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COMPACT-Spezial 11

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COMPACT Spezial _ Der Patriot nicht stören: Clintons Killing Fields werden nämlich weit weg in fremden Ländern sein, wohingegen die von Trump im Inland sein könnten. Trump schafft die Möglichkeit eines Amerika, das mit sich selbst ringt, anstelle eines Amerika, das gegen den Rest der Welt Krieg führt. Was der Euro mit Europa getan hat, könnte Trump mit den USA gelingen: es fragmentieren. Und dies würde für die Opfer des westlichen Imperialismus eindeutig eine gute Sache sein. Das Einzige, was Amerikas genozidale Außenpolitik stoppen kann, ist Amerika selbst. Mit anderen Worten, das Einzige, was den US-Imperialismus heute stoppen kann, ist der US-Nationalismus. Falls das Mauern und Xenophobie quer durch die USA und womöglich sogar Selbstzerstörung (à la EU) bedeutet, dann sei es so. Die USA und die EU verdienen, was sie bekommen – solange sie blind für ihre eigenen Verbrechen sind. Die ganz andere Wiederkehr des Faschismus 80 Schießen statt reden: Ein 120-Millimeter-Mörser im Irakkrieg. Foto: Public domain, Wikimedia Commons Seit Beginn des Irakkrieges 2003 fielen rund 6.800 US-Soldaten. Foto: U.S. Air Force / Roland Balik Indem sich Nationen von der NATO oder der EU abspalten, können sie die Welt befreien. mismus, im Grunde handelt es sich dabei nur um eine neue Variante des westlichen Imperialismus. Der Kontrapunkt zu Nationalismus ist also Imperialismus. Doch das Wort Imperialismus wird selten – falls überhaupt – in westlichen Medien verwendet. Die TV-Sprecher und Schreiberlinge spotten über die Vorstellung, Trump würde «Amerika wieder groß machen», aber verschweigen wissentlich, dass es Clintons Vorhaben ist, «das amerikanische Imperium wieder groß zu machen». Im Allgemeinen stellt man sich im Westen stumm, wenn es um den westlichen Imperialismus und dessen Völkermord-Bilanz geht. Dagegen schreit man auf, wenn es um westlichen Nationalismus geht. Als ob Nationalismus – und nicht Imperialismus – an allem schuld wäre. Aber: Wenn Amerika nationalistisch wäre, würde der Rest der Welt jubilieren. Der Rest der Welt würde sich sicher fühlen. Und das ist der springende Punkt: Die Welt fühlt sich derzeit nicht sicher, weil Amerika überall ist. Es ist imperialistisch. Und wenn Amerika plötzlich heimkehren und sich auf sich selbst konzentrieren würde, müsste Amerika ausnahmsweise einmal so leben wie der Rest der Welt. Amerika müsste mit Amerika leben. Amerika müsste in Angst vor Amerika leben. Ist es das, was die Kritiker von Trump am meisten fürchten? Trumps Nationalismus ist eine Bedrohung für westliche Liberale und Linke, weil er sie zwingen könnte, das erste Mal in ihrem Leben tatsächlich für ihr geschätztes Wertesystem zu kämpfen. Clintons Imperialismus dagegen wird ihren Schlummer Ein ähnlicher Fall wie Chomsky ist Yanis Varoufakis [Gallionsfigur der griechischen Regierungslinken Syriza]. Auch sein Schwarzer Mann ist der Nationalismus und nicht der Imperialismus. In seinem wichtigen Buch And the Weak Suffer What They Must? [Und die Schwachen erdulden, was sie müssen?] analysiert er die Krise der EU. Auf 300 Seiten erwähnt er jedoch die NATO kein einziges Mal. Er unterlässt es, die soziale Zerstörung von Griechenland mit der völligen Zerstörung des Irak, Libyens und Syriens in Verbindung zu bringen – obwohl die Zerstörer dieselben Leute sind: die Führer der NATO. Tatsächlich gerät Varoufakis in die «allen Beweisen zum Trotz ist ein vereinigter Westen das Beste»- Falle. Er ist nicht nur ein engagierter Pro-Europäer: Er ist obendrein ein engagierter Atlantiker. Während er von Amerikas Keynesianern [Anhänger der US-Wirtschaftsreformen unter Präsident Franklin D. Roosevelt] schwärmt, ignoriert er vollständig Amerikas Kopfjäger in der NATO. Enttäuscht von Europas geistig beschränkter Elite, ist er selbst geistig beschränkt gegenüber den Verbrechen Europas im östlichen Mittelmeerraum. Das Schicksal Griechenlands wird in den Schatten gestellt vom Schicksal Libyens und Syriens – doch das übersieht er. Oder ist Völkermord an Arabern für ihn womöglich nicht so wichtig? Varoufakis und Chomsky denken, dass wir die Wiederkehr der 1930er Jahre erleben. Der eine fürchtet die neonazistische Goldene Morgenröte, der andere die irrationale Republikanische Partei (als sei die Demokratische Partei rational). Beide fürchten den Zusammenbruch der westlichen Zivilisation. Dieser Zug ist allerdings schon abgefahren – der Zug nach Auschwitz nämlich, mit der west-

COMPACT Spezial _ Der Patriot lichen Zivilisation darin. In Wahrheit jedoch erleben wir eine Wiederkehr der 1940er Jahre. Der Westen von heute folgt dem Vorbild von Hitler und Hirohito [japanischer Kaiser] und marschiert gegen Russland und China. Und was die Parallele erschreckend real macht: Der Westen von heute hat auch schon seinen eigenen antisemitischen Völkermord ausgeführt – an den unabhängigen arabischen Nationen nämlich [Araber sind auch Semiten]. Im Zusammenhang mit dieser abscheulichen Kriegslust sind Trump und die Goldene Morgenröte harmlos. Das heißt, harmlos für die Opfer, aber nicht die Strategen des Imperialismus. Den Westen aufspalten Es ist jedoch noch nicht zu spät, die Hölle zu verlassen – es gibt einen Ausweg aus diesem westlichen Endspiel. Um weiterzumachen wie bisher, bedarf der westliche Imperialismus nämlich einer blinden Einheitsfront. Offene Augen sind eine Gefahr für den Marsch Richtung Weltuntergang. Unabhängige Nationen sind es auch, insbesondere unabhängige westliche Nationen. Die falsche Grundannahme ist die, dass Nationalismus Fremdenfeindlichkeit bedeutet. Trump und die Goldene Morgenröte sind möglicherweise fremdenfeindlich – aber nicht der Nationalismus per se. Westlicher Nationalismus à la Irland oder Schottland oder Katalonien oder jeder anderen westlichen Nation kann das Imperium im positiven Sinne blockieren, und zwar durch die Umkehrung der Spalteund-herrsche-Strategie des Westens. Indem sich Nationen von der NATO oder der EU oder Großbritannien befreien, können sie die Welt befreien – also den Westen aufspalten und dadurch den Rest der Welt befreien. Die Situation im Westen ist heute so brisant für die Welt (Völkermordgefahr!), dass selbst ein negativer Nationalismus à la Frankreich ein blockierender Schraubenschlüssel im Räderwerk des Imperialismus wäre. Ja, sogar die englische Nation kann das schaffen – durch den Brexit. Und ja, sogar die Vereinigten Staaten können es schaffen – durch Rückzug auf sich selbst und die Austreibung ihrer eigenen völkermörderischen Dämonen. Clinton bedeutet die Wiederkehr der 1940er Jahre – Aufmarsch gegen Russland und China. Um mit einem derartigen westlichen Rückzug beginnen zu können, werden die Liberalen und Linken des Westens jedoch mit ihrem antinationalistischen Dogma Schluss machen müssen. Um den westlichen Imperialismus zu beenden, muss der Westen aufgespalten werden – und dafür ist Nationalismus ein nützliches Werkzeug. Vergesst die künstliche politische Korrektheit! Und platziert das Wohl der Welt an erster Stelle (die Vereinten Nationen)! Damit wir uns verstehen: Es geht um Imperialismus, Idiot! Die hässliche Amerikanerin «Sprich sanft, aber bringe immer den großen Knüppel mit», umschrieb US-Präsident Theodore Roosevelt die ewige Devise der Yankee-Außenpolitik. Wer könnte sanfter sprechen als ein Vertreter einer tatsächlich jahrhundertelang unterdrückten Bevölkerungsgruppe? Der hässliche Amerikaner – das waren früher die Cowboy-Typen, die Faschisten, die Ku-Klux- Klan-Männer. Mit dem demographischen Zerbröseln der weißen Vorherrschaft heuert das Große Geld, dessen Eigentümerfamilien seit Jahrhunderten dieselben sind, andere Frühstücksdirektoren an. Die neuen Charaktermasken des Imperialismus sind farbig, weiblich, schwul. «Zuerst schießen, dann fragen» – das war das Motto der alten Verbrecher. «Totschießen und tot säuseln» ist die Taktik ihrer Nachfolger. (Jürgen Elsässer, Editorial in COMPACT-Spezial Nr. 2 Kriegslügen der USA) COMPACT Spezial Nummer 2 ist im COMPACT-Shop erhältlich. Foto: COMPACT Atombomber mit Begleitung: Jagdflugzeuge aus Polen den USA, Deutschland, aber auch dem neutralen Schweden flankieren am 9. Juni 2016 eine B-52 über der Ostsee. Foto: U.S. Air Force, Erin Babis, Public Domain, flickr.com _ Aidan O’Brien ist Krankenhausangestellter in Dublin. Die englische Originalversion des Artikels über setzten und übernahmen wir – leicht gekürzt – mit freundlicher Genehmigung von counterpunch. org. 81

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