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COMPACT SPEZIAL 7 "Asyl, die Flut"

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So wird Deutschland abgeschafft

COMPACTSpezial _ Land unter Sachsen sagen Nein zum Heim _ von Fred Neubauer 24 Der Freistaat ächzt unter dem Ansturm von Scheinasylanten. Die Politik schaut weg, doch in immer mehr Orten begehren die Menschen auf. Freital, Heidenau, Dresden. Auch der Südosten Deutschlands wird 2015 systematisch mit Asylanten geflutet. Doch die kämpferischen Sachsen stehen dagegen auf. Foto: Zeger, univie.ac.at Selbst die örtliche «Sächsische Zeitung» berichtete im Januar über die «durch die Verantwortlichen des Landratsamtes in keiner Weise geklärten Bedenken und Vorbehalte der Bürgerschaft und der Gemeindeverwaltung». Foto: Fred Neubauer «Toter nach Messerattacke in Dresdner Asylwohnheim», «11-Jährige im Bus von Asylbewerber belästigt», «Asylbewerberheim brennt gleichzeitig an zwei Stellen» – solche Schlagzeilen halten Sachsen in Atem. Der beschauliche Freistaat im südöstlichen Zipfel Deutschlands ist seit knapp einem halben Jahr wie im Fieber. Für die Staatsregierung muss es besonders peinlich sein, dass sich ausgerechnet im Pegida-Ursprungsgebiet rund um die Landeshauptstadt Dresden diese dramatischen Vorfälle häufen. Jeder selbstgelegte Brand in Flüchtlingsheimen, jede Messerattacke von Asylbewerbern ist neues Wasser auf die Mühlen von Pegida. Selbst Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) machte sich kürzlich auf, um das Thema Asyl aus der Nähe zu betrachten. Die Visite war sorgsam präpariert. Man führte ihn in die Zweigstelle der Erstaufnahmeeinrichtung Chemnitz in Schneeberg. Gut 100 Syrer sind derzeit hier untergebracht. Es gäbe auch ein paar Bewerber aus Indien. Die restlichen rund 500 Bewohner stammen allgemein vom Balkan, nicht nur aus dem Kosovo – also aus Staaten ohne politische Verfolgung. Bereits 2013 hatte die örtliche NPD in dem Ort eine alte erzgebirgische Tradition, die sogenannten Lichtelläufe, geschickt zum Protestzug gegen die Asylunterkunft in der ehemaligen Bundeswehrkaserne umgewidmet. In der Hochphase folgten 3.000 Menschen diesen Aufrufen. Das war lange vor Pegida! Die Politik versprach damals, die Kapazität der Einrichtung bei 280 Menschen zu deckeln. Davon ist längst keine Rede mehr. Schneeberg ist derzeit mit 530 Asylbewerbern belegt, so die Auskunft des zuständigen Wohlfahrtsverbandes, der Malteser. Dreck oder Gewalt bekam Tillich nicht zu Gesicht. Gezeigt wurden eine Art Musterzimmer, der Sanitärpunkt, eine Kinderstube und die Tür zu einem Gebetsraum. «Al-Nur-Moschee», steht mit schwarzem Kugelschreiber auf einem Blatt Papier, das mit Klebestreifen neben der Tür befestigt ist. Sein Besuch war ohnehin kurz. Nach ein paar launigen Fotos mit Flüchtlingskindern stieg der Ministerpräsident in seine Audi-Limousine, und ab ging es wieder gen Dresden. Zuvor hatte er noch den Aufbau einer Außenstelle der Polizeischule in Schneeberg verkündet – den Beamten in spe ist realitätsnaher Unterricht wohl garantiert. Gewalt an der Tagesordnung Anders als Tillich erhielten – auf Einladung des sächsischen Ausländerbeauftragten Geert Mackenroth (CDU) – Landtagsabgeordnete Mitte April einen ungeschminkten Eindruck von den Zuständen bei der Asylunterbringung in dieser Ein-

COMPACTSpezial _ Land unter richtung. Die Dosis muss heftig gewesen sein. Der einzige Parlamentarier, der einen Bericht öffentlich machte, war Carsten Hütter (AfD). «Ich war entsetzt darüber, was ich sah! Fotografieren wurde untersagt», so Hütter auf Facebook. «Etwa 30 Mitarbeiter einer Wachschutzfirma sorgen dafür, dass sich die Asylbewerber nicht untereinander prügeln. Das passiert schnell und oft. Beispielsweise ist die Essensausgabe ein ständiger Herd der Gewalt. Wenn es nicht schmeckt, fliegt das Geschirr durch die Luft. Tische und Stühle mussten bereits durch massive Stahlgestelle ersetzt werden, die fest im Boden verankert sind, damit sie nicht herumgeworfen werden können. Die Küchenausgabe ist durch Spanplatten geschützt. Wenn Männer einiger Völkergruppen erfahren, dass Frauen vor ihnen Essen gereicht bekamen, führt auch das zu massiven und ebenfalls gewalttätigen Ausschreitungen. Immer wieder wird im gesamten Objekt randaliert. Feuerlöscher werden heruntergerissen, Scheiben eingeworfen, Wände werden mit Parolen beschmiert. Erst nach striktem Alkoholverbot hat sich die Situation ein wenig entspannt.» Wenn es nicht schmeckt, fliegt Geschirr durch die Luft. Schneeberg war nur der erste Hotspot auf dem inzwischen mit zahllosen roten Punkten übersäten Asyllagebild des Landes. In dem Maße, wie Asylbewerber in kleine und kleinste Dörfer gepresst werden, schießen auch Protestinitiativen aus dem Boden. Wer Zeit und Lust hat, könnte inzwischen allein im Großraum Dresden jeden Tag an einer anderen Demo teilnehmen. Die Orte heißen Wilsdruff, Großröhrsdorf oder Ottendorf-Okrilla. In der Gemeinde Haselbachtal bei Kamenz teilt der Bürgermeister des Ortes die Ratlosigkeit seiner Bewohner, und man bestätigt sich das gegenseitig übers Mikrofon. Danach geht es demonstrierend mit Sachsen- und Deutschlandfahnen durchs eigene Dorf, Gehschwache und Rentner vorneweg, damit der Zug sich nicht auseinanderzieht. Inzwischen gibt es in Sachsen nicht mehr allzu viele Orte ohne Initiativen mit dem Namen «… wehrt sich» oder «… sagt Nein zum Heim». Freital – die kleine Pegida Den größten Protest außerhalb Dresdens gibt es im Frühsommer 2015 in Freital. Hier kann man schon von der «kleinen Pegida» vor den Toren der Landeshauptstadt sprechen. Freital war schon immer etwas Besonderes. 1921 schlossen sich die Gemeinden Deuben, Döhlen und Potschappel unter dem gewählten Namen «Freies Tal – Freital» zusammen. In der Weimarer Zeit galt Freital als sozialdemokratische Musterstadt. Heute noch hängen hier Blumenkästen an öffentlichen Brücken, als wäre die ganze Stadt eine gemütliche Genossenschaftswohnung. Umso mehr sorgt für Unruhe, dass auch hier der Betreiber eines Hotels auf das neue Erwerbsmodell «Volles Haus links: Demonstranten in Freital. Foto: Fred Neubauer rechts: Die Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes (PEGIDA) in Dresden bildeten ab Oktober 2014 den Auftakt asyl- und islamisierungskritischer Demonstrationen. Am 12. Januar 2015 schwoll der wöchentliche Spaziergang durch die Elbmetropole auf 40.000 Menschen an. Im August 2015 beteiligen sich etwas 4.000 bis 6.000 Dresdner an Pegida. Foto: Felix Menzel Relatitätsschock Auf Einladung des sächsischen Ausländerbeauftragten Geert Mackenroth (CDU) machten sich Landtagsabgeordnete Mitte April 2015 einen ungeschminkten Eindruck von den Zuständen bei der Asylunterbringung in der zentralen Erstaufnahmeeinrichtung in Chemnitz. Die Dosis muss heftig gewesen sein. Der einzige Parlamentarier, der einen Bericht öffentlich machte, war Carsten Hütter (AfD). «Ich war entsetzt darüber, was ich sah! Fotografieren wurde untersagt», so Hütter auf Facebook. «Etwa 30 Mitarbeiter einer Wachschutzfirma sorgen dafür, dass sich die Asylbewerber nicht untereinander prügeln. Das passiert schnell und oft. Beispielsweise ist die Essensausgabe ein ständiger Herd der Gewalt. Wenn es nicht schmeckt, fliegt das Geschirr durch die Luft. Tische und Stühle mussten bereits durch massive Stahlgestelle ersetzt werden, die fest im Boden verankert sind, damit sie nicht herumgeworfen werden können. Die Küchenausgabe ist durch Spanplatten geschützt. Wenn Männer einiger Völkergruppen erfahren, dass Frauen vor ihnen Essen gereicht bekamen, führt auch das zu massiven ebenfalls gewalttätigen Ausschreitungen. Immer wieder wird im gesamten Objekt randaliert. Feuerlöscher werden heruntergerissen, Scheiben eingeworfen, Wände werden mit Parolen beschmiert.» 25

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