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COMPACT-Spezial 11

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COMPACT Spezial _ Die Kandidatin des Imperiums 62 Flüchtlingschaos 2015. Foto: Screenshot YouTube Diana Johnstone. Foto: privat «Das Ziel der USA ist nicht Islamisierung, sondern Multikulturalismus. Die arbeiten alle zusammen. Die Wall Street braucht den Militärisch-Industriellen Komplex, um sich dicke Regierungsaufträge mit risikolosen Profiten zu sichern. Der Komplex braucht die Saudis, weil diese teure Waffensysteme kaufen. Er braucht außerdem die Israel-Lobby, um ideologische Vorwände zu haben, im Mittleren Osten in den Krieg zu ziehen. Kurz gesagt, sind diese Sponsoren alle durch geteilte Interessen miteinander verbunden. Diene einem, und Du dienst allen. Der Minderheiten-Kult Vordergründig feiert Clinton die Schwulenund Lesbenszene. Gleichzeitig weigert sie sich, die Worte «radikaler Islam» auszusprechen, obwohl die Islamisten Homosexuelle hassen. Das ist eindeutig Teil der US-Vorherrschaftspolitik, mit Hilfe des radikalen Islams den Neuen Mittleren Osten zu erschaffen. Zum einen sollen so israelfeindliche arabische Nationalisten liquidiert werden. Zum anderen will man Russland schwächen, indem in seinen muslimischen Völkern Unruhe gestiftet wird. Bezeichnenderweise wird die Förderung sexueller Minderheiten mehr gegen Putin als gegen Saudi-Arabien verwendet. Neben Homosexuellen und Moslems biedert sich Clinton auch den Afroamerikanern an. Warum der Minderheitenkult? Die gehen wählen. Und sich um Minderheiten zu sorgen, ist die neoliberale Taktik, um die Mehrheit ignorieren zu können – besonders die Mehrheit, die gegen die wirtschaftlichen und sozialen Ergebnisse der Globalisierung kämpft. Linke Parteien, die früher soziale Gleichstellung vertraten, stehen heute für individuelle Chancengleichheit. Die theoretische Mehrheit, also weiße Männer, wird zu einer Minderheit, der man immerzu Populismus unterstellt. Sie schreiben ausführlich über Clintons Missbrauch der Zivilgesellschaft. Können Sie das für uns skizzieren? Clinton mag die Zivilgesellschaft als Alternative zu Regierungsinstitutionen, die Neoliberale ja schwächen wollen. Die USA unterstützen auch viele konkrete Gruppen finanziell. Manche sind in Wahrheit subversive Verbände, die von George Soros und der Stiftung National Endowment for Democracy mitfinanziert werden. Diese ermutigen Minderheiten darin, Regierungswechsel voranzutreiben. Im September 2009 ernannte Clinton Farah Pandith, eine Freundin von Huma Abedin, zur ersten US-Sondergesandten für muslimische Gemeinschaften, insbesondere in Europa. Im darauffolgenden Januar erließ der US-Botschafter in Paris, Charles Rivkin, vertrauliche Instruktionen zur, so wörtlich, Verbesserung von Frankreichs traditioneller Politik in Fragen der Gleichheit. Diese solle man neu, als soziale und institutionelle Förderung von Minderheiten insbesondere von Moslems, definieren, wie von Wikileaks veröffentlicht wurde. Das läuft auf eine eindeutige Kampagne hinaus, ethnische und religiöse Minderheiten für die Amerikanisierung Frankreichs zu missbrauchen. Sie meinen, die Islamisierung soll nationale Merkmale ausradieren, damit der Weg frei für die US-Globalisierung wird? Das Ziel der USA ist nicht Islamisierung, sondern Multikulturalismus nach amerikanischem Modell. In Frankreich beabsichtigt diese Botschaftsricht-

COMPACT Spezial _ Die Kandidatin des Imperiums linie unter anderem, die Karrierechancen von Minderheiten, also hauptsächlich Moslems, zu verbessern und durch die Begünstigung von interreligiösen Gemeinschaften, die als Heilige Kühe belächelt werden, französische Werte zu untergraben, zum Beispiel den Säkularismus. Sie beabsichtigt auch, den Schullehrplan im Sinne von Minderheiten zu reformieren und angeblich fremdenfeindliche politische Parteien zu schwächen. Kein Zweifel: US-Strategen wollen die traditionellen nationalen Identitäten Europas angreifen, um die Globalisierung voranzutreiben. China als Gegner 2011 verkündete Clinton in einem Artikel für «Foreign Affairs», die Zukunft der Politik werde in Asien entschieden. Geht es um die Konfrontation mit China? Das ist wohl die Idee. Das US-Establishment ist entschlossen, seine Vormachtstellung in der Welt um jeden Preis aufrechtzuerhalten. Europa ist bereits gründlich erobert und gefügig. Der Mittlere Osten wird auf hoffnungsloses Chaos reduziert. Dessen Flüchtlinge und Terroristen sind hilfreich dabei, Europa im US-Orbit zu halten, da es ja angeblich den Schutz der NATO braucht. Der nächste Schritt wäre ein Regierungswechsel in Russland, damit man die Kontrolle über das russische Nukleararsenal bekommt, das multiethnische Land nach dem Vorbild Jugoslawiens auseinanderbrechen kann und man unbegrenzten Zugriff auf dessen Ressourcen erhält. Das würde China isolieren und den USA vermutlich erlauben, ähnliche Methoden anzuwenden, um die Kontrolle über ganz Asien zu erhalten. Diese Ambitionen sind verrückt, aber sie sind die einzige Erklärung für die jetzigen Handlungen der USA. keine Chance. Trump wird von seiner eigenen Partei im Stich gelassen. Die haben ihn von Anfang an nicht gewollt. Die Kraft des gesamten Landes wird gegen ihn mobilisiert: der Militärisch-Industrielle Komplex, Wall Street, die Massenmedien, die Unterhaltungsindustrie, selbst ausländische Marionetten wie Francois Hollande erklären ihn für inakzeptabel. Meine Stimme wäre ohnehin wertlos. Alles, was ich tun kann, ist zu hoffen, dass Hillarys Kriegspläne auf ernsthaften Widerstand stoßen, falls sie Präsidentin wird, zu Hause und in Europa. Kaufen Sie Trump sein anti-globalistisches Programm nicht ab? Trump hat keine eindeutige Agenda. Er hat ein paar gute Impulse, insbesondere sein Anstoß, keinen Krieg mit Russland zu beginnen. Trump bringt seine außenpolitische Agenda schlecht rüber, tendiert aber in die richtige Richtung. Die Demokraten haben beschlossen, seine plump ausgedrückten guten Absichten zu parodieren, indem sie ihn als Putins Handlanger darstellen. Seit Jahrzehnten haben Europäer die USA als Vorbild betrachtet. Sollte dieses groteske Wahlspektakel die Menschen nicht eines Besseren belehren? Es ist schwierig zu erkennen, wie man Amerika vor sich selbst retten kann. Doch die Europäer sollten daran denken, sich selbst und die Welt vor Amerika zu retten. Multikulti-Schmelztiegel Einwanderer und ihr Status in den USA (Stand 2012) Illegale 11,2 Millionen 26,3 Eingebürgerte 17,8 Millionen Die Kriegsministerin Hillarys designierte Verteidigungsministerin Michèle Flournoy (56) kam Mitte der 1990er Jahre unter Präsident Bill Clinton ins Pentagon. In ihren Zuständigkeitsbereich fielen die Ukraine, Russland und Eurasien. Zwischen 2009 und 2012 war sie sogar Staatssekretärin – das höchste Amt, das je eine Frau im Pentagon bekleidet hat. Sie ist Mitbegründerin der Denkfabrik Center for a New American Security, die für eine aggressive Außenpolitik wirbt (siehe Seite 60). Über Hillary Clinton erzählte die Harvard-Absolventin dem britischen Guardian im Mai 2016: «Ich denke, dass ihre politischen Vorstellungen, wie sie in einer Reihe von Reden und in ihrer Bilanz als Außenministerin zum Ausdruck gebracht werden, nahelegen, dass sie die Bedeutung amerikanischer Führung in der Welt versteht.» Hillarys willige Helferin: Michèle Flournoy freut sich schon auf den Posten der Pentagon-Chefin. Foto: DoD/Cherie Cullen «Das US-Establishment ist entschlossen, seine Vormachtstellung in der Welt um jeden Preis aufrechtzuerhalten.» Werden Sie Trump wählen oder eine Drittpartei? Ich nehme an US-Wahlen nicht teil. Wenn ich dies täte, würde ich gegen Hillary stimmen, doch wie? Die einzige Hoffnung, in Amerika einen Fetzen Demokratie wiederherzustellen, wäre ein Riss in der Partei der Demokraten, um eine neue Formierung zu erschaffen, die die Forderungen von Bernie Sanders berücksichtigt. Durch unterschiedliche Gesetze ist es Drittparteien in vielen Bundesstaaten unmöglich, auf die Stimmzettel zu kommen. Ohne Medien – Temporärer Aufenthalt 1,9 Millionen Ausländeranteil (Stand 2014) in Millionen 9,7 4,5 % 9,6 14,1 27,5 Quelle: COMPACT-Recherche 19,8 41,7 Permanenter Aufenthalt 11,7 Millionen 31,1 39,9 42,2 1960 1970 1980 1990 2000 2010 2014 Grafik: COMPACT _ Diana Johnstone wurde 1934 in den USA geboren und lebt seit vielen Jahren in Frankreich. Seit dem Vietnamkrieg ist sie als Kriegsgegnerin aktiv. Als Journalistin schreibt sie für eine Vielzahl von internationalen Medien. Johnstone beschäftigt sich mit amerikanischer Außenund Sicherheitspolitik. 2015 erschien ihr Buch «Die Chaos- Königin – Hillary Clinton und die Außenpolitik der selbsternannten Weltmacht» (256 Seiten, Westend Verlag). – Das Interview führte Tino Perlick. 63

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