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COMPACT-Spezial 12

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Claudia Roth: Aus dem

Claudia Roth: Aus dem Leben eines Taugenichts _ von Jürgen Elsässer Kurzbiographie einer gescheiterten Existenz: Wer in den achtziger Jahren keine Berufsaussichten hatte, ging in die Partei der Studienabbrecher. Mit Moralismus und politischer Korrektheit lässt sich nämlich eine Menge Geld verdienen – zur Not auch als Aufbauhelfer in den NATO-Kolonien. Gallionsfiguren des nationalen Masochismus: Jutta Ditfurth, gerade als Grünen-Vorsitzende wegen Finanzunregelmäßigkeiten abgewählt und die Bundestagsabgeordnete Angelika Beer. Ton, Steine, Scherben 24 «Claudia versorgte alle mit Liebe und schwäbischen Spätzle.» Roth-Biographin Claudia Roth ist die dümmste Kartoffel auf dem grünen Acker. Unvergessen ihr Ausspruch in einer Talkshow 2004: «Die Türken haben Deutschland nach dem Krieg wiederaufgebaut.» oder ihr Evergreen «Deutsche sind Nichtmigranten, mehr nicht!» Zielsicher und oft tränenreich trifft sie mit solchen Kalauern immer wieder den Zeitgeist und rotiert mit Unterstützung von Prosecco-Autonomen und Bionade-Bourgeoisie seit 25 Jahren von einem gutdotierten Grünen-Posten zum nächsten. Auf dem Foto sehen wir sie sozusagen bei der Geburtsstunde der antideutschen Bewegung am 12. Mai 1990 in Frankfurt am Main. Etwa 20.000 Menschen demonstrierten gegen die Wiedervereinigung unter dem heute allgegenwärtigen, damals aber noch recht ungewöhnlichen Slogan «Nie wieder Deutschland». Links und rechts von ihr zwei weitere Ein Blick auf Frau Roths Vita macht klar, warum sie genau da ankommen musste. Zunächst verlief alles nach Plan: Anfang der siebziger Jahre absolvierte sie das Gymnasium im bayrischen Krumbach mit einem glänzenden Abitur und begann dann in München mit dem Studium der Theaterwissenschaften. Doch dann heuerte sie auf einem untergehenden Schiff an: Am Kinder- und Jugendtheater in Dortmund wurde sie Dramaturgin, angesichts der Finanzkrise der öffentlichen Hand im Zuge der Weltwirtschaftskrise nach dem Öl-Schock ein prekäres Unternehmen. Kein Wunder also, dass sie schon 1981 ihren Wunschberuf abschrieb und Managerin von Ton Steine Scherben wurde. Die Band hatte zwar ihre größten Hits schon in den siebziger Jahren gehabt, doch die neue Konjunktur der undogmatischen Szene mit den Hausbesetzungen schien ihr junge Kundschaft bringen zu können. Die Hoff-

COMPACT Spezial _ Rothfront marschiert 12. Mai 1990, Frankfurt/Main: Claudia Roth, Jutta Ditfurth und Angela Beer tragen das Leittransparent der Demonstration. Ihre Forderung entlehnten die Antideutschen einem Ausspruch Marlene Dietrichs: «Deutschland? Nie wieder!». Foto: «Nie wieder Deutschland» Nr. 1, Repro COMPACT nung trog: Die Themen der achtziger Jahre, Frieden und Ökologie, gehörten nicht gerade zum Repertoire von Bandleader Rio Reiser. Roths Job als Managerin bestand nur in der Verwaltung der «spärlichen Einnahmen» der Musiker, schreibt ihre Biographin Ute Scheub. «Sie lebte und arbeitete im friesischen Fresenhagen, wo die Landkommune unter einem Reetdach wohnte. Claudia versorgte alle mit Liebe und schwäbischen Spätzle. ”Schneewittchen” nannten sie die dankbaren Jungs.» Bei so viel Tristesse war es kein Wunder, dass die Band Mitte der achtziger Jahre zerfiel. Roth stand vor dem Nichts – die Politik war ihr einziger Ausweg. 1986 wurde sie Pressesprecherin der Grünen, 1989 zog sie ins Europaparlament ein, in dem sie bis 1998 blieb. Was Christian Y. Schmidt über Joschka Fischer und seine Gang schrieb, trifft also auch auf sie zu: «Was die arbeitslose Kaste der Spontiberufspolitiker (…) den grünen Politamateuren voraus hatte, war genau das, was zunächst wie ihr großes Manko aussah: ihr offensichtliches Versagen und die daraus resultierende Hoffnungslosigkeit. Gerade weil (…) sie sich und ihre Bewegung am Ende sahen, waren sie – mehr als die jeglichem Machtstreben skeptisch gegenüberstehenden grünen Politiker – motiviert, in dieser neuen Partei ihre letzte Chance wahrzunehmen und ohne Rücksicht auf programmatische Verluste Karriere zu machen.» Marx gegen die Murxisten Roth und ihresgleichen sind Charaktermasken einer Gesellschaftskaste, die in Anlehnung an Karl Marx als Lumpen-Intelligenzija zu bezeichnen wäre – der «Abhub der verkommensten Subjekte aller Klassen (…), absolut käuflich und absolut zudringlich». Allein in der Bundesrepublik dürften es einige hunderttausend Leute sein, die eine universitäre Bildung durchlaufen (wenn auch nicht immer abgeschlossen) haben, danach aber keine feste Beschäftigung fanden. Also haben sie sich ein Auskommen in den Ritzen des Sozialstaates und Kulturestablishments gesucht, vermarkten sich als Künstler, Journalisten, Werbeagenten und ähnliches. Diese scheinselbständigen Jobs jenseits der klassischen Lohnarbeit, ein Spezifikum der post-industriellen Produktionsweise, machen abhängig von den Auftraggebern. Jedes Jahr entscheidet die Stadtverwaltung weiter über die Förderung der Kleinkunstbühne, der Autokonzern über die Vergabe der Werbeetats – also heißt die Parole: Ja nicht negativ auffallen. Sowohl FDP als auch die Grünen sind Parteien des Mittelstandes. Doch während die FDP die Partei der Zahnärzte und Rechtsanwälte ist, also der erfolgreichen Studenten ohne Bummelsemester im AStA oder einer Frauengruppe, reüssierten bei den Grünen die akademischen Zuspätkommer. Und der opportunistische Nachwuchs ist auf demselben Weg: Wer heute Geisteswissenschaften studiert, kann angesichts des staatlichen Stellenstopps kaum noch auf einen Job hoffen. Es sei denn, er ist in einer Antifa-Gruppe – dann kann er mit Staatsknete rechnen, vielleicht sogar mit einer Stelle bei der Ausländerbeauftragten oder im Facebook-Zensurteam von Bundesjustizminister Heiko Maas. Doch solange der Staat bei seinem Sparkurs bleibt, wird es im Inland nie genug Jobs für die ehemaligen Revoluzzer geben. Die Lumpen-Intelligenzija ist ein «Völkchen ohne Raum», und daher haben sie ein ganz eigenes Interesse an der Ausdehnung des Herrschaftsbereiches des liberalen Imperialismus. Der Imperialismus der Überflüssigen Müssen irgendwo auf der Welt Menschenrechte verteidigt werden, so sind die Achtundsechziger unersetzlich. In ihren wilden Jahren haben sie alles gelernt, was man für die Legitimierung des deutschen Eingreifens braucht: ein bisschen Antifaschismus, ein bisschen Dritte-Welt-Caritas, ein bisschen Antiamerikanismus, ein bisschen Totalitarismustheorie – und vor allem die Fähigkeit, feh- Mitglieder der Grünen ab 1993 in Gesamtdeutschland 2016 59.944 2008 45.089 2003 44.052 1998 51.812 1993 39.761 1988 40.768 1983 25.222 Quelle: dpa Grafik: COMPACT Jeder Taugenichts, der zu Hause nichts geworden ist, kann in einem NATO-Protektorat auf Schatzsuche gehen. «Das [sic!] unappetitliche, rechtsradikale Zeitschrift COMPACT liegt an jeder Supermarktkasse (…).» (Osteuropa-Sprecherin Marieluise Beck im Bundestag, Bündnis 90/Die Grünen, 13.11.2014) Foto: COMPACT 25

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