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COMPACT SPEZIAL 10 "Islam"

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COMPACT Spezial _ Die islamische Expansion Christen unter Assad Bischof Armash Nalbandian, Oberhaupt der armenischen Christen in Damaskus, in COM- PACT 8/2013: «Die Stabilität der Regierung [von Assad] garantiert Sicherheit für unsere Kirche, für uns Christen und für alle Menschen in Syrien. Ich sehe Fehler und Versagen auf Seiten der Regierung, aber das heißt nicht, dass ich gegen die Regierung bin. Ich bin für Reformen, aber das heißt nicht, dass ich für die Opposition bin. (…) Wir Christen haben Angst, dass wir zwischen den beiden Seiten zertreten werden. Da wir uns selbst nicht schützen können, brauchen wir Hilfe. Die Regierung kann uns schützen – die Opposition nicht. (…) Die Christen sind eine geschützte Minderheit, das heißt wir dürfen unseren Glauben frei ausüben, die armenische Sprache sprechen, wir haben eigene Krankenhäuser und karitative Dienste. (…) Die Regierung mischt sich nicht in unsere Angelegenheiten ein. Etwa auch, was den Religionsunterricht angeht: In jeder Schule, wo es christliche Schüler gibt, gibt es christlichen Religionsunterricht. Unsere Pfarrer erarbeiten die Lehrbücher, die Regierung gibt sie frei.» Bischof Armash Nalbandian. Foto: picture alliance / AP Photo Brandschatzung einer Kirche in Lahore/Pakistan, März 2013. Als Vorwand nahm der Mob, dass sich ein Christ blasphemisch über Mohammed geäußert habe. Foto: AFP/Getty Images insel (AQAP) die ohnehin nahezu versteckt lebende christliche Minderheit. Am ungeniertesten operieren die Dschihadisten dabei in Gegenden, die von saudi-arabischen Truppen oder deren Verbündeten beherrscht werden. Lediglich in Ägypten können Christen – rund zehn Prozent der 82 Millionen Einwohner gehören der koptischen Kirche an – zumindest auf relativen Schutz durch die Behörden hoffen. Der Grund ist jedoch keine irgendwie geartete Christenfreundlichkeit des Staates. Die faktische Militärregierung von Präsident Abdel as-Sisi fürchtet die Islamisten schlicht als Bedrohung ihrer Macht und geht daher rigoros vor allem gegen die 2013 durch einen Putsch gestürzten Moslembrüder vor. Sehr zum Unwillen der USA, die anscheinend auf ein Bündnis mit den weiterhin einflussreichen Islamisten setzen. Anfang 2015 wurden Vertreter der Fanatiker im dortigen Außenministerium empfangen. Als Willkommensgeschenk veröffentlichte die Administration von Präsident Barack Obama sogar eine Erklärung, wonach die Bruderschaft «weder eine Terrororganisation ist noch als gewalttätige Gruppe betrachtet» werden könne. Anscheinend sollen die Moslembrüder gegen den Islamischen Staat gestärkt werden. Beginnt nun «ein weiteres «typisches» Kapitel der US-Außenpolitik, wo B aufgerüstet wird, um für die USA gegen Feind A zu kämpfen, morgen dann der aufgerüstete B zum Feind erklärt wird, und C aufgerüstet wird, um für die USA B zu bekämpfen?», fragte die Nachrichtenseite katholisches.info. Weltweite Koordination Nicht nur im Orient sind unsere Glaubensbrüder ihres Lebens nicht mehr sicher. Ebenfalls eine Todeszone für Christen sind unter anderem die nördlichen Bundesstaaten Nigerias, in denen längst die Scharia als geltendes Recht den Ton angibt. 2014 griff die dortige Terrormiliz Boko Haram 700 Studenten an und sonderte 148 Christen aus, um diese anschließend zu ermorden. Im pakistanischen Lahore zündete die den Taliban nahestehende Gruppe Jamaat-ul-Ahrar zu Ostern 2016 eine Bombe in einem von Christen besuchten Vergnügungspark. Mehr als 70 Menschen starben, rund 340 weitere wurden verletzt. Jamaat-ul-Ahrar erklärte, sie habe «das Attentat von Lahore begangen, weil Christen unser Ziel sind». «Wir haben das Attentat begangen, weil Christen unser Ziel sind.» Jamaat ul-Ahrar Mittlerweile koordinieren islamische Kopf-ab- Truppen ihre Attacken sogar weltweit. Im März 2016 kam es fast zeitgleich zu einer Serie von Anschlägen auf westliche Hotels in moslemischen Staaten von Indonesien bis nach Westafrika. Obgleich dabei auch die Leiterin des Goethe-Instituts in der Elfenbeinküste, Henrike Grohs, erschossen wurde, fand die Terrorserie in Deutschland kaum Beachtung. Dass den Islamisten nahestehende Nachrichtenportal al-Akhbar rühmte die Tat mit den Worten: «Dank Allah, dem Allmächtigen, konnten Ritter der al-Qaida im islamischen Maghreb in den Urlaubsort einbrechen». Im Zuge der Migrationsflut kamen auch Zigtausende Dschihadisten, die bei uns ihren Arabischen Frühling fortsetzen wollen – nachdem ihnen die russische und syrische Armee in der Levante zunehmend ihr blutiges Handwerk legen. Bereits bei den Anschlägen in Paris sowie in Brüssel im November 2015 und März 2016 waren Täter als sogenannte Flüchtlinge nach Europa eingereist. Doch derartige Taten dürften nur den Auftakt darstellen: «Unser heutiges Leiden ist ein Vorgeschmack darauf, was Ihr Europäer und Christen in naher Zukunft erleiden werdet», prophezeite der damalige chaldäische Erzbischof von Mossul Emil Shimoun Nona 2015 in einem Interview. 42 _ Martin Müller-Mertens ist Chef vom Dienst bei COMPACT-Magazin. Federico Bischoff ist Katholik und lebt im Tessin.

Die islamische Karte _ von Marc Dassen Mudschaheddin am Hindukusch. Foto: picture alliance / AP Images Der Islamismus ist das Ass im Ärmel westlicher Geostrategen. Sie züchten ihn seit Jahrzehnten, mal offen, mal verdeckt, um ihn als Instrument der eigenen Weltherrschaftspläne einzusetzen. Arabische Staaten sollen destabilisiert, säkulare Kräfte geschwächt, Ressourcenkriege und Totalüberwachung legitimiert werden. Als US-Präsident George W. Bush neun Tage nach dem 11. September 2001 ans Mikrofon tritt, um den globalen «Krieg gegen den Terror» auszurufen, ahnt die Menschheit noch nicht, welch grausame Konsequenzen seine Worte für die Zukunft haben würden. Heute, 15 Jahre später, liegen die Dinge anders: 9/11 – das «neue Pearl Harbor» (Bush) – schlug im ewigen Teile- und Herrsche-Spiel des angloamerikanischen Imperiums ein neues blutiges Kapitel auf. Nachdem der Erzrivale im Osten mit dem Ende des Kalten Krieges 1990 zusammengebrochen war, galt ab sofort der politische Islam als neue Bedrohung. Der erklärte Krieg gegen die sogenannte «Achse des Bösen» brachte seither unendliches Leid, Millionen Tote, unvorstellbares Chaos und ebenso unvorstellbaren Profit – sicherer oder gar friedlicher ist die Welt nicht geworden, ganz im Gegenteil. Bush Junior versprach damals jedoch nicht nur Krieg bis zum Sieg, er nutzte den Moment auch, um erneut zu verschleiern, dass allein die unheilige Allianz des Westens mit den finstersten Ausgeburten des Islamismus dem nun beginnenden Konflikt den Boden bereitet hatte. Die Muslimbruderschaft, Khomeinis Ajatollah-Regime, Saudia-Arabiens orthodoxe Wahhabiten, Afghanistans Mudschaheddin, Osama bin Ladens al-Qaida, al-Baghdadis Islamischer Staat – sie alle wurden aus strategischen Gründen umarmt und gefördert, um sie entweder als Verbündete im Kampf gegen die Sowjetunion oder gegen jene säkularen Kräfte des Orients einzusetzen, die dem Einfluss und den kommerziellen Interessen des Westens gefährlich werden konnten – etwa Gamal Abdel Nasser in Ägypten, Mohammed Mossadegh im Iran und Baschar al-Assad in Syrien. Daraus folgte immer wieder das Déjà-vue der US-Außenpolitik: Die Feinde von heute sind die Freunde von gestern. Die Feinde der Freiheit Nach den Anschlägen von 2001 rief die neokonservative Bush-Administration den globalen Krieg gegen die «ansteckendste Sorte eines Virus» aus, «zu dessen Erschaffung die Vereinigten Staaten selbst beigetragen hatten», wie Robert Dreyfuss in seinem 2006 erstveröffentlichten Buch Devils Game treffend formuliert. Gemeint war al-Qaida, ein Produkt der US-Geheimdienste. Selbst die Isra- Das ewige Déjàvue der US-Außenpolitik: Die Feinde von heute sind die Freunde von gestern. 43

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