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COMPACT-Spezial 12

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COMPACT Spezial _ Abendland wird abgebrannt garstigen Hamburger verzehrt werden, in die das sogenannte mechanically recovered meat aus Innereien, Gehirnmasse und minderwertigen Fleischresten hineinwanderte, die allesamt als schwer kontaminiert gelten» (Die Zeit 49/2000). Die Experten des CJK-Forschungszentrums in Edinburgh gelangten im Herbst 2000 nach Untersuchung von 50 CJK-Todesfällen zu dem Schluss, es gebe «keinerlei Hinweise» darauf, dass der Verzehr von Rindfleisch, möglicherweise BSE-verseuchte Arzneimittel oder Blutkonserven für die Todesfälle verantwortlich seien. 46 Mit 36.000 Fällen in Großbritannien hatte BSE 1992 seinen Höchststand. Foto: Pixabay, Public Domain Gegen die Hysterie Politiker aus CSU und PDS (Vorläufer der Linkspartei) wandten sich zur Jahrtausendwende gegen die von den Grünen angefachte BSE-Hysterie. So sprach sich der bayrische Verbraucherschutzminister Eberhard Sinner gegen die Massenvernichtung ganzer Tierherden aus, wenn in diesen Herden nur eines oder wenige Tiere BSE-positiv seien; stattdessen sollte Fleisch von Kühen, deren BSE- Test nach der Schlachtung negativ ausfalle, verbilligt in den Handel kommen. Bei einem Kilopreis von acht Mark, so berichtet Sinner von Metzgereien aus dem Land, kämen die Kunden zurück – vielleicht nicht die Besserverdienenden, wohl aber Sozialhilfeempfänger und Kinderreiche. Wolfgang Methling, PDS-Umweltminister in Mecklenburg-Vorpommern, pflichtete ihm indirekt bei: «Es gibt keinen vernünftigen Grund, Milch oder Fleisch von gesunden Tieren zu vernichten.» Und weiter: «Wenn man sich sachlich mit dem BSE- Problem beschäftigt, erkennt man, dass diese Rinderkrankheit in Deutschland vor allem eine mediale, weniger eine reale Bedeutung für die Gesundheit von Rindern und den Schutz des Verbrauchers besitzt.» Fakten und Fiktionen BSE ist eine für Rinder verheerende Krankheit, die man 1986 zum ersten Mal in Großbritannien identifizierte. Ihre Ausbreitung konnte allerdings durch das Verbot der Tiermehlverfütterung stark eingedämmt werden: In England fielen BSE im Spitzenjahr 1992 insgesamt 36.000 Tiere zum Opfer, im Jahr 2000 waren es nur noch knapp 1.200. In anderen Ländern waren bis zu diesem Zeitpunkt nur vergleichsweise wenige Fälle aufgetreten, obwohl britisches Tiermehl in alle Welt exportiert wurde. Die Hauptfrage ist jedoch, ob BSE auch auf den Menschen übertragen werden kann. Von Scrapie, einer ähnlichen Hirnkrankheit bei Schafen, blieben Menschen verschont, obwohl in den letzten 200 Jahren Scrapie-verseuchtes Lamm- und Hammelfleisch gegessen wurde. Bei BSE schrillten die Alarmglocken, als man im Jahre 1996 in England eine neue Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJK) entdeckte: In den Gehirnen der Verstorbenen stellte man schwammähnliche Ablagerungen wie bei BSE-Rindern fest. Die These, dass BSE auf den Menschen übertragen werden kann, wurde nie bewiesen. Doch die These, diese Opfer seien durch Rindfleisch infiziert worden, ist sehr fragwürdig. Zum einen waren auch Vegetarier unter den CJK-Toten, zum Zweiten starben im britischen Norden und auf dem Land prozentual mehr Menschen an CJK als im Süden Großbritanniens und in den städtischen Ballungsgebieten – «obwohl gerade dort die besonders In der Bundesrepublik wurde CJK bis dato nicht festgestellt, obwohl – so eine Informationsschrift der Grünen – von 1985 bis 1990 «rund 40.000 Tonnen britisches Rindfleisch direkt nach Deutschland exportiert» wurden. Das heißt: Zu einer Zeit, als in England die Fleischkontrollen gleich null waren, wanderten in Deutschland 40.000 Tonnen oder umgerechnet 200.000.000 Portionen (à 200 Gramm) potentiell verseuchtes british beef über die Ladentheken – und trotzdem gab es zehn Jahre später keinen einzigen Fall von CJK. Spricht das nicht für die These von Professor Otto Christian Straub, dem Präsidenten der baden-württembergischen Landestierärztekammer, das Risiko, sich durch den Genuss von Rindfleisch zu infizieren, sei etwa so groß wie die Gefahr, in der Innenstadt von Zürich von einem Krokodil gebissen zu werden? Die Herrschaft der Quangos Der britische Wissenschaftler Michael Fitzpatrick hat in der Zeitschrift Novo nachgezeichnet, wie in Großbritannien 1996/97 BSE-Hysterie und Demontage der Konservativen Hand in Hand gingen. «Die Krise begann in den Tagen des endgültigen Dahinsterbens der demoralisierten konservativen Regierung, die von Sex- und Korruptionsskandalen schon schwer erschüttert war. Die Solidarität in der alten Elite war so weit untergraben, dass die Medien immer mehr Material zugespielt bekamen, mit dem sie sich immer deutlicher gegen die Tories wandten. Die Minister wussten, dass, wenn sie die Seac-Erkenntnisse [SEAC = BSE-Untersuchungskommission] nicht publik machen würden, diese dennoch an die Öffentlichkeit gelangen und sie selbst als Vertuscher geoutet würden.» Fitzpatrick bezeichnet SEAC und ähnliche Gruppen als Quangos – quasi-NGOs, also eher quasi-Regierungsorganisationen, die mit dem NGO-Ticket Objektivität und Unparteilichkeit beanspruchen, dadurch ein Druckpotential gegenüber dem Staat aufbauen, dann von diesem mit Finanzspritzen teils eingekauft, teils gestärkt werden, und schließlich eine immer stärkere Position im Establishment aufbauen. Das verlagert «die Macht weg von gewählten Repräsentanten hin zu ernannten Quasi-Beamten und Experten».

Nie wieder Krieg ohne uns Make Love and War – vom Kosovo bis Syrien 47

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