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COMPACT SPEZIAL 9 "Zensur in der BRD"

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COMPACTSpezial _ Zensur im TV 8 Feindbild Mutter _ von Tino Perlick Mit ihrem Engagement für die traditionelle Familie verstieß Eva Herman gegen die Genderpolitik. Die Feminismus-Lobby erklärte ihr den Krieg. Um die beliebte «Tagesschau»-Sprecherin zu einer Aussätzigen zu machen, plakatierte sie die Journaille als Nazibraut. Das Berufsverbot bei den GEZ-Medien war die Folge. «Herman lobt Hitlers Familienpolitik». Bild am Sonntag Am 9. Oktober 2007 erreichte eine unvergleichliche Hetzjagd in einem Schauprozess im ZDF ihren medialen Höhepunkt. Nach 50 Minuten öffentlicher Inquisition sprach der gleichnamige Moderator der Sendung Johannes B. Kerner das Urteil: «Es sind ja doch die besonders spannenden Momente», begann Kerner, «wo man sich selbst so ein bisschen Gedanken macht, wie man weitermacht. Und die hab ich mir jetzt gemacht. Und habe mich entschieden, dass ich mit meinen drei Gästen weiterrede und Dich, Eva, jetzt verabschiede.» Zum ersten und bislang einzigen Mal in der Geschichte des Deutschen Fernsehens musste ein Talkshowgast vorzeitig gehen, weil er nicht öffentlich Abbitte leisten wollte. Die Ausgestoßene: Eva Herman, 57 Jahre alt, laut TNS Emnid einst beliebteste Fernsehmoderatorin Deutschlands. Noch wenige Monate zuvor schien Herman im inneren Kreis der deutschen Medienlandschaft fest verankert. Seit 1989 war sie als Nachrichtensprecherin das Gesicht der ARD-Tagesschau gewesen. Darüber hinaus servierte sie ab 1999 den deutschen Zuschauern vor allem leichte Kost wie die NDR-Talkshow Herman und Tietjen. Als sie im selben Jahr, mit Ende 30, einen Sohn auf die Welt brachte, änderte sich für die Powerfrau alles. Herman befasste sich ausgiebig mit frühkindlicher Bindungsforschung. Ihr Fazit: Nur ein intensiver Mutter-Kind-Kontakt schützt das Kind in seiner Entwicklung dauerhaft. Fremdbetreuung lehnt sie entschieden ab. In einer Gesellschaft, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie über diverse «Kita-Offensiven» quasi erzwingen will, war sie mit dieser Haltung schon eine Außenseiterin. Angriff der Feministinnen Die öffentliche Hetzjagd beginnt im Mai 2006: In einem Cicero-Artikel warnt die in vierter Ehe verheiratete Herman junge Frauen aus leidvoller eigener Erfahrung, sich lieber nicht der Doppelbelastung von Familie und Karriere auszusetzen. Die Moderatorin, eine gläubige Christin, verweist auf den

COMPACTSpezial _ Zensur im TV «Schöpfungsauftrag» der Frauen. Den 1968 entfesselten Feminismus macht sie unter anderem für die niedrige Geburtenrate verantwortlich, die einmal zum Aussterben der Deutschen führen werde. Konservativen Frauen wird meist der Mief der 1950er Jahre unterstellt. Herman jedoch wird sofort mit der Nazi-Keule angegangen: Sie bewege sich «zwischen Mutterkreuz und Steinzeitkeule», schimpft Alice Schwarzer im Spiegel. «Wir müssen doch im Jahr 2006 dem Führer kein Kind mehr schenken.» Die Emma-Herausgeberin fordert ihre Leser auf, sich bei der Tagesschau zu beschweren. Dort sieht man die Neutralität der Nachrichtensprecherin in Gefahr und trennt sich erst einmal für die Dauer von zwei Jahren – angeblich einvernehmlich. Herman nutzt die Zeit, um ihr Buch Das Eva-Prinzip zu bewerben. Vor dem Hintergrund der Erkenntnisse aus der Mutter-Kind-Forschung macht sie sich darin erneut für eine traditionelle Rollenverteilung zwischen Mann und Frau stark. Die erste Auflage ist sofort vergriffen, das Publikum ist begeistert. Die Medien hingegen suggerieren, es gebe eine flächendeckende Verachtung für die Thesen der «ostfriesischen Blondine». Mehrmals stören Feministinnen ihre Lesungen. Mit dem Taz-Artikel Das Eva- Braun-Prinzip schlägt die Schriftstellerin Thea Dorn schließlich erneut und besonders hart mit der braunen Keule zu. Aus Hermans Egoismuskritik konstruiert Dorn eine gedankliche Nähe zur Nazi-Ideologie von der Selbstaufgabe für Volk und Führer. Dass sie die Familienpolitik im Dritten Reich in ihrem Buch auf das Schärfste kritisiert, lässt Dorn unerwähnt. Die Mär von der Nazibraut Hermans darauffolgendes Buch Das Prinzip Arche Noah – Warum wir die Familie retten müssen kritisiert unter anderem die damals noch völlig unbekannte Gender-Mainstream-Forschung. Bei der Buchvorstellung am 5. September 2007 in Berlin distanziert sich die im Netzwerk Laut gegen Nazis aktive Herman gleich zu Beginn von sämtlichen Vorwürfen, rechts zu sein. Nützen wird es ihr nichts. «Wir müssen vor allem das Bild der Mutter in Deutschland auch wieder wertschätzen, das leider ja mit dem Nationalsozialismus und der darauf folgenden Achtundsechziger-Bewegung abgeschafft wurde», fordert Herman vor 30 Pressevertretern. «Mit den Achtundsechzigern wurde damals praktisch alles das – alles was wir an Werten hatten – es war eine grausame Zeit, das war ein völlig durchgeknallter hochgefährlicher Politiker, der das deutsche Volk ins Verderben geführt hat, das wissen wir alle – aber es ist eben auch das, was gut war – das sind die Werte, das sind Kinder, das sind Mütter, das sind Familien, das ist Zusammenhalt – das wurde abgeschafft.» Diesen verschlungenen Satz, der in den folgenden Jahren Sprachwissenschaftler und Richter beschäftigen wird, verkürzt Springers Hamburger Abendblatt noch am selben Tag zu folgender Botschaft: «Da sei vieles sehr schlecht gewesen, zum Beispiel Adolf Hitler, aber einiges eben auch sehr gut. Zum Beispiel die Wertschätzung der Mutter.» Tausende Gebührenzahler, die sich beim NDR beschweren, werden als rechtsex treme Anhängerschaft dargestellt. Revolverblätter und vermeintliche Qualitätsmedien spitzen weiter zu. «Eva Herman lobt Hitlers Familienpolitik», verkündet die Bild am Sonntag. «Eva Herman und die Mütter unter Hitler», titelt Spiegel Online. Zwei Tage nach der Pressekonferenz kündigt der NDR Hermans Entlassung an. Besonders dreist: Tausende Gebührenzahler, die sich beim Sender darüber beschweren, werden im ZAPP-Medienmagazin als rechtsextreme Anhängerschaft dargestellt. «Die Frauen zurück an den Herd, die Männer hinaus ins feindliche Leben, dieser Tenor schließt nahtlos an die Nazizeit an», äußert sich Familienministerin Renate Schmidt (SPD), die vielleicht größte Nutznießerin der Situation: Die schärfste Kritikerin ihres wirtschaftskonformen Plans, 750.000 Krippenplätze zu schaffen, ist endlich so gut wie mundtot. Frauen wollen Frauen sein Dass Hermans Thesen bei deutschen Frauen auf viel Zuspruch stießen, verwundert kaum. Die Männerforscher Peter Döge und Rainer Volz veröffentlichten 2002 die Ergebnisse ihrer Studie «Wollen Frauen den neuen Mann?» Die Ergebnisse entlarven geläufige Klischees vom bösen Mann, der die Frauen an den Herd schicken will, als feministische Propaganda. 44 Prozent der befragten Frauen zwischen 18 und 45 wollten lieber Hausfrauen sein, 80 Prozent der Frauen waren mit ihrer Hauptverantwortung mit dem Haushalt zufrieden, und 60 Prozent fanden, Erziehungsurlaub passe nicht zum Mann. Vor allem Frauen aus dem Arbeitermilieu sehnten sich nach einem «starken» Mann. Dem Meinungsforschungsinstitut Emnid zufolge erwarteten 2003 noch 70 Prozent der befragten Frauen, ihr Partner müsse in der Lage sein, die Familie allein zu ernähren. Im September 2006 stimmten Emnid zufolge 55 Prozent der Frauen dem Satz zu: «Kinder, Familie und ein harmonisches Heim sind wirklich die größte Aufgabe für Frauen.» Forscher der Universität Genf fanden im selben Jahr heraus, dass 42 Prozent der Schweizer Bevölkerung meinten, Frauen sollten sich wieder mehr auf die Rolle als Ehefrau und Mutter besinnen. Mehr Frauen (44 Prozent) als Männer (42 Prozent) sehnten sich nach der traditionellen Rollenverteilung. «Dieses Ergebnis haben wir tatsächlich nicht erwartet», zitierte die Schweizer Zeitung Blick den Leiter der Studie. «Das Eva-Prinzip» wurde zum Bestseller. Foto: flickr, CC BY-SA 2.0 Schön reaktionär: Die Femen. Foto: flickr, CC BY-SA 2.0 9

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