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COMPACT-Spezial 11

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COMPACT Spezial _ Der Patriot Schlacht der Milliardäre _ von Tino Perlick Mit seiner Wahlkampfmaxime «Amerika zuerst» hat der Immobilientycoon die Globalisierungslobby in Panik versetzt, Linksliberale halten ihn sogar für den neuen Hitler. Doch die gedemütigte Mittelschicht setzt alle Hoffnungen auf ihn. 66 «Muslime zerstören Europa. In den Vereinigten Staaten lasse ich das nicht zu.» Trump Da hatte Trump nicht den besten Stilberater. Fotos: Time «Money, Money, Money» tönt es bassunterlegt aus den Lautsprechern, als 85.000 Zuschauer im gigantischen Ford-Field-Hallenstadion augenblicklich außer Rand und Band geraten. Die Musik gehört zu ihrem Idol, einem New Yorker Multimilliardär und Reality-TV-Star mit schönen Frauen und gewöhnungsbedürftiger Frisur: Donald John Trump ist ihr Mann, ihre Marke. Vordergründig drehte sich Trumps neun Jahre zurückliegender Auftritt bei Wrestlemania 23, der wichtigsten Veranstaltung im Wrestling-Showgeschäft, tatsächlich um seine ikonenhaften, blonden Haare. Würde sein Kämpfer, ein afroamerikanisches Muskelpaket, im Match gegen das samoanische Monster Umaga unterliegen, dann dürfte Trumps erbitterter Rivale, der Boss des Wrestling- Imperiums WWE, Vince McMahon, noch hier im Ring Trumps Schädel kahlrasieren. So waren die Regeln des als «Schlacht der Milliardäre» angekündigten Megaspektakels. Am Ende konnten die Fans des Immobilientycoons aufatmen. Trumps Mann siegte – und es war McMahon, der sich die Haare scheren lassen musste. Unter tosendem Applaus hatte The Donald den ungeliebten Wrestlingboss bereits Minuten vorher zu Boden geworfen und mit mehreren Fake-Schlägen auf den Kopf attackiert. Doch auch McMahon hatte gut lachen. Die 23. Wrestlemania war die bis dato kommerziell erfolgreichste aller Zeiten. Es passt, dass Trumps Auftritt in der ehemaligen Autostadt Detroit stattfand. In von der Globalisierung verödeten Orten wie diesem stößt sein Wahlkampfmotto «Amerika zuerst» heute auf massenhaften Zuspruch. Trumps Basis und Wrestlingfans sind sich ohnehin ähnlich: Es sind Weiße jeden Alters, die höchstens einen High-School-Abschluss haben und zur unteren Einkommensschicht zählen. Auch im politischen Showgeschäft kauft diese Gruppe Trump die Rolle des «guten» Milliardärs zu 100 Prozent ab. Zu Tausenden bejubeln sie ihn, wenn er in die Turnhallen der Groß- und Kleinstädte kommt. Heute tönen dabei aus den Lautsprechern Rocksongs wie «We’re not gonna take it anymore» (Wir lassen uns das nicht länger gefallen) oder die Rocky- Hymne «Eye of the Tiger» – gegen alle Widerstände durchboxen musste sich Trump ja irgendwie auch. Amerikanismus gegen Globalismus Der rasante Aufstieg des Immobilienmilliardärs – Trump gewann mehr Stimmen in einer Vorwahl als je ein Republikaner zuvor – hat einen Grund. Wie üblich hatte es auch 2015 keinen Establishment- Kandidaten gegeben, der sich an der heute wichtigsten politischen Bruchlinie überhaupt, Nationalismus oder Globalismus, auf die Seite des Volkes stellte. Seit Jahren dröhnt den Amerikanern das Mantra vom Heil der One World in den Ohren. Doch vor ihren Augen zeichnet sich ein anderes Bild ab: Einstige Vorzeigeorte wie Camden in New Jersey oder Detroit in Michigan haben sich, nachdem die Konzerne Standorte und Arbeitsplätze ins Ausland verlegt hatten, in industrielle Geisterstädte verwandelt. Neue Branchenriesen wie Apple lassen von Anfang an in China schrauben. Doch es geht um mehr als Arbeitsplätze. Wie der US-Journalist und Buchautor Robert W. Merry im Mai auf The National Interest schrieb, «hat sich so ziemlich jedes große Thema, das der superreiche politische Anfänger den Eliten entgegengeschleudert hat, als anti-globalistisch und pro-nationalistisch herausgestellt». Einwanderung: Globalisierer halten den Nationalstaat für hinfällig und wollen Grenzen gänzlich abschaffen. Nationalisten hingegen bestehen auf ein klar definiertes und kontrolliertes Staatsgebiet

und wollen ihr kulturelles Erbe vor wildfremden Einwanderern schützen. Muslime «zerstören Europa», sagt Trump. «In den Vereinigten Staaten lasse ich das nicht zu.» Außenpolitik: Globalisierer wollen die Welt im Namen der Humanität dominieren, indem sie die Interessen ferner Regionen mit ihren eigenen vermischen. Nationalisten wie Trump haben die Verteidigung und die unmittelbaren Belange ihres Landes im Blick. «Das Schicksal anderer Menschen, denen es rund um den Globus mehr oder weniger schlecht geht», schreibt Merry, «so herzzerreißend es auch sein mag, spielt in der nationalistischen Betrachtungsweise für gewöhnlich keine große Rolle. Das Schicksal Amerikas ist entscheidend.» Handelspolitik: Während Globalisierer freien Handel über alle Grenzen hinweg verfechten, verweisen US-Nationalisten darauf, dass diese Politik Amerikas Kernindustrien ausgehöhlt hat. «Handelspolitisch bedeutet ”Amerika zuerst”, dass der Arbeitsplatz des amerikanischen Arbeiters vor unfairer ausländischer Konkurrenz beschützt werden wird», sagt Trump. «Wenn es kein tolles Abkommen für unser Land und unsere Gemeinschaften ist, werden wir es nicht unterzeichnen.» Politische Korrektheit: Nationalisten wie Trump scheren sich keinen Deut darum, da diese ohnehin nur dem Standpunkt der Globalisierungslobby dient. In seiner Rede auf dem Nominierungsparteitag erklärte er: «Wir können uns nicht länger leisten, so politisch korrekt zu sein. Also, wenn Sie die verdrehte Meinungsmache der Großunternehmen, die behutsam angefertigten Lügen und die Medienmythen hören wollen – die Demokraten haben ihren Konvent nächste Woche.» Kultur- und Volkserbe: Globalisierer haben nationalen Traditionen und Werten den Krieg erklärt. Diesbezüglich hat Trump alles Nötige gesagt, als er erklärte: «Wir werden wieder ”Frohe Weihnachten” sagen, Leute.» Hoffen auf Trump Viele Durchschnittsamerikaner haben das Spiel durchschaut. «Wir Amerikaner sollen nur noch eine Minderheit sein», zitiert die FAZ in einer Reportage vom 13. August 2016 einen einheimischen Gebrauchtwagenhändler aus der ehemaligen Industriestadt Hazleton, Pennsylvania. Noch vor etwa 15 Jahren waren 19 von 20 Einwohnern hier Weiße. Heute ist jeder Dritte ein Latino. Die Wirtschaft liegt am Boden. Der Megakonzern Amazon hat neben einem Logistikzentrum auch Dritte-Welt-Lohnniveaus mitgebracht und tausende Mexikaner und Dominikaner angelockt. Im Interesse der Konzerne kündigt Clinton an, illegale Einwanderer einbürgern und Zuwanderung generell vereinfachen zu wollen. Trumps Plan, eine Mauer an der Grenze zu Mexi- Bei Wrestlemania 23 tritt am 1. April 2007 auch Donald Trump als Stargast auf. Der Hühne links neben ihm (Bobby Lashley) hat gerade für Trump gewonnen. Foto: Bill Pugliano/Getty Images «Der Lohn bei McDonald’s reicht nicht aus.» Trump-Wähler 67

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