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COMPACT-Spezial 11

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COMPACT Spezial _ Die Schattenregierung Act freigegeben wurden. In den Northwoods-Planungen wurde angeregt, dass man «ein paar Plastikbomben in sorgfältig ausgewählten Orten explodieren lassen könnte», daraufhin solle «die Verhaftung kubanischer Agenten» erfolgen und «vorbereitete Dokumente freigegeben werden, die die kubanische Urheberschaft untermauern». Begleitend könnte man «versuchte Entführungen von zivilen Luftverkehrsmaschinen (…) als Nadelstiche der kubanischen Regierung erscheinen lassen». 42 Nach der Ermordung JFK‘s 1963 wurde auch sein Bruder Robert Kennedy am 5. Juni 1968 bei einem Attentat getötet. Den Palästinenser Sirhan Bishara Sirhan (weißes Hemd) führte man als Täter vor. Vor Gericht behauptete er, unter Hypnose gestanden zu haben. Sirhan entging der Todesstrafe nur knapp. Foto: picture-alliance / dpa Der Northwoods- Plot liest sich wie eine Blaupause von 9/11. Operation Northwoods war auf Anforderung von General Edward Lansdale entworfen worden, dem Gründer der US Special Warfare School in Fort Bragg und Strategen des Eingreifens gegen Kuba und Vietnam. Der Plan wurde vom gesamten Oberkommando der Streitkräfte einschließlich dessen Vorsitzenden, General Lyman Lemnitzer, unterstützt und Verteidigungsminister Robert McNamara mit Datum vom 13. März 1962 zugestellt. Lemnitzer war im Zweiten Weltkrieg Mitarbeiter von Allen Dulles gewesen. Damit saßen mit ihm und Lansdale zwei Dulles-Zöglinge an den Schalthebeln der Umsetzung von Operation Northwoods. Im Northwoods-Handbuch wurden Terroraktivitäten vorgeschlagen, die von US-Agenten ausgeführt, aber den Kubanern in die Schuhe geschoben werden sollten, um einen Kriegsvorwand zu schaffen. «Geheimen und lange unter Verschluss gehaltenen Dokumenten zufolge (…) machte und verabschiedete der Vereinigte Generalstab Pläne, die vielleicht die schlimmsten waren, die je von einer US-amerikanischen Regierungsinstanz produziert worden sind. Im Namen des Antikommunismus schlugen die Militärs einen geheimen und blutigen Terrorkrieg gegen ihr eigenes Land vor, um die amerikanische Öffentlichkeit für den irrwitzigen Krieg zu gewinnen, den sie gegen Kuba führen wollten», resümiert James Bamford in seinem Standardwerk zum US-Überwachungsdienst NSA. Das alles klingt so unglaublich, dass an dieser Stelle darauf verwiesen werden muss, dass alles durch Originaldokumente der US-Armee belegt ist, die 1997/98 im Zuge des Freedom of Information Ein weiterer Northwoods-Plot liest sich wie eine Blaupause dessen, was am 11. September 2001 passiert sein könnte. Er sieht den heimlichen Austausch einer zivilen Passagiermaschine durch eine optisch zum Verwechseln ähnliche Drohne vor, deren Abschuss über Kuba dann simuliert wird. Wörtlich heißt es: «Die Startzeiten des Drohnen- Flugzeuges und des echten Flugzeuges würden so bestimmt, dass ein Luft-Rendezvous südlich von Florida möglich ist. Wenn sich die Flugbahnen kreuzen, wird das Passagierflugzeug seine Flughöhe auf Mindesthöhe absenken und direkt auf einem Hilfsflugfeld der Luftwaffenbasis Eglin landen, wo Vorkehrungen getroffen wurden, um die Passagiere zu evakuieren und das Flugzeug in seinen ursprünglichen Zustand zu versetzen. Währenddessen wird das Drohnen-Flugzeug der vorgesehenen Flugroute folgen. Sobald sich die Drohne über Kuba befindet, wird sie auf den internationalen Notfallfrequenzen einen ”Mayday”-Hilferuf absetzen und darüber informieren, dass sie von einem kubanischen MiG- Flugzeug angegriffen wird. Die Übertragung bricht bei der Sprengung des Flugzeuges ab, die durch ein Funksignal ausgelöst wird.» Operation Northwoods wurde allerdings, im Unterschied zu den Attentatsplänen gegen Fidel Castro unter dem Codenamen Operation Mongoose, von Kennedy nicht genehmigt. Das war der erste wichtige Punkt, an dem sich JFK bei den Dulles-Seilschaften in Militär- und Geheimdienst unbeliebt machte. Der Mord von Dallas Der zweite Großkonflikt folgte ein Jahr später, 1962. Nachdem sowjetische Mittelstreckenraketen auf Kuba entdeckt worden waren, verhängten die USA eine Seeblockade. Im geheimen Krisenstab trommelte das Oberkommando der Streitkräfte unter Lemnitzer zum Angriff auf die Castro-Republik. 13 Tage lang stand die Welt am atomaren Abgrund. Doch Kennedy überging den Krisenstab und baute eine direkte Kommunikationsverbindung zum sowjetischen Staatschef Nikita Chruschtschow auf. Die beiden fanden einen Kompromiss, der nukleare Schlagabtausch wurde in letzter Sekunde verhindert. Die Militärs grollten.

COMPACT Spezial _ Die Schattenregierung Nach Kennedys Erfolg in der Kubakrise wurde Lemnitzer abgelöst. Der Kalte Krieg hatte seinen Höhepunkt überschritten, als der Präsident auch Ansätze zu einem Disengagement in Vietnam erkennen ließ. Als er im Sommer 1963 gar noch Gesetze vorbereitete, die die Macht der privaten Banken über die Geldpolitik der USA gebrochen hätten, war sein Todesurteil gesprochen. Die Schüsse von Dallas waren der Auftakt zur massiven Ausweitung der US-Militärintervention in Vietnam. Über das Kennedy-Attentat liegt eine Legion von Untersuchungen vor, die an dieser Stelle nicht referiert werden können. Die Hinweise, dass Geheimdienstkreise in die Bluttat verwickelt waren, sind jedenfalls erdrückend. Allen Dulles wurde nach dem Attentat in die staatliche Warren-Kommission berufen, die das Verbrechen aufklären sollte. In dieser Funktion favorisierte er von Anfang an die Alleintäterthese und blockierte jede Ermittlung über einen CIA-Hintergrund des Todesschützen Lee Harvey Oswald und über einen möglichen zweiten Mörder. Der abgelöste General Lemnitzer setzte sich keineswegs zur Ruhe. Er wurde NATO-Oberkommandierender in Europa und traf in Italien auf Dulles‘ alten Kontakt Licio Gelli. Ihr gemeinsames Ziel war die Verhinderung einer Regierungsbeteiligung der immer stärker werdenden Kommunistischen Partei. Gelli war Lemnitzer beim Aufbau der geheimen NATO-Untergrundarmee Gladio behilflich, die in Italien in den folgenden Jahrzehnten in Putschversuche und Terroranschläge verwickelt war. Tricky Dicks Seilschaften Mit der Beseitigung von JFK 1963 ruhten die Hoffnungen der Vietnamkriegs-Gegner auf dessen Bruder Bobby, der 1968 für die Präsidentschaft kandidierte – doch auch er wurde durch ein Attentat ausgeschaltet. Damit war der Weg ins Weiße Haus frei für Richard Nixon, den Kandidaten der Republikaner. Nixon, von Gegnern als «Tricky Dick» geschmäht, kam aus den geheimdienstlichen Schattenstrukturen der fünfziger Jahre. Er wurde 1953 Vizepräsident unter Eisenhower, nachdem er bereits zuvor von Allen Dulles für seinen antikommunistischen Freiheits-Kreuzzug (Crusade for Freedom) rekrutiert worden war, mit dem jener seit 1950 seine weltweiten Geheimdienstoperationen flankierte. Neocons und Zionisten Der jüdische Einfluss bei den Neocons war seit ihren Anfängen Ende der 1960er Jahre nicht zu übersehen. In seinem Buch The Neoconservative Revolution vertritt Murray Friedman die These, der Neokonservatismus sei ein «amerikanisch-jüdischer Konservatismus». Freilich gibt es eine ganze Reihe von Protagonisten der neuen Richtung, die keine Juden sind, etwa die im Artikel erwähnten Cheney und Rumsfeld. Aber von ihnen kam weniger der intellektuelle Input als das politische Know how und die Technik der Macht. Die renommierten Politologen John J. Mearsheimer und Stephen M. Walt bilanzieren: «Obwohl diese Nichtjuden eine wichtige Rolle dabei gespielt haben, die neokonservativen Pläne voranzubringen, bilden Juden trotz allem den Kern der neokonservativen Bewegung. In diesem Sinne ist die neokonservative Bewegung ein Mikrokosmos der größeren proisraelischen Bewegung.» Durch seinen autoritären Politikstil – bekannt wurde vor allem die Watergate Affäre, die Bespitzelung oppositioneller Politiker – gelang es Nixon, eine neue Generation skrupelloser Machtpolitiker anzuziehen, zu formen und in Stellung zu bringen – die Gründerväter der Neokonservativen. Das Buch von Mearsheimer/Walt. Foto: Penguin-Verlag Bild oben: Nach dreißig Jahren kommt der Geheimplan der USA ans Licht: Die Operation Northwoods vom 13. März 1962 sah Anschläge unter falscher Flagge vor, um einen Vorwand zur Invasion Kubas zu schaffen. Der Plan scheiterte am Veto des Präsidenten Kennedy. Foto: Public domain, Wikimedia Commons; Bild: darunter: Noch dem Tod John F. Kennedys wird sein Vize Lyndon B. Johnson noch im Flugzeug als Präsident vereidigt. Foto: Public domain, Wikimedia Commons An erster Stelle wären Dick Cheney und Donald Rumsfeld zu nennen, die später unter George W. Bush das Amt des Vizepräsidenten beziehungsweise Verteidigungsministers bekleiden sollten. Rumsfeld wurde nach dem Wahlsieg Nixons gleich an die Spitze des Office of Economic Opportunity – eine Art Förderprogramm für sozial Schwache – berufen und kam 1971 als Berater ins Weiße Haus. In beiden Positionen zog er Cheney nach. John Dean, ebenfalls damals Berater von Tricky Dick, meinte nach dem 11. September 2001, dass Rumsfeld viel vom «nixonianischen» Denken mitgenommen hatte, insbesondere was dessen Verständnis von einer selbstherrlichen Exekutive anging. Dulles-Vertraute bauten die NATO- Geheimarmee Gladio auf. 43

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