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COMPACT-Spezial 12

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COMPACT Spezial _ Rothfront marschiert Bei den Bilderbergern Auch das globale Schattenkabinett der Macht ist auf Jürgen Trittin aufmerksam geworden. Bei der Bilderberg-Konferenz 2012 war er der einzige anwesende aktive deutsche Politiker. Am 31. Mai und 1. Juni saß er mit den Spitzen des angloamerikanischen Finanzkapitals hinter verschlossenen Türen in einem Luxushotel in Chantilly im US-Bundesstaat Virginia. Eigentlich herrscht bei den Bilderbergern strengste Schweigepflicht. Doch nachdem Demonstranten Trittin vor Ort fotografiert hatten und er sich in seiner eigenen Partei einiger Nachfragen erwehren musste, ging er in die Offensive und berichtete auf seiner Website über die Diskussionen auf der Tagung: «Viele Anwesende hielten das derzeitige europäische Krisenmanagement (…) für eine dramatische Unterschätzung der Krise und waren sich einig, dass eine Kurskorrektur dringend notwendig sei.» FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle höhnte kurz darauf im Bundestag: «Ihre neuen Freunde von der Hochfinanz haben mir etwas ins Ohr geflüstert: Herr Trittin fordert jetzt die Bankenunion für Europa. Die Einlagensicherung soll nach seinem Willen europäisiert werden. Herr Trittin will, dass die deutsche Oma mit ihrem Sparbuch für ausländische Investmentbanker haftet.» Die zugedeckten Leichen von Siegfried Buback (hinten) und seinem Fahrer. Foto: picture-alliance / dpa Trittin und die Anti-Atom-Gewalt Einen guten Monat vor dem Mord an Buback fand ein anderes Ereignis statt, bei dem der Göttinger KB eine herausragende Rolle spielte, und das bisher in der Diskussion um Trittin seltsamerweise überhaupt keine Rolle spielte: die Großdemonstration am Gelände des Kernkraftwerkes Grohnde am 19. März 1977, laut Spiegel ein «böses Massaker». Seit dem Vorjahr hatte sich die im südbadischen Wyhl zunächst friedlich gestartete Anti-Atom-Bewegung Zug um Zug radikalisiert. Ende Oktober 1976 war es zu einer ersten Schlacht mit der Polizei in Brokdorf an der Unterelbe gekommen. Im nahegelegenen Hamburg, der Hochburg des KB, nahm das Politbüro («Leitendes Gremium») einen jähen Linienwechsel vor: Aus einer Organisation, die zuvor vor allem Betriebsagitation gemacht hatte, wurde über Nacht eine ökokommunistische Kampftruppe. In allen Ortsgruppen zwischen Flensburg und Freiburg mussten wir Anti-Atom-Bürgerinitiativen infiltrieren oder selbst solche aufbauen. Trittins K-Gruppe prügelte die Polizisten weg. Schon bei der zweiten Brokdorf-Großdemonstration am 19. Februar 1977 zog der KB die Fäden. Vier Wochen später wurde in Grohnde der Übergang zur Offensive geprobt: Die 20.000 Atomkraftgegner, die sich auf dem Weg zum Bauplatz machten, wurden verstärkt von einigen sehr disziplinierten Hundertschaften des KB. Der Spiegel berichtet: «Uniformiert mit gelbem Ölzeug, das Kennzeichen ihrer Einheit auf dem Rücken (”Bi 5”, ”H 1”), Plastik- oder Stahlhelm auf dem Kopf, Gasmaske, zumindest Taucher- oder Schwimmbrille vor dem Gesicht, Schutzschilde aus Holz, Plastik oder Mülltonnendeckel in der einen, Knüppel, Spitzhacken, Beutel mit Steinen oder nur ein Walkie-Talkie in der anderen Hand, rückten sie gegen das Objekt vor.» Während die Autonomen sich ansonsten mit der Polizei individuelle Scharmützel geliefert hatten, ging der KB organisiert vor: Die Demonstration machte an der Polizeisperre diszipliniert halt und forderte dann – in Umkehrung der üblichen Prozedur – die Beamten zur Räumung auf. Als diese der dritten Aufforderung nicht folgten, rückten die kampferprobtesten KB-Einheiten vor und knüppelten die Uniformträger in die Flucht, der Weg zum Baugelände war frei. Der damalige niedersächsische CDU-Innenminister Rötger Groß war geschockt: «Ein Ereignis von solcher Brutalität war in der Bundesrepublik bisher nicht bekannt.» Selbst in der linken Szene stieß die bürgerkriegsähnliche Militanz anschließend auf Kritik, von den Bürgerinitiativen ganz zu schweigen. Im KB jedoch wurde die Aktion groß gefeiert – und es war allen klar, wem der Ruhm gebührte: der Göttinger Ortsgruppe. Von dort aus waren die Vorbereitungen im 90 Kilometer entfernten Grohnde koordiniert worden. Es ist schwer vorstellbar, dass Jürgen Trittin an diesem Krawall nicht beteiligt war. Der KB war zum damaligen Zeitpunkt eine straffe Kaderorganisation, und der 19. März 1977 war ein Mobilisierungsschwerpunkt, dem alles untergeordnet wurde. Man könnte sagen, das sei Schnee von gestern. Schließlich war ich selbst auch an militanten Demonstrationen beteiligt (wenn auch nicht in Grohnde), und bin trotzdem später klüger geworden – warum also Trittin nicht ebenso. Aber im Unterschied zu den meisten Damaligen hat Trittin ganz offensichtlich sein Verhältnis zur Gewalt nicht geklärt – sonst hätte er nicht 1994 mit dem Schwarzen Block demonstriert, sonst hätte er 2001 Michael Buback nicht so verstört. Und dass er als Mitglied der Schröder-Fischer-Regierung 1999 den NATO-Angriffskrieg gegen Jugoslawien unterstützte – obwohl er noch weniger als ein Jahr zuvor mit mir zusammen auf einer antimilitaristischen Kundgebung gesprochen hatte –, zeugt ebenso von einem rein taktischen Verhältnis zu Recht und Gesetz. 32 So wie die NATO 1999 das Gewaltmonopol der UNO missachtete und ohne einen Beschluss des Sicherheitsrates drauflosbombte, so ignorierten die Demonstranten in Grohnde und anderswo 1977 das Gewaltmonopol des Staates und prügelten die Polizei beiseite. In beiden Fällen galt die Parole «legal, illegal, scheißegal».

Abendland wird abgebrannt Die Ideologie von Multikulti und Volkszerstörung 33

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