und Legenden hervorgebracht. Die mündlichen Überlieferungen über Mohammed sind schließlich von einigen Muslimen gesammelt und einer kritischen Prüfung unterzogen worden. Die Hadith-Sammler haben, um die Spreu vom Weizen zu trennen, bei jeder dieser «Geschichten» vermerkt, wer sie erlebt beziehungsweise berichtet und wer sie überliefert hat. (nach Udo Hildenbrand u.a., Freiheit und Islam Gerhard-Hess-Verlag, 2016) Fatwa Mit Fatwa wird ein Rechtsgutachten einer islamischen Autorität bezeichnet. Eine Fatwa ergeht gewöhnlich auf eine Anfrage zu einem religiösen, gesellschaftlichen oder staatlichen Problem. Fatwas spiegeln gleichsam die Situation von Muslimen in der jeweiligen Zeit wider. Eine Fatwa kann man befolgen, ist dazu rechtlich aber nicht verpflichtet. Die Bedeutung einer Fatwa ergibt sich daraus, welchen Rang der Verfasser beziehungsweise das Verfasser-Gremium in einer islamischen Gesellschaft hat. Der Mordaufruf gegen den Autor Salman Rushdie war besonders gefährlich, weil er in Form einer Fatwa des höchsten iranischen Geistlichen, des Ajatollah Chomeini, ergangen war. Sexualität als Waffe Ein häufig übersehener Aspekt des islamischen Rechts liegt in den Regeln darüber, wer wen heiraten darf: Frauen dürfen nämlich unter keinen Umständen «Ungläubige» heiraten, während Männer das durchaus dürfen. Zumindest, soweit die «Ungläubigen» zu den «Schriftbesitzern» gehören, also Christinnen oder Jüdinnen sind. Damit unterscheidet sich das islamische Recht grundlegend von den entsprechenden halachischen Bestimmungen, die für (orthodoxe) Juden gelten: Bei den Juden ist es Männern und Frauen gleichermaßen verboten, Nichtjuden zu ehelichen. Damit soll der Bestand und der innere Zusammenhalt des jüdischen Volkes gewährleistet und sein Aufgehen in anderen Völkern verhindert werden. Ein Muslim darf sich außerehelich vergnügen, nur eben nicht mit einer Muslima. Eine Gemeinschaft wie die islamische aber, die dieses Exogamieverbot für Männer aufhebt, für Frauen aber nicht, betreibt nicht Konsolidierung, sondern demographische Expansion, sofern sie es mit Gruppen zu tun hat, die selber die Exogamie zumindest dulden, wie es Christen normalerweise tun und auch zur Zeit des Propheten schon taten: Wer die eigenen Mädchen nur innerhalb der eigenen Gemeinschaft verheiratet, die der anderen Gruppen aber wegheiratet und dafür sorgt, dass deren Kinder die Religion des Vaters annehmen (was mit einer gewissen Selbstverständlichkeit unterstellt wird), sorgt dafür, dass die anderen Gruppen durch Osmose langsam, aber sicher verschwinden. Diese Regel ist der Grund dafür, dass bei gemischtreligiösen Paaren im Westen der muslimische Partner in der Regel der Mann ist. Gerade weil sie so unspektakulär und scheinbar nebensächlich sind, fallen solche Regeln überhaupt nur dem auf, der den Islam nicht unter dem Gesichtspunkt seiner theologischen Begründung, sondern unter dem seiner sozialen Wirkungen, also nicht theologisch, sondern soziologisch analysiert. Zuletzt weise ich auf die psychologische Wirkung hin, die es haben muss, wenn solche Regeln fast anderthalb Jahrtausende lang angewandt werden: Indem der Prophet sich neben seinen Ehefrauen auch noch eine Reihe von – nichtmuslimischen – Konkubinen gönnte, während er gleichzeitig alle außerehelichen Beziehungen von muslimischen Frauen im Koran verurteilte, definierte er zugleich, was im Islam zulässig ist und was nicht: Ein muslimisches Mädchen hat weder vor noch außerhalb der Ehe irgendwelche sexuellen Beziehungen (und die Ehe selbst darf sie nur mit einem Muslim schließen). Ein muslimischer Mann dagegen darf sich auch außerehelich vergnügen, nur eben nicht mit Glaubensgenossinnen. Da er normalerweise nur bei «ungläubigen» Frauen das findet, was er bei anständigen muslimischen Mädchen gar nicht erst suchen darf (und besser auch gar nicht erst suchen sollte, sofern die Mädchen Väter und Brüder haben und ihm selbst sein Leben lieb ist), kann er gar nicht anders, als in «ungläubigen» Frauen, und nur in diesen, potenzielle Konkubinen und damit sittlich minderwertige Wesen zu sehen. Der Ausdruck «deutsche Schlampen», der unter jungen Muslimen in Deutschland durchaus gängig ist, bringt genau diese Art von Verachtung zum Ausdruck. Nicht mal die Augen sind zu erkennen: Burkaträgerinnen in einem Wahllokal in Indisch-Kaschmir. Foto: picture-alliance/ dpa 20 _ Manfred Kleine-Hartlage ist Publizist und Buchautor. Der Text ist ein bearbeiteter Auszug aus seinem Standardwerk «Das Dschihadsystem. Wie der Islam funktioniert» (Resch-Verlag, 292 Seiten, 19,90 Euro, ISBN 978-3- 935197-96-0). In der Monatsausgabe von COMPACT-Magazin veröffentlicht er regelmäßig in der Rubrik «BRD-Sprech».

Ein Gott, Ein Reich, Ein Führer _ von Peter Boehringer Die vorherrschende Islamlehre ist die orthodox-sunnitische. Sie ist mit Demokratie und Menschenrechten unvereinbar. Moderate Muslime können ihre Kritik daran oft nur unter Lebensgefahr vorbringen und verlieren zunehmend an Einfluss. Sowohl historisch als auch inhaltlich wird der Charakter der grundlegenden islamischen Schriften bei der Lektüre schnell klar. Die frühen Suren des Koran aus den Jahren zwischen 610 und 622, in denen Mohammed noch ein kaum beachteter Prediger in Mekka war, haben noch weitgehend klassisch-religiösen, spirituellen, prophetischen, «sozialistisch»-egalitären und ethischen Charakter. Dagegen sind sowohl die maßgeblichen Suren aus seiner Zeit in Medina (ab 622) mit Mohammed als weltlichem Führer und Kriegsherrn als auch die biographischen Schriften Mohammeds (Sira, Hadithen beziehungsweise Sunna) durch und durch weltlich, kriegerisch, verfolgend, missionierend, strafend und ausgrenzend. Praktisch alle Versuche sogenannter islamischer Reformtheologen, die relativ unproblematischen mekkanischen Suren für entscheidend («normativ») zu erklären, scheitern seit vielen Jahrhunderten immer wieder am geistlich-orthodoxen Establishment. Dieses wird heute in der islamischen Welt weitgehend durch sunnitische und wahhabitische Imame repräsentiert, die sich bei ihrer strengen, wörtlichen Auslegung der Schriften leider zu Recht auf den Koran selbst stützen können: Das Heilige Buch der Mohammedaner verlangt die drakonische Bestrafung all jener Menschen, die den Koran nicht wortlautgetreu (!) leben – also täglich, ständig, ohne Einschränkungen, ohne Möglichkeit der Relativierung, ohne individuellen Auslegungsspielraum! Zurück zu Mohammed! Dieser Absolutheitscharakter der islamischen Schriften ist bei muslimischen Gelehrten somit überwältigend mehrheitsfähig. Es gibt aber etliche westliche Islamforscher, die eine absurde Weichspülung des Koran vornehmen, indem sie die grausamen Verfolgungs-Suren ausfiltern oder erklären, diese seien durch andere überholt. Die von der riesigen Mehrheit der islamischen Geistlichen in aller Welt vertretene Islamauslegung lässt diese Relativierungen aber nicht zu. Eine Reformation des Islams im Sinne einer Abschwächung dieses Absolutheitsanspruches ist nirgendwo auf der Welt in Sicht. Ganz im Gegenteil: Was sich derzeit überall als Reformbewegung regt, ist die Rückbesinnung auf die Ursprünge des Koran – oder noch schlimmer auf das für alle Gläu- Außerhalb der Hotelinseln hat sich das Urlaubsland Malediven in eine islamistische Despotie verwandelt. Diese Demonstranten gingen im Jahre 2014 für die Scharia auf die Straße. Foto: Dying Regime from Maldives (Protest calling for Sharia in Maldives), CC BY 2.0, Wikimedia Commons «Es ist verboten, einem anderen das Leben zu nehmen, außer wenn die Scharia es verlangt.» Kairoer Erklärung der Menschenrechte 21

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