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COMPACT-Spezial "Asyl unsere Toten"

Asyl, Unsere Toten Unsere Toten, Unsere Trauer

Trauern verboten _ von

Trauern verboten _ von Jürgen Elsässer Haben die Deutschen sich selbst aufgegeben? Oder treibt uns nur die Regierung in den Untergang? Jedenfalls muss bestürzen, dass nach den zwölf Toten auf dem Berliner Weihnachtsmarkt von Betroffenheit nichts zu spüren war. hatten alle Massenmedien über die Menschen berichtet, die Fanatismus und Hass aus dem Kreis ihrer Familie gerissen hatten. Das offizielle Deutschland trauerte um diese Toten – damit war das Gedenken an sie zur Staatsräson geworden. 10 Mit einem 450-PS-starken Lkw raste Anis Amri fast 80 Meter durch den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche. Foto: picture alliance / Bernd von Jutrczenka/dpa Die deutschen Opfer wurden verscharrt, ohne dass die Öffentlichkeit ihre Namen erfuhr. Nach diesem Terror war das ganze Land geschockt. Die gesamte Staatsspitze hatte sich zu einer Trauerfeier versammelt, das Fernsehen übertrug die Zeremonie live. Die Bundeskanzlerin saß in der ersten Reihe, neben und hinter ihr die Angehörigen der Opfer. Angela Merkel hielt eine bewegende Rede: «Bevor wir die alles überragenden Fragen – ”Wie konnte das geschehen?” (…) ”Warum konnten wir das nicht verhindern?”– beantworten, bitte ich darum, dass wir schweigen. Schweigen, so wie heute um 12 Uhr Beschäftigte im ganzen Land schweigen werden. Gewerkschaften und Arbeitgeber haben das vereinbart.» Und weiter: «Viele Hinterbliebene sind heute unter uns. Ich weiß, wie schwer Ihnen das gefallen ist. Sie haben mir vorhin von ihrem großen Schmerz erzählt. Sie haben mir erzählt, wie allein gelassen sie sich gefühlt haben. Umso dankbarer bin ich, dass wir heute gemeinsam hier sein können.» Die Kanzlerin las die Namen der Ermordeten vor. Große Fotos von ihnen waren neben dem Rednerpodest aufgestellt. Schon zuvor Trauer nur für Ausländer Diese Geschichte hört sich an wie ein Märchen, denn jeder weiß, dass es eine solche Staatstrauer nach dem Berliner Weihnachtsmassaker nicht gegeben hat. Trotzdem ist alles wahr – es spielte sich lediglich viereinhalb Jahre früher ab: Im Februar 2012 fand diese bewegende Feier statt, und die mitfühlenden Sätze hat die Rautenfrau tatsächlich gesprochen. Der Hintergrund: Die Ermordeten waren fast alle Ausländer gewesen, angeblich erschossen durch Inländer, durch Mitglieder des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU). Streiten wir nicht über die Gräber hinweg, was daran stimmt oder nicht: Gut war jedenfalls, dass der Toten würdig gedacht wurde. Es stellt sich aber die Frage, warum um die Opfer des 19. Dezember 2016 nicht in ähnlicher Weise getrauert wurde. Immerhin handelte es sich um den größten Terroranschlag seit 36 Jahren, seit der

COMPACT Spezial _ Unsere Toten, unsere Trauer Bombe auf dem Oktoberfest 1980. Von den zwölf Toten des Breitscheidplatzes sind fünf Ausländer. Ihre Namen sind bekannt, weil ihre Regierungen ihnen die letzte Ehre erwiesen haben: Am Sarg des Lkw- Fahrers Lukasz Urban kniete der polnische Staatspräsident Andrzej Duda. An der Trauerfeier für die junge Italienerin Fabrizia Di Lorenzo nahmen der Staatspräsident Sergio Mattarella und der Innenminister Marco Minniti teil. Über die Israelin Dalia Elyakim berichtete die Presse ihres Landes, aber auch die New York Times in großer Aufmachung. Das Volk wird von der Politik im Stich gelassen. Die deutschen Opfer aber wurden verscharrt, ohne dass die Öffentlichkeit je ihre Namen erfuhr. Nirgendwo erschien ein Foto von ihnen. Die Öffentlichkeit weiß, ganz anders als bei den NSU-Toten, nichts von ihrem Leben, ihrer Arbeit, ihren Träumen. Nur über eine einzige Beerdigung wurde berichtet, weil eine einzige Regionalzeitung einen Reporter geschickt hatte: Am 6. Januar wurde Sebastian B. im brandenburgischen Ragösen beigesetzt. Fast 300 Trauernde zwängten sich in die kleine Dorfkirche, die Türen konnten kaum geschlossen werden. Das heißt: Das Volk empfindet sehr wohl Schmerz und Verzweiflung. Aber es wird von der Politik im Stich gelassen: Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) ließ sich gerade mal dazu herab, eine Kondolenzkarte zu schicken. Schäbiger geht’s nicht. Terror-Deutschland Offiziell bestätigte islamistische Anschläge seit 2011 Herford August 2014 Messerattacke Essen 16.4.2016 Bombenattentat 3 Verletzte Ramstein Köln Düsseldorf Frankfurt/M. 2.3.2011 Schusswaffenangriff 2 Tote Anschläge Quelle: wikipedia Hamburg Frankfurt/M. Berlin geplante Anschläge Hat nichts mit dem Islam zu tun Berlin 19.12.2016 Lkw-Angriff 12 Tote, 49 Verletzte Hannover 26.2.2016 Messerattacke 1 Verletzter Würzburg 18.7.2016 Axtangriff 1 Toter, 5 Verletzte Ansbach 24.7.2016 Bombenanschlag 1 Toter, 15 Verletzte Grafik: COMPACT Die Trauer ist unerwünscht, weil beim Weihnachtsanschlag ein Moslem der Täter war – und die meisten Opfer Deutsche sind. Die Multikulti- Ideologie aber hat festgelegt: Terror hat nie etwas mit dem Islam zu tun, und die Deutschen sind immer die Schuldigen. Was dazu nicht passt, wird wegzensiert. Aber wollen wir uns wirklich nicht nur unsere Heimat und unser Leben, sondern auch unsere Toten stehlen lassen? Zweierlei Maß? «Die Opfer der rechtsextremen Terrorgruppe NSU sind von der Bundesregierung mit 900.000 Euro entschädigt worden. Das teilte das Bundesjustizministerium mit. Das Geld kommt aus einem Fonds für die Opfer extremistischer Übergriffe. (…) Laut einem früheren Schreiben des Bundesjustizministeriums vom März 2012 erhalten Ehepartner und Kinder der ermordeten neun Kleinunternehmer eine Pauschale von 10.000 Euro, Geschwister 5.000 Euro.» (zeit.de, 29.10.2012) «Fast zwei Monate nach dem Berliner Terroranschlag haben Opfer und Angehörige rund 203.000 Euro Entschädigung vom Bund bekommen. ”Weitere Zahlungen erfolgen laufend”, teilte das Bundesjustizamt am Donnerstag mit. Mit Stand 8. Februar seien 51 Anträge von Opfern und Hinterbliebenen erfasst.» (Berliner Morgenpost, 9.2.2017) Der 37-jährige Lkw-Fahrer Lukasz Urban lebte im polnischen Greifenhagen an der Oder. Ilustration: IF Fabrizia Di Lorenzo stammte aus den italienischen Abruzzen und starb mit 31 Jahren. Ilustration: IF Italiens Präsident Sergio Mattarella empfängt am 24.12.2016 die sterblichen Überreste von Fabrizia Di Lorenzo am Flughafen Rom- Ciampino. Foto: picture alliance / AP Photo 11

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