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COMPACT-Spezial 11

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COMPACT Spezial _ Der Patriot Trump über sein Leben «Ich mache es nicht fürs Geld. Ich habe genug, viel mehr als ich jemals brauchen werde. Ich tue es, um es zu tun. Geschäfte sind meine Kunstform.» «Seit ich denken kann, sagte mein Vater zu mir: ”Das allerwichtigste im Leben ist, dass du liebst was du tust, denn das ist der einzige Weg, wie du jemals wirklich gut darin sein wirst.”» «Schon in der Grundschule war ich ein sehr selbstbewusstes, aggressives Kind. In der zweiten Klasse habe ich einem Lehrer tatsächlich ein blaues Auge verpasst (…) und wurde dafür fast der Schule verwiesen.» Bild rechts: Der Trump Tower in New York ragt insgesamt 202 Meter in den Himmel. Foto: Kowloonese, CC-BY-SA-3.0, Wikimedia Als Bauunternehmer soll Trump Geschäfte mit der Mafia gemacht haben. rechten sprachen, waren stets Schürfrechte gemeint. Trump würde US-Interessen zwar offensiv vertreten, dabei aber wohl auf das Verlustgeschäft Krieg verzichten und sich vor allem schöne Worte sparen. Amerikas neuer Geschäftsführer Als Kandidat für das Amt des Präsidenten ist er für seinen Schmäh-Biografen D’Antonio dennoch ungeeignet: Der Milliardär kenne «keine Ideale», besitze kein «solides Fundament aus Mitgefühl und Ethos» und mache sich «rassistischen Hass zunutze». Solche Pauschalvorwürfe werden im Wahlkampf besonders von denjenigen gegen Trump vorgebracht, die glauben, dass Hillary Clinton über solide menschliche Werte verfüge – ein fataler Irrtum, wie Sie auf den Seiten 49 bis 64 nachlesen können. Was «The Donald» vielleicht mehr als alles andere von seiner Kontrahentin unterscheidet: Er ist keiner dieser herzlosen Karrieristen, die es besonders in der Washingtoner Politikerkaste zuhauf gibt. Eine Schwäche für extravagante Frauen wird dem Organisator von Schönheitswettbewerben zu Recht nachgesagt. Seine dritte und aktuelle Ehefrau Melania, ein ehemaliges Model, stammt aus Slowenien und ist 28 Jahre jünger als er. Seine Söhne Donald Jr. und Eric sowie seine Tochter Ivanka hat er in leitenden Positionen in sein Unternehmen einbezogen. Bis dato zählt Donald acht Enkelkinder. Allein schon aus diesem Grund darf man annehmen, dass er an einer guten Zukunft für seine Familie, seine Kinder und sein Land interessiert ist. Hinzu kommt, dass ihn gerade sein persönlicher Reichtum weitgehend unabhängig vom Einfluss finanzstarker Kreise macht. Sogar traditionelle Großspender der Republikaner wie die Koch-Brüder haben Trump die Gefolgschaft versagt, weil er sich keinen Direktiven unterordnet (siehe Seite 46 bis 48). Seinen Wahlkampf finanzierte er weitgehend aus eigener Tasche. «Größtenteils getrieben von ihrem Ego, manche getrieben von Gier, die meisten getrieben von beidem» – so äußerte sich der Präsidentschaftskandidat einmal über die Motive heutiger Politiker. Ob er es besser macht, bleibt abzuwarten. Aber egal, was man über ihn denken mag: Trump ist ein stolzer Amerikaner – ein Mann, der sein Land liebt, weil es ihm viele Möglichkeiten eröffnet hat. Er hat Ecken und Kanten und ist, mit allen Leidenschaften und Abgründen, ein Mensch aus Fleisch und Blut – ganz im Unterschied zu der seelen- und geschlechtslosen Charaktermaske der Hochfinanz, die im letzten Gefecht gegen ihn antritt. 72 Donad Trump mit seinen Kindern (v. l. n. r.) Donald Jr., Eric und Ivanka am 16. April 2012 in Toronto, Kanada. Gefeiert wird die offizielle Eröffnung des Trump International Hotels und Towers. Foto: picture alliance / Newscom

COMPACT Spezial _ Der Patriot Die Trump-Revolution _von Tino Perlick Vom Establishment unterschätzt, hat der politische Neueinsteiger Trump die Bush- Dynastie gedemütigt und die Republikanische Partei auf den Kopf gestellt. Versuche der alten Elite, ihn zu stoppen, scheiterten an der begeisterten Basis. Am 6. August 2015 um 21 Uhr betreten die zehn aussichtsreichsten Bewerber für die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner die Bühne der ersten Fernsehdebatte des Vorwahlkampfes in der Quicken Loans Arena in Cleveland. Nur zwei der Hoffnungsvollen sind keine Karrierepolitiker: der Neurochirurg Ben Carson und Donald Trump. Die Regeln des gastgebenden Fox News Networks besagen, dass der in Umfragen vorne liegende Immobilienmogul das begehrte Rednerpult in der Bühnenmitte einnimmt. Der Zweitplatzierte, der ehemalige Gouverneur von Florida Jeb Bush, setzt sich neben Trump. Die Kandidaten sollen die erste Frage per Handzeichen beantworten: «Welcher der hier Anwesenden ist nicht bereit, den endgültigen Sieger der Vorwahlen uneingeschränkt zu unterstützen?» Alle Bewerber erweisen sich als vorbildliche Parteisoldaten – außer einem. Unbeeindruckt hebt Trump die rechte Hand und signalisiert damit, dass er auch als unabhängiger Kandidat, also ohne Votum der Partei, antreten würde. Während eine Hälfte des Publikums in Jubel ausbricht, buht die andere ihn gnadenlos aus. Der politische Quereinsteiger zuckt mit den Schultern: «Ich kann nicht sagen, dass ich die Person, die gewinnt, respektieren muss», erklärt er mit Lausbubencharme. «Ich kann Ihnen mit Sicherheit nur versprechen, nicht als Unabhängiger anzutreten, wenn ich die Nominierung erhalte.» K.O. in der ersten Runde Als mit Jeb Bush am 20. Februar 2016 der letzte Spross der Bush-Dynastie angesichts demütigender Umfragewerte sein Handtuch werfen musste, wurde dem Letzten klar, dass die Amerikaner den Status quo endgültig satthatten. Über drei Jahrzehnte hatte die schwerreiche Familie aus Texas die Partei dominiert: Ihre Söhne waren CIA-Direktoren und UNO-Botschafter und bekleideten Ämter in Senat und Abgeordnetenhaus. Jeweils acht Jahre hatten George W. und Jeb als Gouverneure in Texas beziehungsweise Florida regiert – und drei Amtszeiten lang (1988 bis 1992 und 2000 bis 2008) hieß der Präsident der USA Bush. Trump gewann die Nominierung, indem er die Politik des Texaner-Clans als bis in den Kern verrottet bloßstellte. «Ich glaube, dass die große Mehrheit der Menschen, die illegal hierherkommen, keine anderen Optionen haben», schwafelte Jeb im bereits erwähnten Fernsehduell zum Einwanderungsthema. «Sie möchten für ihre Familien sorgen.» Wie erlösend klangen dagegen Trumps Forderungen nach einem «System der Einwanderung, das funktioniert, aber für das amerikanische Volk». Weil beide Präsidenten Bush es versäumt hätten, die Grenzen zu schützen, wetterte er, befänden sich mittlerweile zwölf Millionen illegale Einwanderer im Land. Und da beide Präsidenten Bush sich nicht gegen verheerende Handelsabkommen gestellt hätten, sei heute China, nicht die USA, erster Produktionsstandort der Welt. Während Trumps Mitbewerber George W. Bush dafür lobten, die USA nach dem 11. September 2001 angeblich vor weiteren Anschlägen bewahrt zu haben, erinnerte Trump daran, dass dessen Administration vorangegangene Geheimdienstwar- Trump auf einer Wahlkampfveranstaltung im August 2016 in North Carolina. Foto: picture alliance / AP Photo Trump ist drauf und dran, die Partei der Bonzen in eine Volkspartei zu verwandeln. 73

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